Wieso solltest du manuell fokussieren? Berechtigte Frage, finden wir. Der Autofokus an deiner Kamera ist ja eigentlich sehr praktisch. Es gibt aber wirkliche einige Situationen, in denen du lieber die Finger vom Autofokus lassen solltest.

Aber erst noch eine kurze Info am Rande: Wusstest du, dass es bis in die Mitte der 70er-Jahre gar keinen Autofokus gab? Einige der berühmtesten Bilder sind also auch schon ohne Autofokus entstanden. Was die können, können wir auch!

Wann also ist es sinnvoll, auf den Autofokus zu verzichten?

#1 Wenn du nicht genug Licht hast

Das Problem kennst du vielleicht. Licht ist Mangelware, du willst ein tolles Motiv fotografieren, drückst auf den Auslöser und der Motor deines Autofokus fährt nur von einem Ende zum Anderen. Ich denke wir sind uns einig, dass das keinen Spaß macht.

Unser Vorschlag ist also: Autofokus ausschalten und die Sache selbst in die Hand nehmen.

#2 Wenn dein Motiv zu wenig Kontrast hat

Wenn du vor einer grauen einfarbigen Wand stehst und versuchst ein Foto zu machen, wirst du merken warum wenig Kontrast ein Problem werden kann.

Denn deine Kamera denkt sich „Das sieht doch alles gleich aus. Was zum Teufel soll der Quatsch?“ und tut nicht das was du von ihr möchtest, nämlich fokussieren. Und da ist es auch ganz egal, ob du super viel Licht draußen hast oder nicht.

Einfarbige Oberflächen, aber auch ein durchgehend blauer Himmel kann dann zu einem Problem werden. Auch hier ist es dann sinnvoll, einfach mal den Autofokus auszuschalten.

Hagia Sophia
Wand an der Hagia Sophia

#3 Wenn das Wetter bescheiden ist

Bescheidenes Wetter ist eigentlich immer doof, kann aber auch zu echt tollen Fotos führen.

Das Problem ist aber oft, dass dein Autofokus mit schlechtem Wetter eher nicht so gut klar kommt. Sollte es z. B. sehr schneien oder neblig sein, weiß dein Autofokus nicht mehr auf was er nun scharf stellen soll.

Im Zweifel verschwindet dein Motiv irgendwo verschwommen hinter den Schneeflocken. Aber hey, irgendeine Schneeflocke im Vordergrund ist gestochen scharf. Wenn du das nicht riskieren möchtest, stell deinen Autofokus einfach aus und stell ihn manuell ein.

#4 Wenn du Portraits fotografierst

Wenn du ein Portrait von jemandem machst, dann ist ein präziser Fokus sehr wichtig. Stell dir einfach vor, der Fokuspunkt ist auf dem Ohr. Augen, Nase und Mund sind leicht verschwommen. Könnte blöd aussehen.

Das wollen wir nicht. Wir wollen im besten Falle genau bestimmen, auf welchen Punkt die Aufmerksamkeit des Betrachters gezogen wird.

Damit wir das nicht dem Zufall überlassen müssen, stellen wir lieber unseren Autofokus aus und bestimmen den Fokuspunkt manuell.

Portrait Bokeh

#5 Wenn sich dein Motiv schnell bewegt

Dinge oder Menschen, die sich schnell bewegen, sind nicht die einfachsten Motive. Vor allem nicht, wenn man sie scharf aufs Bild bekommen möchte. Selbst mit dem kontinuierlichen Autofokus stehst du oft doof dar. Den Autofokus auszustellen, ist da wirklich eine echte Alternative.

Probier es mal aus. Beim nächsten Marathon in deiner Stadt, schnappst du dir deine Kamera und am besten noch dein Stativ, stellst dich damit an den Wegrand und fokussierst auf einen spezifischen Punkt vor. Jetzt musst du nur noch im richtigen Moment abdrücken. Du hast bei einem Marathon aber den Vorteil, dass du an ganz vielen Menschen üben kannst. Also, ran an den Speck!

Was du sonst noch beachten musst, wenn du Motive fotografierst, die sich schnell bewegen, findest du auch in unserem Beitrag zur Verschlusszeit.

Dubai Jump

#6 Wenn du nah an dein Motiv ran gehst – Makroaufnahmen

In der Makrofotografie hast du oft nur eine sehr geringe Tiefenschärfe. Das bedeutet gleichzeitig, dass du mit dem Fokus sehr präzise arbeiten musst.

Angenommen du hast eine Spinne vor deiner Linse und anstatt der Spinne ist die Leiter auf der sie sitzt scharf gestellt. Ärgerlich, oder?

In Situationen, wie dieser, lohnt es sich den Autofokus auszuschalten und manuell auf das Wichtigste im Bild zu fokussieren.

Schmetterlingsgarten
Schmetterlingsgarten

#7 Wenn dein Motiv schreckhaft ist

Tiere sind schreckhaft, vor allem in der Wildnis. Noch dazu haben sie ein echt sensibles Gehör und reagieren allergisch auf laute Geräusche.

Und egal wie gut dein Autofokus ist, er macht immer Geräusche. Wenn du die Gefahr nicht eingehen willst, dann schalte ihn lieber ab.

Tarsier Bohol
Der kleine Koboldmaki ist sehr, sehr schreckhaft.

#8 Wenn du durch etwas durchfotografieren willst

Bei uns sind das dann meistens Fenster, z. B. in einem Flugzeug oder erst vor kurzem als wir in Istanbul die Blaue Moschee aus dem Fenster in der Hagia Sophia fotografieren wollte.

Der Autofokus ist da oft überfordert und fokussiert auf das Fenster und nicht auf das Motiv dahinter. Das Gleiche kann auch passieren, wenn du durch einen halbdurchlässigen Vorhang oder einen Zaun fotografierst. Den Autofokus auszustellen, ist da dann oft die einzige Möglichkeit.

Unser Tipp: Fotografiere mit möglichst großer Blende (also kleiner Blendenzahl) und versuche möglichst nah an den Zaun dran zu gehen bzw. durch ein Loch durchzufotografieren. Mit ein bisschen Glück siehst du es dann gar nicht erst auf dem Bild.

Wusstest du schon? Wenn du das mit der Blende und der Verschlusszahl noch nicht so hinbekommst, dann schau dir doch mal unseren Online-Fotokurs an. Dort erklären wir die Grundlagen der Technik in einfachen Worten und so, dass das Lernen Spaß macht.

Blaue Moschee - fotografiert aus Hagia Sophia
Blaue Moschee – fotografiert von der Hagia Sophia

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Wann schaltest du den Autofokus aus? Hast du Fragen?

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1 Kommentar - Wir freuen uns auch über deinen netten Kommentar!

  1. Hey Jenny, toller Artikel, so viele Situationen wären mir gar nicht eingefallen. Ergänzen würde ich vielleicht noch Mehrfachbelichtungen, insbesondere Panorama-Aufnahmen, aber auch HDR.

    Mit Action- oder Sportmotiven hab ich bislang nur wenig experimentiert, wird wohl auch nie mein Gebiet. Doch aus Interesse, ist mit dem kleinen Sucherbild und einem sich bewegenden Subjekt verlässliches Fokussieren möglich? Stell ich mir extrem schwierig vor, benutze sonst immer den Live-View + Zoom zum manuellen Fokussieren, was aber hier viel zu lang dauern würde. Der kontinuierliche Modus trifft natürlich auch nicht immer, aber das liegt für mich bei diesem Genre in der Natur der Sache.

    Viele Grüße,
    Patrick

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