Probelektion: Bewegungen mitziehen

Dies ist eine Probelektion aus unserem Online-Fotokurs. Du kannst dir hier ganz in Ruhe anschauen, ob dir unsere Art gefällt, wie wir die Fotografie vermitteln. Wenn dir die Probelektion gefällt, freuen wir uns, dich bald in unserem Fotokurs zu begrüßen.

In diesem Fotoprojekt versuchen wir uns an einer etwas anspruchsvolleren Technik. Wir ziehen Bewegungen mit.

Der englische Begriff dafür lautet “Panning”, auf Deutsch lässt sich das am besten mit “Verziehen” übersetzen.

Klingt erstmal komisch, ist aber eine super Methode, um in deinen Fotos Geschwindigkeit festzuhalten. Beim Panning fotografierst du ein sich schnell bewegendes Motiv und ziehst deine Kamera mit dem Motiv mit. Dadurch erzielst du den Effekt, dass dein Hauptmotiv scharf ist, während der Hintergrund verzogen bzw. verschwommen ist.

Solche verzogenen Bilder sehen oft sehr cool und dynamisch aus, erfordern aber auch einiges an Übung. Also fangen wir direkt damit an.

Video zu dieser Lektion

 

Ausrüstung

Für dieses Aufgabe brauchst du nur deine Kamera und ein Objektiv.

Wichtig ist außerdem noch ein guter Standort, an dem regelmäßig Motive an dir vorbeifahren, die du festhalten kannst.

Einstellungen

Die Einstellung deiner Kamera ist eines der Erfolgsrezepte für ein gutes Panning-Foto. Es gibt hier leider kein Patentrezept mit feststehenden Einstellungen, die dich immer zum Erfolg führen.

Welche Einstellung für dich die richtige ist, hängt stark von deinem Motiv ab, und davon wie schnell es sich bewegt. Anhaltspunkte haben wir natürlich trotzdem für dich.

Modus
Die wichtigste Einstelloption beim Panning ist die Verschlusszeit. Am besten fotografierst du deshalb bei deinen ersten Versuchen im Modus S (Tv), so dass sich die Kamera automatisch um die passende Blende kümmert.

Verschlusszeit
Die richtige Verschlusszeit ist der Schlüssel zu einem gelungenen Foto beim Panning. Einen genauen Wert können wir dir hier leider nicht nennen, denn der hängt stark davon ab, wie schnell sich dein Motiv bewegt.

Wenn du einen vorbeifahrenden Fahrradfahrer fotografieren willst, muss deine Verschlusszeit relativ lang sein, da der Fahrradfahrer ja nicht so schnell ist.

Wenn du das gleiche mit einem Auto machst, muss die Verschlusszeit entsprechend kürzer sein, da das Auto ja viel schneller unterwegs ist.

Hier musst du einfach viel ausprobieren. Meistens funktionieren Werte zwischen 1/20 s und 1/200 s am besten, je nach Geschwindigkeit deines Motivs.

Blende
Die Blendeneinstellung kannst du im Modus S zunächst deiner Kamera überlassen.

ISO
Falls sich deine gewünschte Verschlusszeit aufgrund der Lichtverhältnisse nicht realisieren lässt, kannst du den ISO erhöhen. Ansonsten sollte er möglichst niedrig sein.

Fokus
Hier musst du einfach mal ausprobieren, ob deine Kamera in der Lage ist, mit dem Autofokus schnell genug zu fokussieren. Moderne Kameras sollten das hinbekommen. Wenn es nicht klappt, musst du leider manuell fokussieren.

Motive & Ideen

Für diese Aufgabe brauchst du ein Motiv, dass sich schnell bewegt. Sehr gut eignen sich dafür Fahrzeuge aller Art: Autos, Straßenbahnen, Fahrradfahrer. Auch eine laufende oder rennende Person eignet sich gut als Motiv.

Wichtig ist, dass die Geschwindigkeit und der zurückgelegte Weg des Motivs relativ vorhersehbar sind, da du deine Kamera in einer möglichst gleichen Geschwindigkeit mit deinem Motiv bewegen musst.

Spielende Kinder sind zwar prinzipiell auch ein gutes Motiv für diese Technik, allerdings ist es ungleich schwerer ein scharfes Bild eines spielenden Kindes zu erhalten. Denn die Richtung, in die sich das Kind als nächstes bewegt, ist oft unklar. Das gleiche gilt für die Geschwindigkeit, in der sich das Kind bewegt.

Für die ersten Versuche empfehlen wir dir, dich an einen möglichst geraden Weg oder eine Straße zu stellen und dort die vorbeifahrenden Autos zu fotografieren.

Tipps & Tricks

#1 Finde die richtige Geschwindigkeit

Der wohl schwierigste Part an dieser Aufgabe besteht darin, die richtige Verschlusszeit zu finden, die zu deine Motiv passt.

Um dein Motiv scharf abzubilden, musst du deine Kamera möglichst mit exakt der gleichen Geschwindigkeit bewegen, wie das Motiv sich selbst bewegt. Das wird wahrscheinlich nicht beim ersten Mal klappen, aber mit der Zeit bekommst du ein Gefühl dafür.

Bewährt hat sich die folgende Vorgehensweise:

  1. Du fokussierst dein Motiv und beginnst in diesem Moment bereits es mit deiner Kamera zu verfolgen
  2. Jetzt drückst du ab und folgst deinem Motiv weiter
  3. Auch nachdem der Auslöser gedrückt wurde und dein Bild gemacht wurde, folge deinem Motiv ruhig noch etwas weiter. Ein zu schnelles Wegdrehen der Kamera kann dazu führen, dass dein Bild doch noch verwackelt, weil das Foto eben noch nicht ganz im Kasten war.

Zu Beginn ist es leichter mit möglichst kurzen Verschlusszeiten zu arbeiten. Wenn du dein Foto nur 1/200 s belichtest, ist es viel wahrscheinlicher, dass es nicht verwackelt, als wenn du es nur 1/20 s belichtest. Natürlich sind die Fotos bei längerer Verschlusszeit oft beeindruckender, für den Anfang solltest du es aber mit kürzeren Zeiten ausprobieren.

Außerdem ist es einfacher, wenn dein Motiv nicht zu schnell ist. Probiere diese Technik also lieber mit der vor sich hin tuckernden Straßenbahn aus, also mit einem ICE in voller Fahrt.

Hier siehst du zwei der Fotos, die während unseres Video-Drehs zu dieser Lektion entstanden sind. Hier haben wir jeweils mit einer Verschlusszeit von 1/50 Sekunde fotografiert.

Beim ersten Foto ist Jenny nicht komplett scharf, beim zweiten Foto hat das aber schon sehr gut geklappt.

Panning - Jenny auf dem Fahrrad
Jenny auf dem Fahrrad
Einstellungen
Blende

f/4

Verschlusszeit

1/50 s

ISO

100

Brennweite

35 mm

Panning - Jenny auf dem Fahrrad 2
Mach am besten direkt mehrere Bilder hintereinander
Einstellungen
Blende

f/3.5

Verschlusszeit

1/50 s

ISO

100

Brennweite

35 mm

#2 Geduld, Geduld, Geduld

Wir beide sind selbst nicht gerade die geduldigsten Menschen, weshalb uns diese Aufgabe auch nicht so ganz leicht fällt. Leider musst du wirklich einiges an Geduld mitbringen, bis du ein gelungenes Bild im Kasten hast. Vielleicht hast du aber auch Glück oder ein großartiges Talent und kommst schnell zum Ziel. Wahrscheinlicher ist es aber, dass die ersten Versuche daneben gehen.

Dann heißt es: Nicht aufgeben und weiter probieren. Panning bzw. Bewegungen mitziehen ist eine Übungssache und wenn du erstmal ein Gefühl für die Geschwindigkeit und eine ruhige Hand entwickelt hast, macht es richtig Spaß.

Wenn du dich an eine viel befahrene Straße stellst, hast du genügend Motive, um viel üben zu können. Natürlich sollte der Verkehr auf der Straße flüssig laufen und am besten nicht mehrspurig sein. Wir haben uns einfach mal fünf Minuten in Bangkok an eine Straße gestellt und eine ganze Menge Aufnahmen gemacht, von denen wir dir zwei zeigen.

Panning - Vorbeifahrendes Tuk Tuk
Vorbeifahrendes Tuk Tuk
Einstellungen
Blende

f/5.6

Verschlusszeit

1/25 s

ISO

1000

Brennweite

33 mm

Panning - Vorbeifahrendes Moped
Vorbeifahrendes Moped
Einstellungen
Blende

f/5.6

Verschlusszeit

1/30 s

ISO

1000

Brennweite

33 mm

#3 Der richtige Standpunkt ist wichtig

Es ist mehr als ärgerlich, wenn sich während des Fotografierens etwas zwischen dich und dein Motiv drängelt oder dein Motiv plötzlich verschwindet.

Achte also bei der Wahl deines Standorts, dass du möglichst freie Sicht auf dein Motiv hast. Außerdem solltest du dir relativ sicher sein, dass dein Motiv nicht gerade die Richtung wechselt oder abrupt die Geschwindigkeit ändert, während du es eigentlich festhalten willst.

Suche dir also lieber eine langgezogene gerade Strecke aus, auf der Fahrradfahrer und Autos in gleichmäßiger Geschwindigkeit unterwegs sind, als einen Standpunkt kurz vor einer Kreuzung, wo die Gefahr besteht, dass dein Motiv die Richtung wechselt oder abbremst.

Außerdem solltest du möglichst parallel zur Strecke deines Motivs stehen, um die Kamera wirklich sauber mitziehen zu können.

Mitzieh-Bild eines Taxis in New York

Einstellungen
Blende

f/2.8

Verschlusszeit

1/15 s

ISO

125

Brennweite

24 mm