Darf man ein Stativ während eines Fluges im Handgepäck transportieren oder muss man es aufgeben?

Da wir selbst sehr viel mit unserer Fotoausrüstung reisen und am liebsten nur mit Handgepäck unterwegs sind, haben wir uns diese Frage natürlich auch gestellt.

Google ist dein Freund, dachten wir uns, und haben uns auf die Suche nach einer Antwort begeben. Gefunden haben wir ganz viele Foren, in denen genau diese Frage auch gestellt wurde. Eine richtige Antwort haben wir aber nirgends gefunden.

Es wird zwar viel von persönlichen Erfahrungswerten berichtet: Manche Forenschreiber durften ihr Stativ mitnehmen, andere wurden an der Sicherheitskontrolle zurückgewiesen. Eine definitive Antwort, auf die man sich wirklich verlassen kann, haben wir leider nicht gefunden.

Da wir unser Stativ aber ungern an der Sicherheitskontrolle abgeben wollen, brauchen wir eine verbindliche Antwort. Wir haben also einfach mal die größten deutschen Flughäfen angeschrieben und ihnen ein paar Fragen gestellt.

Wenn du definitiv wissen möchtest, ob du dein Stativ auf einem Flug im Handgepäck transportieren darfst, findest du hier alle Antworten.

Vielen Dank an den Flughafen Hamburg und den Flughafen Frankfurt, sowie die Bundespolizeiinspektion Hamburg für das ausführliche Feedback zu unseren Fragen.

Wer entscheidet überhaupt, ob du ein Stativ im Handgepäck mitführen darfst?

In Fotografie-Foren liest man oft von der Annahme, dass die Airlines entscheiden, ob du dein Stativ im Handgepäck transportieren darfst. Das ist nicht richtig.

Die Airlines interessieren sich in der Regel nur dafür, dass dein Handgepäck sich in Größe und Gewicht im erlaubten Rahmen bewegt.

Der kritische Punkt bei der Entscheidung, ob dein Stativ mit in die Flugzeugkabine darf oder nicht, ist die Sicherheitskontrolle. An deutschen Flughäfen ist die Bundespolizei für die Sicherheitskontrollen zuständig. Unsere Anfragen wurden deshalb auch direkt von der Bundespolizei beantwortet.

Die Sicherheitskontrollen selbst werden in der Regel von privaten Dienstleistern im Auftrag der Bundespolizei durchgeführt. Bei Unstimmigkeiten mit dem Sicherheitspersonal, hat aber immer ein Beamter der Bundespolizei das letzte Wort.

Darfst du also ein Stativ im Handgepäck mitführen?

Nachdem wir geklärt haben, wer die Entscheidungsgewalt hat, widmen wir uns endlich der wichtigen Frage: Darfst du ein Stativ im Handgepäck transportieren oder nicht?

Grundsätzlich gehört ein Stativ erst einmal nicht zu den an Bord eines Flugzeugs verbotenen Gegenständen.

Es gibt aber ein sogenanntes Luftsicherheitsgesetz (LuftSiG) und dort steht in § 5 Absatz 2 Nr. 3 geschrieben, dass „sonstige Gegenstände, die bei der Durchsuchung oder Überprüfung festgestellt werden und die sich zu Angriffen auf Personen oder zur Beschädigung von Luftfahrzeugen eignen“ von der Kontrollstelle verwiesen werden können.

Letztendlich ist es also immer eine Einzelfallentscheidung. Bei der Entscheidung ist relevant, wie dein Stativ konkret aussieht. Im Zweifelsfall ist aber auch die Flugroute und die Person, die das Stativ mitführt, für die Entscheidung relevant.

Woher weißt du nun, ob dein Stativ für den Transport im Handgepäck geeignet ist?

Wir haben natürlich bei unseren Fragen auch ein konkretes Stativ genannt und gefragt, ob wir es mit ins Handgepäck nehmen dürfen.

Unser neues Reisestativ ist das Rollei Compact Traveler No 1 Carbon. Das Stativ können wir dir übrigens wärmstens empfehlen. Es lässt sich auf eine Höhe von 1,42 Meter ausfahren und ist sehr stabil. Gleichzeitig ist es sehr leicht und lässt sich auf die Länge von 33 cm zusammenschieben. Das Gewicht ohne Kugelkopf beträgt auch nur 788 Gramm, sodass du, je nach Airline-Vorgaben, noch einige Kilogramm für dein restliches Handgepäck übrig hast.

Das Stativ passt ganz einfach in jeden Rucksack oder Handgepäckkoffer. Außer verschiedene Ministative, gibt es auf dem Markt kaum vergleichbare Reisestative, die so leicht und klein sind.

Stativ Spikes HandgepäckLaut Aussage der Bundespolizei befindet sich das Stativ mit der Länge von 33 cm und dem Gewicht von 788 Gramm bereits im Graubereich und es wurde uns dringend dazu geraten, es nicht im Handgepäck mitzuführen.

Jetzt besteht bei unserem Stativ noch das zusätzliche Problem, dass an den unteren Enden der Stativbeine Spikes eingebaut sind, für den Fall, dass man es auf einem weichem Untergrund platzieren möchte. Und auch die Spikes können natürlich als potenzielle Waffen empfunden werden.

Stativ Handgepäck
Das Stativ passt mit seiner Größe perfekt ins Handgepäck. Die Euromünze haben wir daneben gelegt, damit du die Größe besser einschätzen kannst.

Fazit: Stativ besser nicht ins Handgepäck

Die Antwort der Bundespolizei war letztendlich eindeutig. Auch wenn es keine offizielle Regelung für Stative im Handgepäck gibt, können sie vom Sicherheitspersonal grundsätzlich immer als gefährliche Gegenstände angesehen werden.

Um sich Ärger zu ersparen, solltest du ein größeres Stativ also immer aufgeben.

Stativ im Handgepäck – Welche Alternativen gibt es?

Unser Reisestativ ist mit 788 Gramm und 33 cm Länge für ein Stativ schon sehr klein und leicht. Dennoch gibt es natürlich auch Stative, die das noch unterbieten können.

MinistativeStativ Handgepäck Cullmann

Eine Alternative sind Ministative. Wir haben schon sehr oft das Cullmann Magnesit Copter Multistativ im Handgepäck transportiert und hatten damit nie Probleme. Das Stativ wiegt nur 250 Gramm und ist 22 cm lang. Es ist also kaum größer als eine elektrische Zahnbürste.

Leider ist es aber auch im Einsatz sehr beschränkt und wirklich nur eine Notlösung. Aber immerhin besser als gar nichts.

Leichte EinsteigerstativeStativ Handgepäck Hama

Wenn du nur mit Handgepäck verreisen willst, aber trotzdem nicht auf ein großes Stativ verzichten möchtest, kannst du dir auch ein leichtes Einsteigerstativ zulegen. Ab etwa 15 Euro bekommst du z. B. das Hama Leichtes Einsteiger-Dreibeinstativ.

Bei diesen Stativ ist die Gefahr natürlich auch vorhanden, dass du damit nicht durch die Sicherheitskontrolle kommst. Der Verlust lässt sich aber viel einfacher verschmerzen, als bei einem Stativ für 200 Euro.

Was passiert, wenn das Stativ nicht durch die Sicherheitskontrolle darf?

Wenn du es trotzdem versuchen möchtest, ein nicht so günstigstes Stativ im Handgepäck zu transportieren, solltest du dir auf jeden Fall darüber bewusst sein, dass du Probleme am Sicherheitscheck bekommen wirst.

Wenn dir die Mitnahme in die Flugzeugkabine verweigert wird, hast du in der Regel 4 Möglichkeiten:

  1. Du kannst das Eigentum am Stativ aufgeben. Das Stativ wird dann vom Sicherheitspersonal entsorgt.
  2. Du kannst dich von jemandem zum Flughafen bringen lassen, der dann wartet, bis du durch die Sicherheitskontrolle durch bist. Wenn du das Stativ nicht mitnehmen darfst, gibst du es einfach der wartenden Person mit und musst es nicht wegschmeißen. Das geht natürlich nur auf dem Hinflug, es sei denn du hast auch beim Rückflug jemanden, der das Stativ im Notfall entgegen nehmen kann.
  3. Du kannst das Stativ nachträglich aufgeben. Das ist in der Regel nicht ganz billig und kostet natürlich auch Zeit. Wenn du das als Notfalloption in Betracht ziehst, solltest du nicht auf den letzten Drücker am Flughafen ankommen.
  4. Viele Flughäfen bieten auch eine kostenpflichtige Aufbewahrung an, oder die Möglichkeit ein Stativ im Notfall per Post an eine Adresse deiner Wahl zu verschicken. Neben der Kosten ist aber auch hier wieder einiges an Zeit gefragt, weshalb es für die meisten Reisenden wahrscheinlich keine Option ist.

Fazit: Stative besser nicht ins Handgepäck

Wenn dir dein Stativ lieb und teuer ist, gib es zur Sicherheit immer auf. Wenn ein Verlust an der Sicherheitskontrolle kein Problem für dich ist, kannst du es natürlich probieren.

Andere Fotoausrüstung, wie Kamera und Objektive, sind übrigens ausdrücklich im Handgepäck erlaubt und wir empfehlen dir natürlich dringend, deine teure Ausrüstung auch nur im Handgepäck zu transportieren.

Der Artikel beschreibt die rechtliche Lage in Deutschland. Von Land zu Land können also andere Regelungen gelten. Du kannst davon ausgehen, dass es in einigen Ländern (z. B. USA) tendenziell noch restriktiver gehandhabt wird und man in anderen Ländern eher mal ein Auge zudrückt.

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Was sind deine Erfahrungen mit Stativen im Handgepäck?

Wie handhabst du das Problem? Gibst du dein Stativ grundsätzlich im Reisegepäck auf oder nimmst du es als Handgepäck mit? Wir würden uns freuen, wenn du uns von deinen Erfahrungen erzählst und freuen uns über deinen Kommentar.

Wir sind Jenny und Basti - Reiseblogger, Reisefotografen und Weltenbummler aus Leidenschaft! Seit 2015 leben und arbeiten wir ortsunabhängig.Auf unserem Blog teilen wir unsere besten Reisetipps mit dir und verraten dir, wie du ganz einfach selbst atemberaubende Reisefotos machen kannst.

8 Kommentare - Wir freuen uns auch über deinen netten Kommentar!

  1. Ich bin mit der Alu-Version des Stativs im Handgepäck schon geflogen und habe mir da auch gar keinen Kopf gemacht. Das Ding ist immer im Fotorucksack und der ist immer Handgepäck.
    Ging auch problemlos durch. Aber schlussendlich habt ihr recht, sicher ist sicher und wenn Gepäck aufgeben wird, macht es ja auch nix, das Ding in den Koffer zu packen.

    Wer nur mit Handgepäck fliegt, kann ggf. einen Gorillapod mitnehmen, der erscheint mir nicht ganz so „gefährlich“.

    Viele Grüße,
    Marc

  2. Hallo Ihr,

    das war leider nicht das, was ich mir erhofft hatte. Aber selbst wenn es in Deutschland mitgenommen wird, kann es dir schon bei einer Zwischenlandung abgenommen werden. Hmm, was nun? Ohne kommt eigentlich nicht in Frage.

    Naja, trotzdem bin ich euch sehr dankbar für den Artikel und die verlässliche Recherche! Die blieb mir dadurch glücklicherweise erspart.

    Danke und schöne Grüße,
    Markus

  3. Hallo ihr beiden,

    ich hatte mir dazu auch schon mal Gedanken gemacht und bei der Bundespolizei nachgefragt. Mir wurde folgendes geantwortet:
    »Ihr Stativ darf keine spitzen „Fußenden“ haben. Diese sollten auch nicht aus purem Metall sein und am besten mit einer sog. „Gumminoppe“ überzogen sein.«

    Aber ich gebe es auch lieber auf, um einfach die Sicherheit zu haben, es mit auf Reise nehmen zu können.

    Grüße
    Christian

  4. Ich durfte schon einen Monopod in Tijuana abgeben. Das kleine Ding sah echt ungefährlich aus und die 60 Euro Kaufpreis taten mir richtig Leid.

    Das mit den Regeln ist ja ganz nett, aber an der mexikanischen oder malaysischen Sicherheitskontrolle spielen Luftsicherheitsgesetz und Bundespolizei keine Rolle…

    Ich würde also auch davon abraten ein Stativ im Handgepäck mitzunehmen und für Carry-On only Flieger wie mich gibt’s neben den Ministativen auch Schnurstative ls Alternative.

  5. Lustig, den Beitrag hätten wir mal lieber 12 Stunden vorher lesen sollen! :)

    Wir sind gestern Abend erst auf dem Weg von Taipei nach Bangkok an der Sicherheitskontrolle mit unserem Schwebestativ kleben geblieben und durften es nicht mit ins Handgepäck nehmen. Eigentlich haben wir es sonst immer im Backpack und wollten es dieses Mal nur wegen einer niedrigen Gewichtsgrenze mit ins Handgepäck nehmen. Am Ende hatten wir jedoch noch Glück und konnten es gratis als zusätzliches Gepäckstück aufgeben.

    Trotzdem eine nervige Angelegenheit – vor allem die individuelle Einstufung von gefährlichen und harmlosen Gegenständen. Naja, wieder was dazu gelernt und noch einmal einen ordentlichen Adrenalinstoß in Taiwan erlebt. :)

    Gruß
    Daniel

  6. Ich packe in der Regel ein Einbeinstativ und ein Reisestativ in meinen Koffer. Das andere Equipment packe ich in den Rucksack und wiege diesen vorher ab. Meist hänge ich mir eine der Kameras um da ich sonst mit Platz und Gewicht nicht hinkomme. Bisher hatte ich keine Probleme und habe mal beim Zoll angefragt als ich eine neue Kamera mit in die USA genommen habe. Dabei ging es mir darum diese nicht bei Wiedereinreise versteuern zu müssen. Dort konnte aber schnell aufgrund der EU Kennung belegt werden das diese aus Deutschland kommt. Im Notfall hilft auch eine Kopie des Kaufbeleges.

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