Wasserfälle richtig fotografieren: Tipps und Tricks

In diesem Artikel erklären wir dir, wie du Wasserfälle am besten fotografierst und zeigen dir, wie du den typischen Schleier-Effekt erhältst, mit dem das Wasser samtig weich aussieht. So kannst du selbst ganz einfach tolle Fotos von Wasserfällen machen.

Wasserfälle haben eine ganz besondere Faszination, nicht nur für Fotografen. In der Natur sehen sie absolut beeindruckend aus, auf Fotos wirken Wasserfälle aber oft relativ langweilig.

Das muss aber nicht sein! Wie du Wasserfälle fotografierst, sodass sie auch auf Fotos atemberaubend aussehen, verraten wir dir in diesem Artikel.

Für unsere Erklärungen setzen wir voraus, dass du die technischen Grundlagen deiner Kamera verstehst.

Wenn du Lust darauf hast, die Grundlagen der Technik zu erlernen, können wir dir unseren Online-Fotokurs ans Herz legen. Dort erklären wir dir das komplette Basiswissen der Fotografie in einfachen Worten und vor allem, mit ganz viel Spaß.

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Wie soll der Wasserfall aussehen?

Die erste Frage stellt sich schon, bevor du auf den Auslöser drückst: Wie willst du den Wasserfall auf deinem Foto überhaupt darstellen?

Dafür gibt es zwei grundlegende Möglichkeiten:

  1. Du willst den Wasserfall auf dem Bild so zeigen, wie er in der Realität aussieht. Du willst also eine Aufnahme machen, in der du das fallende Wasser in einem kurzen Moment festhältst. So kannst du vielleicht sogar noch einzelne Tropfen sehen.
  2. Du willst die Fließbewegung des Wassers auf deinem Foto zeigen. Der Wasserfall soll eine milchige Färbung bekommen, also du willst eine Art Schleier-Effekt kreieren. So kannst du die Bewegung des Wassers auf dem Bild viel deutlicher zur Geltung bringen.

War das zu abstrakt? Kein Problem. Wir zeigen dir einfach auf zwei Fotos, wie wir das genau meinen.

Auf dieser Brücke kannst du super Fotos vom Wasserfall machen!
Variante 1: Hier sind die Konturen des Wassers ganz deutlich zu sehen. Das Bild zeigt übrigens den Kuang Si Wasserfall in der Nähe von Luang Prabang in Laos.
Wasserfall Kuang Si in der Nähe von Luang Prabang
Variante 2: Hier ein Bild des gleichen Wasserfalls. Jetzt hat das Wasser den typischen Schleiereffekt. Es sieht milchig aus.

Die richtige Ausrüstung, um Wasserfälle zu fotografieren?

Um Wasserfälle oder fließendes Wasser zu fotografieren, brauchst du natürlich erst mal eine Kamera. Wenn du das Wasser nicht weich fotografieren möchtest, also so wie in Variante 1, reicht eine normale Kamera oder eine Handykamera vollkommen aus.

Wenn du aber mehr willst und den typischen Schleiereffekt erzielen möchtest, musst du dein Foto länger belichten. Man spricht dann von einer Langzeitbelichtung und dafür brauchst du etwas mehr, als nur deine Kamera. Welche Ausrüstung du genau brauchst, schauen wir uns jetzt im Detail an.

Die richtige Kamera

Da du das Wasser nicht einfach nur fotografieren möchtest, sondern die Bewegung des Wassers aufs Bild bannen möchtest, brauchst du eine Kamera, an der du manuelle Einstellungen vornehmen kannst.

Die gute Nachricht: Es gibt wirklich kaum Kameras, die das nicht können! Hast du neben dem Auslöser ein Rädchen auf dem P, A, S ( oder Tv) und M steht? Perfekt!

Wenn du kein Rädchen hast, schau mal in deinem Kameramenü, ob du die Blende oder die Verschlusszeit einstellen kannst. Wenn dir das alles gar nichts sagt, solltest du dich erst mal mit unserem Artikel Grundlagen der Fotografie beschäftigen oder am besten direkt mit unserem Fotokurs tiefer in die Materie eintauchen.

Wenn du auf der Suche nach einer neuen Kamera bist, schau unbedingt in unseren Artikel Kamera Kaufberatung, in dem wir erklären, welche Kamera für dich die beste Wahl ist.

Das richtige Objektiv

Grundsätzlich kannst du für das Fotografieren von Wasserfällen jedes Objektiv benutzen.

Am geschicktesten ist unserer Meinung nach aber ein Weitwinkel-Zoom Objektiv. Denn so stellst du sicher, dass du möglichst viel vom Wasserfall auf dein Foto bekommst.

Ein Stativ

Um Wasser für lange Zeit zu belichten, brauchst du unbedingt ein Stativ. Es ist essentiell, dass deine Kamera ganz ruhig steht. Denn wenn du ohne Stativ fotografierst, hat das unscharfe Bilder zur Folge.

Wenn wir mit wenig Gepäck unterwegs sind, haben wir immer unser Rollei Compact Traveler No. 1 Carbon dabei, dass mit einem Gewicht von knapp unter einem Kilo einfach das beste Verhältnis zwischen Gewicht und Funktionalität bietet.

Wenn wir mit dem Auto unterwegs sind und Gewicht und Größe keine Rolle spielen, nehmen wir unser Rollei Rock Solid Carbon Gamma mit dem Stativkopf T-5S mit, dass mit 1,75 kg zwar etwas mehr wiegt, aber auch stabiler ist.

Beide Stative können wir uneingeschränkt empfehlen!

Bildstabilisator ausschalten Stativ
Ein Stativ ist ein Muss um Wasserfälle zu fotografieren!

Ein Fernauslöser

Wenn du auf einem Stativ fotografierst, hast du durch die Benutzung eines Fernauslösers einen sehr entscheidenden Vorteil: Du verhinderst, dass die Kamera beim Auslösen wackelt. Denn beim Drücken des Auslösers gibst du deiner Kamera sonst ganz automatisch einen kleinen Schubser.

Ein Fernauslöser ist allerdings kein unbedingtes Muss, um Wasserfälle zu fotografieren. Alternativ kannst du auch den Selbstauslöser deiner Kamera benutzen und einstellen, dass die Kamera nach Drücken des Auslösers erst nach z. B. 5 Sekunden auslöst. Das verhindert ebenfalls das Verwackeln deines Fotos.

Die schickere Variante ist natürlich ein Fernauslöser. Den gibt es mit Kabel oder mit Funk. Für unsere Sony Alpha 7ii benutzen wir diesen Funkfernauslöser. Achte beim Kauf darauf, dass der Fernauslöser mit deiner Kamera Kompatibel ist.

Filter

Um Wasserfälle richtig zu fotografieren, sind Filter nicht wegzudenken. Wir zeigen dir, welche Filter du dafür brauchst.

ND-Filter

Um einen Wasserfall mit dem typischen Schleiereffekt zu fotografieren, musst du relativ lange belichten. In der Regel braucht es mehrere Sekunden, um die Fließbewegungen des Wassers auf dein Foto zu bannen.

Bei Tageslicht ist es natürlich nicht ohne Weiteres möglich, mehrere Sekunden zu belichten. Dein Foto wäre hoffnungslos überbelichtet. Deshalb brauchst du unbedingt einen ND-Filter. Teilweise werden diese auch als Graufilter bezeichnet. Grundsätzlich sind ND-Filter und Graufilter aber exakt das Gleiche.

Es gibt verschiedene Stärken von ND-Filtern und wir empfehlen dir, zwei Stärken davon immer in der Fototasche zu haben, wenn du Wasserfälle fotografieren möchtest. Wir haben immer einen ND64-Filter und einen ND1000-Filter dabei.

Ein ND1000-Filter ist sehr stark und ermöglicht es dir auch bei strahlendem Sonnenschein, lange zu belichten. Ein ND64-Filter ist weniger stark und eignet sich dann, wenn nicht so viel Licht vorhanden ist, aber doch zu viel, um ohne Filter zu fotografieren. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn du in einer relativ dunklen Schlucht mit ein wenig Tageslicht stehst. Dafür wäre der 1000er zu stark.

Filter kann man für wenige Euro kaufen oder ein Vermögen dafür ausgeben. Wir sind nach viel Probieren bei den Filtern der Marke Haida gelandet, die unserer Meinung nach das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. Du solltest beim Kauf darauf achten, dass der Filter das für dein Objektiv passende Filtergewinde hat. Die Angabe findest du meistens vorne an deinem Objektiv. Dort steht dann z. B. 52 mm oder 71 mm.

Das sind unsere Filter:

Haida ND64 
Haida ND1000

Polfilter

Außerdem empfehlen wir dir beim Fotografieren von Wasser grundsätzlich mit einem Polfilter zu arbeiten. Warum? Weil du damit die Reflexionen des Lichts reduzieren kannst.

Diese Reflexionen findest du nicht nur auf dem Wasser, sondern auch auf Blättern von Pflanzen oder Bäumen. Es ist sehr wichtig, dass du auch weißt, wie man den Polfilter richtig einsetzt. Schau dir hierfür unser Video am Ende des Abschnitts an. Ab Sekunde 1:15 dreht sich dann alles um Polfilter und wie du sie einsetzt.

Ein Polfilter ist kein absolutes Muss, um Wasserfälle zu fotografieren. Wenn du Geld sparen willst oder nicht so viele Filter mitschleppen möchtest, kannst du darauf verzichten. Wir würden es aber sehr empfehlen, einen Polfilter dabei zu haben.

Wir benutzen übrigens diesen hier:

HAIDA Ultra Slim NanoPro MC ND 3.0.

Polfilter und ND Filter zusammen benutzen

Du kannst beide Filter gleichzeitig auf dein Objektiv schrauben. Zuerst schraubst du den Polfilter auf das Objektivgewinde und stellst ihn richtig ein (Schau das Video an, wenn du wissen möchtest, wie das geht). Auf den Polfilter, schraubst du dann den ND-Filter. Achte aber darauf, dass du die Position des Polfilters dabei nicht veränderst.

Kamera-Einstellungen, um Wasserfälle zu fotografieren

Jetzt aber genug des Vorgeplänkels. Nun kommen wir zu unseren konkreten Tipps, um Wasserfälle zu fotografieren.

Du solltest in Raw fotografieren

Dieser Tipp gilt nicht nur für das Fotografieren von Wasserfällen, sondern einfach immer. In RAW Fotografieren heißt grob gesagt, dass deine Kamera keine .jpg-Dateien erzeugt, sondern Rohdateien ausspuckt, in denen noch viel mehr Informationen erhalten sind.

Wenn du deine Bilder im Anschluss bearbeitest, dann solltest du immer in RAW fotografieren. So hast du anschließend deutlich mehr Möglichkeiten in der Bearbeitung, da einfach viel mehr Bildinformationen vorhanden sind.

Wenn du deine Bilder nicht bearbeiten willst, ist RAW aber nicht das Richtige für dich. In dem Fall fotografierst du weiterhin in JPG. Viele Kameras bieten auch die Option, deine Fotos sowohl in RAW als auch in JPG zu speichern, falls du dir noch nicht sicher bist.

Die richtige Verschlusszeit

Um dem fließenden Wasser den Schleier-Effekt zu verleihen, musst du dein Bild relativ lange belichten. Die genaue Zeit hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem von der Fließgeschwindigkeit des Wassers. Grundsätzlich sind Verschlusszeiten ab 1-2 Sekunden und länger gute Richtwerte.

Bei bewölktem Himmel kannst du das ggf. sogar ohne ND-Filter erzielen, in dem du den ISO-Wert möglichst gering einstellst (z. B. 50 oder 100) und deine Blende schließt (z. B. f/13), sodass möglichst wenig Licht auf den Sensor deiner Kamera fällt.

Wenn du aber mehrere Sekunden belichten möchtest, um das Wasser noch milchiger zu bekommen, musst du mit einem ND-Filter arbeiten. Wir belichten oft bis zu 30 Sekunden.

Probier ruhig unterschiedliche Einstellungen aus. Du wirst feststellen, dass nicht nur jedes Foto anders aussieht, da das Wasser ja nicht immer die selben Bahnen fließt, sondern unterschiedliche Verschlusszeiten auch den Look deines Fotos verändern.

Die richtige Blende

In der Landschaftsfotografie arbeitet man in den meisten Fällen mit einer geschlossenen Blende, um eine möglichst hohe Tiefenschärfe zu erreichen.

Für dich bedeutet das also, dass du die Blende auf einen Wert zwischen f/8 und f/13 einstellen musst.

Wenn du mehr über die Blende erfahren möchtest, dann schau mal in unseren Artikel So funktioniert die Blende deiner Kamera.

Das ist die erste von insgesamt 59 Lektionen unseres Online-Fotokurses, die wir dir als kostenlose Probelektion zur Verfügung stellen.

Der richtige ISO

Den ISO-Wert solltest du so gering wie möglich einstellen. Welcher Wert das genau ist, kommt auf deine Kamera an.

In den meisten Fällen ist 100 der geringste Wert. Bei unserer Sony Alpha 7ii ist es 50 und es gibt auch Kameras, die 80 als kleinsten Wert haben.

Bildstabilisator aus

Wenn du mit einem Stativ fotografierst, solltest du den Bildstabilisator vorher ausstellen! Denn sonst werden deine Bilder unscharf. Wieso das so ist, kannst du in unserem Artikel über unscharfe Fotos im Punkt 9 nachlesen.

Tipps für die Bildgestaltung & das Licht

Wolken sind herzlich Willkommen

Tatsächlich ist es für das Fotografieren von Wasserfällen super, wenn die Sonne nicht scheint. Oder sagen wir es so: Es ist von Vorteil, wenn sie nicht auf das fließende Wasser scheint, das du fotografieren möchtest.

Wenn also kein strahlend blauer Himmel ist, musst du gar nicht traurig sein. Deine Fotos werden auch so großartig.

Wasserfall
Wolken verhindern Lichtreflexionen auf dem Wasser. Hier siehst du die Sunwapta Falls im Jasper Nationalpark in Kanada.

Vermeide Spiegelungen

Wir haben es oben zwar schon mal angemerkt, möchten aber auch hier noch mal darauf eingehen. Wir empfehlen, Wasserfälle immer mit einem Polfilter zu fotografieren.

Denn damit kannst du Reflexionen bzw. Spieglungen auf dem Wasser, Blättern und nassen Steinen reduzieren.

Theoretisch kannst du in den Becken auch baden. Uns war es zu kalt.
Ein Polfilter reduziert Spiegelungen im Wasser.

Vordergrund

Je nachdem wie spektakulär der Wasserfall ist, lohnt es sich auch den Vordergrund in dein Foto bewusst einzubauen.

Das können z. B. Steine sein, die im Wasser liegen oder Gras, dass am Rande wächst. Vielleicht liegt auch ein Boot am Rand! Sei kreativ!

Lake Louise, Banff Nationalpark
Zwar kein Wasserfall, aber eine Langzeitbelichtetes Bild, dass durch die Steine im Vordergrund noch interessanter wird. Aufgenommen am Lake Louise im Banff Nationalpark.

Du selbst mit im Bild

Gerade bei Wasserfällen kann es richtig spektakulär aussehen, wenn man selbst mit auf dem Bild ist. Wenn du jetzt allerdings eine lange Verschlusszeit hast, wird es sehr schwierig so lange ruhig zu halten, dass man selbst noch scharf auf dem Foto zu erkennen ist.

Wir möchten dir deshalb noch einen kleinen Extra-Trick mitgeben, wie du auch auf einer Langzeitbelichtung mit auf dem Bild sein kannst.

Es gibt zwei Möglichkeiten:

Nr. 1: Wenn du nur ganz klein auf dem Bild zu sehen bist, versuchst du einfach, ganz ruhig zu halten. Das funktioniert relativ gut.

Auf dem Bild, das du hier siehst, hat Jenny 30 Sekunden lang so ruhig gehalten, wie es geht.

Wenn man ganz nah in das Bild hinein zoomt, sieht man die Unschärfe, aber in normaler Größe fällt es kaum auf.

Eine Sitzposition ist da natürlich sehr hilfreich, weil man im Sitzen viel weniger wackelt und schwankt, als im Stehen.

Wasserfall
Jenny ist nur ganz klein im Bild, sodass man die Unschärfe im Bild kaum sieht.

Nr: 2: Die zweite Variante ist etwas komplizierter, sorgt aber garantiert für verwacklungsfreie Ergebnisse. Du machst dazu zwei Fotos. Zunächst fotografierst du nur den Wasserfall mit einer Langzeitbelichtung, anschließend fotografierst du den Wasserfall mit der Person davor mit einer sehr kurzen Verschlusszeit.

Anschließend kannst du beide Bilder in Photoshop übereinander legen, dich aus dem normalen Bild freistellen und schwups, bist du in dem Bild mit einer Langzeitbelichtung. Achte dabei aber darauf, dass du möglichst exakt den gleichen Bildausschnitt fotografierst. Mit einem Stativ ist das aber kein Problem.

Bild Nr. 1 - Langzeitbelichtung
Bild Nr. 1 – Langzeitbelichtet
Wasser mit kurzen Verschlusszeit
Bild Nr. 2 – Bild mit einer kurzen Verschlusszeit mit Jenny drauf.
Bild 1 und Bild 2 zusammengefügt
Bild 1 und Bild 2 zusammengefügt

Du musst einen Wasserfall nicht zwangsweise mit einer Langzeitbelichtung fotografieren

Natürlich musst du einen Wasserfall nicht unbedingt mit einer Langzeitbelichtung fotografieren. Man braucht nicht unbedingt einen Schleier-Effekt, um einen Wasserfall ins richtige Licht zu rücken.

Dieser Wasserfall hier ist ohne Graufilter, ohne Stativ aus der Hand mit einem Polfilter entstanden. Es kommt immer ein bisschen auf das Gesamtmotiv an, welche der beiden Varianten die schönere ist.

Wasserfall ohne Graufilter fotografiert.
Wasserfälle muss man nicht zwangsweise mit einer Langzeitbelichtung fotografieren. Sie sehen auch normal fotografiert hübsch aus, wie zum Beispiel dieser Wasserfall auf Mauritius!

Wasserfälle richtig fotografieren. Hast du Fragen?

Hast du Fragen, die dir auf dem Herzen liegen oder möchtest du sonst etwas loswerden? Wir freuen uns auf deinen Kommentar und wünschen dir viel Spaß beim Wasserfälle fotografieren.