Ein Gastbeitrag von Florian Westermann.

Florian Westermann
Florian Westermann

Florian ist Journalist, Fotograf und Reiseblogger. Zusammen mit seiner Freundin Biggi bloggt er auf phototravellers.de über seine Reisen und zeigt dir natürlich auch die Fotos, die er unterwegs gemacht hat.

Dabei konzentriert er sich hauptsächlich auf das Thema Landschaftsfotografie.

Jetzt geben wir das Wort aber auch schon an Florian, der dir in seinem Gastbeitrag erklärt, wie du Wasserfälle am besten fotografierst.

Wir Landschaftsfotografen haben schon einen dankbaren Job, schließlich rennt das Motiv nicht weg. Der Grand Canyon etwa ist viele Millionen Jahre alt und wird sicher noch die eine oder andere Generation überdauern.

Trotzdem gibt es in der Landschaftsfotografie viele Elemente, mit denen du deinen Bildern eine unglaubliche Dynamik verleihen kannst: Wolken, die am Himmel ihre Bahnen ziehen, Pflanzen, die sich im Wind bewegen oder Wasserfälle, die hunderte Meter in die Tiefe stürzen.

Überhaupt sind Wasserfälle eines der stärksten Gestaltungsmittel in der Landschaftsfotografie um einem Foto Leben und Dynamik einzuflößen. In diesem Beitrag gebe ich dir Tipps, wie du Wasserfälle am besten fotografierst.

Tipp 1: Die richtige Ausrüstung, um Wasserfälle zu fotografieren

Um dem Foto Dramatik und Dynamik zu verleihen, musst du die Bewegung des Wassers einfangen. Wenn du mit einer einfachen Kompaktkamera oder dem Smartphone unterwegs bist, hast du ein entscheidendes Problem: Du kannst die Verschlusszeit nicht einstellen und dafür sorgen, dass das Wasser optisch „eingefroren“ wird. Die Bewegung geht verloren.

Aldeyjarfoss - Island
Aldeyjarfoss, Island – Der Wasserfall ist hier das Hauptmotiv und nimmt das gesamte Bild in Anspruch. Ich habe den Wasserfall bewusst mittig platziert und damit auch ganz bewusst gegen die Drittelregel verstoßen. In diesem Fall war das die beste Variante.

 

Hringvegur
Hringvegur, Island – Hier habe ich die Belichtungszeit so gewählt, dass man die Dynamik des Wassers noch schön erkennt. Als Vordergrund fungierte der Fels und der tiefe Riss im Gestein.

Was also tun? Die Grundvoraussetzung, um die Bewegung eines Wasserfalls einzufangen, ist eine Kamera, mit der du die Belichtungszeit manuell einstellen kannst. Oft reicht schon eine halbe Sekunde, um aus einem wenig spektakulären Motiv ein atemberaubendes Foto zu zaubern. Je länger du belichtest, umso nebliger erscheint das Wasser.

Kannst du bei einer halben Sekunde die Bewegung noch gut erkennen, verwandelt sich das Wasser bei Belichtungszeiten von mehreren Sekunden – zumindest optisch – zunehmend in Nebel.

Natürlich kann kein Mensch eine Kamera mehrere Sekunden lang still halten – auch bei einer halben Sekunde ist das nicht möglich. Deshalb ist ein Stativ die zweite zwingende Voraussetzung, um Wasserfälle richtig in Szene zu setzen.

Ich persönlich rate immer zu Stativen aus Carbon. Diese sind ihren Pendants aus Aluminium nicht nur beim Gewicht, sondern vor allem auch bei der Steifigkeit weit überlegen.

Navajo Falls
Navajo Falls, Arizona – Durch die lange Belichtungszeit erscheint das Wasser hier wie Nebel.

Tipp 2: Achte auf das Licht

Hast du die passende Kamera und das Stativ, kann es endlich rausgehen in die Natur. Du suchst dir eine schöne Stelle, um die Szenerie ins richtige Licht zu rücken.

Licht – das ist ein gutes Stichwort. Liegt der Wasserfall im prallen Sonnenlicht, packe ich persönlich meine Ausrüstung gar nicht erst aus. Die Kontraste sind viel zu hart, als das ich am Ende mit dem Resultat zufrieden wäre.

Anders sieht es aus, wenn eine dichte Wolkendecke das Sonnenlicht dämpft oder der Wasserfall in einem engen Canyon ohne direktes Sonnenlicht liegt. Auch zur Dämmerung lassen sich Wasserfälle gut fotografieren.

Tipp 3: Wasserfälle fotografieren mit Langzeitbelichtung

Wenn der Standpunkt und das Licht passen, geht es ans Fotografieren. Um die Bewegung des Wassers einzufangen, musst du mindestens eine Viertelsekunde lang belichten. Meistens belichte ich aber deutlich länger, bis hin zu mehreren Sekunden.

Um solche Belichtungszeiten zu erreichen, reicht es zumindest zur Dämmerung oft schon, auf Blende 13 abzublenden. Die weit geschlossene Blende hat auch den Vorteil, dass du das Bild vom Vordergrund bis zum Hintergrund scharf abgelichtet bekommst.

Wailua Falls
Wailua Falls, Kauai’i – Diesen Wasserfall habe ich erst nach Sonnenuntergang vor die Linse genommen. Ein Graufilter war gar nicht mehr nötig, um das Wasser als Nebel darzustellen. Um aber den Himmel abzudunkeln, kam allerdings ein Grauverlaufsfilter zum Einsatz, der die Belichtungszeit ebenfalls verlängert.

 

Um die Belichtungszeit noch weiter zu verlängern, könntest du versucht sein, die Blende noch weiter zu schließen, etwa auf Blende 22. An Vollformatkameras wie der Canon Eos 5D oder der Nikon D810 kann Blende 18 in bestimmten Situationen noch gut funktionieren.

Wenn du nicht im Besitz einer teuren Profikamera bist, hat deine Kamera sehr wahrscheinlich einen APS-C-Sensor. Bei diesen Kameras solltest du es besser vermeiden mit zu großen Blendenzahlen zu fotografieren und maximal bis Blende 13 gehen.

Der Grund ist einfach: Durch die kleine Blendenöffnung wird das Licht zu stark gebrochen und das Bild wird in bestimmten Bereichen unscharf. Man spricht in diesem Fall von der sogenannten Beugungsunschärfe.

Was aber tun, wenn die Belichtungszeit trotz weit geschlossener Blende noch zu kurz ist? Hier helfen Graufilter, auch ND-Filter bzw. Neutraldichtefilter genannt. Mit Hilfe eines solchen Graufilters kannst du Belichtungszeit deutlich verlängern, ohne die Blende weiter schließen zu müssen.

Graufilter gibt es in verschiedenen Stärken. Ich benutze meist einen moderaten Graufilter in der Stärke 0.3 (eine Blendenstufe) oder 0.6 (zwei Blendenstufen). Im ersten Fall verdoppelt sich die Belichtungszeit, im zweiten Fall vervierfacht sie sich. Die Filter können auch kombiniert werden.

Persönlich nutzte ich ausschließlich Glasfilter und keine Kunststoffilter. Glasfilter sind im Gegensatz zu Kunststofffiltern weitgehend farbneutral – aber dafür deutlich teurer.

Kanarra Creek
Kanarra Creek, Utah – Der Berg wurde am Abend von der Sonne angestrahlt, der kleine Wasserfall glücklicherweise nicht. Um den starken Kontrast in den Griff zu bekommen, kam auch hier ein Grauverlaufsfilter zum Einsatz, der die Belichtungszeit des Gesamtbildes verlängerte.

 

Tipp 4: Spiegelungen vermeiden

Um Spiegelungen etwa auf dem Wasser oder auf nassen Steinen oder Blättern zu reduzieren, greife ich je nach Situation auch zu einem Polfilter. Beachte dabei, dass ein Polfilter die Belichtungszeit ebenfalls etwas verlängert.

Polfiltervergleich
Polfiltervergleich: Wasserfall auf Madeira. Hier siehst du, was der Polfilter alles ausrichten kann. Links ohne Polfiter, rechts mit.

 

Es gibt Fotografen, die belichten Bilder von Wasserfällen mehrfach und setzen die einzelnen Teile am Ende am Computer per Photoshop zusammen. Das ist durchaus eine Variante, um zu dunkle oder zu helle Stellen im Foto zu vermeiden.

Ich persönlich arbeite da aber altmodisch und versuche, schon beim fotografieren alles richtig zu machen.

Tipp 5: Lieber ein Foto zu viel, als eins zu wenig

Hast du ein Bild mit einer bestimmten Belichtungszeit im Kasten, lohnt es sich, noch einige andere Belichtungszeiten auszuprobieren. Wenn du verschiedene Graufilter zur Verfügung hast, kannst du die Belichtungszeiten sehr einfach variieren.

Warum dieser Aufwand? Auf dem Display der Kamera ist das Ergebnis nur schwer einzuschätzen. Meistens erkennt man erst am Computer, welches Bild wirklich das beste ist. Du wirst sehen: Jede Belichtungszeit hat ihren eigenen Charme.

Eine Faustregel, welche Belichtungszeit die richtige ist, gibt es leider nicht. Das hängt alles sehr stark vom Motiv und auch der Fließgeschwindigkeit des Wassers ab.

Tipp 6: Gib deinem Wasserfall-Foto mit einem Eyecatcher das gewisse Etwas

Ein Foto wirkt oft interessanter, wenn du einen Eyecatcher einbaust. Im Herbst etwa hast du beste Bedingungen, um bunte Blätter, die im Wasser fließen, in dein Foto einzubauen. Auch Schaum kann sehr schöne Muster auf dem Wasser zeichnen.

Versuch es auch hier mit verschiedenen Belichtungszeiten und geh immer mit offenen Augen durch die Natur, um spannende Eyecatcher zu finden.

Island
Island – Der Himmel war bedeckt – ideale Voraussetzungen, um auch am Tag Wasserfälle und Wasser zu fotografieren. Durch die lange Belichtungszeit ziehen die Blasen auf dem Wasser fröhlich Kreise.

 

Jetzt wünsche ich dir viel Spaß dabei, die nächsten Wasserfälle perfekt abzulichten.

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Wasserfälle richtig fotografieren. Hast du Fragen?

Hast du Fragen, die dir auf dem Herzen liegen oder möchtest du sonst etwas loswerden? Ich freue mich auf deinen Kommentar.

7 Kommentare - Wir freuen uns auch über deinen netten Kommentar!

  1. Hallo Ihr,
    Danke für die tollen Tipps!
    Vor Allem der Hinweis mit der Tageszeit und den Lichtbedingungen finde ich sehr hilfreich. Da hätte ich jetzt erst mal nicht so drauf geachtet. Super, jetzt kann ich diesen Fehler schon mal vermeiden, wenn ich demnächst an einen Wasserfall komme.
    Gruß,
    Markus

    • Hallo Markus, der Dank gilt in dem Fall unserem Gastautor Florian! Wasserfälle fotografieren macht irre viel Spaß, sodass man zumindest nie müde wird alle möglichen Einstellungen auszuprobieren! Ich wünsche dir ganz viel Spaß dabei! Liebe Grüße aus Hamburg, Jenny

  2. Hallo Freunde der schönen Fotos

    Ich bin noch auf dem Weg ein guter Fotograf zu werden.
    Und habe deshalb mal eine Frage:
    Was versteht man bei einem Graufilter, wenn man ihn benutzt unter 0.3 =1 Blendenstufe
    und bei 0.6 = 2 Blendenstufen ?
    Würde mich freuen etwas schlauer zu werden.
    Bin durch Zufall auf euch gestoßen und fand es richtig toll!!!

    • Hallo Bernd,

      schön, dass du auf unsere Seite gestoßen bist.

      Genau, 0.6 entspricht 2 Blendenstufen. Das entspricht wiederum einer Verlängerung der Verschlusszeit um den Faktor 4. Wenn du also ohne Filter eine Verschlusszeit von 1 Sekunde wählen würdest, um das Bild optimal zu belichten, würdest du mit einem ND 0.6-Filter 4 Sekunden belichten müssen.

      Viele Grüße
      Sebastian

  3. Hey,

    super Beitrag, bis jetzt konnte ich Wasserfälle leider überhaupt nicht fotografieren. Talentfrei würde ich wohl sagen, die Tipps
    werde ich beim nächsten mal auf jeden Fall umsetzen. Danke dafür :-). Und die Fotos von den Wasserfällen sind ein Traum!

    Liebe Grüße
    Daria

    • Hi Daria,
      ach, ich bin mir ganz sicher, dass du das mit ein bisschen Übung super hinbekommst! Ich wünsche dir auf jeden Fall ganz viel Spaß beim Ausprobieren! Liebe Grüße aus Chiang Mai /Jenny

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