So funktioniert die Blende deiner Kamera

Dieser Artikel zur Blende ist eine kostenlose Probelektion aus unserem 22places Online-Fotokurs. Dort erklären wir dir, in verständlichen Texten und Videos, das komplette Basiswissen der Fotografie. So machst du bald selbst atemberaubende Fotos! Hier klicken für mehr Infos: Online-Fotokurs.

Im Fotokurs findest du zusätzlich zu diesem schriftlichen Teil noch ein Video, in dem wir dir die Funktion der Blende erklären. Dieses Video ist aber allein unseren Kursteilnehmern vorenthalten.

Die Blende ist eine der wichtigsten Einstellmöglichkeiten an deiner Kamera.

Wenn du die Blende verstehst und beherrschst, macht das Fotografieren gleich viel mehr Spaß. Also, lass uns direkt loslegen.

In dieser Lektion lernst du unter anderem:

  • Wie du den Hintergrund deines Motivs unscharf darstellen kannst.
  • Wie die Blende mit der Belichtungszeit zusammen hängt.
  • Wie du die Blende einstellst und für deine Fotos nutzt.

Wir werden zuerst den Begriff Blende für dich definieren und möglichst simpel ihre Funktion erklären. Lass dich nicht davon abschrecken, wenn du nicht alles auf Anhieb verstehst.

Mit jedem Satz hier wird alles etwas klarer und nachdem du es praktisch ausprobiert hast, sind hoffentlich keine Fragen mehr offen. Also, nimm deine Kamera am besten gleich mit zur Hand.

Zum grundlegenden Verständnis noch eine kleine Vorbemerkung:

Es gibt zwei grundlegende Einstellmöglichkeiten, wie du die Belichtung deines Fotos beeinflussen kannst. Eine davon ist die Blende, die in dieser Lektion beschrieben wird.

Die zweite Einstellung ist die Verschlusszeit, also die Dauer, wie lange dein Bild belichtet wird. Je länger die Verschlusszeit ist, desto mehr Licht fällt auf den Sensor. Die Verschlusszeit behandeln wir in der nächsten Lektion genauer. Für diese Lektion genügt es, wenn du weißt, dass es die Verschlusszeit gibt.

Die Blende: Eine kurze Definition

Die Blende ist die hintere Öffnung deines Objektivs. Wie groß diese Öffnung ist, kannst du selbst regeln und damit bestimmen, wie viel Licht auf den Sensor der Kamera trifft.

Die Größe der Öffnung wird mit der Blendenzahl angegeben. Wenn ein Fotograf von der Blendenzahl spricht, die er für ein bestimmtes Bild benutzt hat, benutzt er Zahlen wie f/1.8, f/2.8, f/5,6.

Das Interessante ist jetzt: Je höher die Zahl hinter dem f/ ist, umso kleiner ist die Öffnung der Blende. Und umgekehrt: Je kleiner die Blendenzahl ist, umso größer die Öffnung der Blende.

Schau dir mal das folgende Bild an. Dort sieht man das gut.

Blendenöffnungen
Lenses with different apetures“ von KoeppiKEigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

Das heißt also, wenn du bei dir f/4 einstellst, trifft relativ viel Licht auf den Sensor deiner Kamera und wenn du f/13 einstellst, trifft nur sehr wenig Licht auf den Sensor.

Wofür das gut ist, erklären wir dir später noch und probieren das dann auch praktisch aus. Dann sehen wir auch, wo die Unterschiede bei Fotos mit unterschiedlicher Blendenzahl ist.

Aber erst einmal müssen wir uns kurz durch die Theorie durcharbeiten. Nicht aufgeben! Es wird gleich alles Sinn ergeben. Also, zurück zur Blendenzahl.

Brenn dir diesen Merksatz in dein Gehirn ein: Je kleiner die Zahl hinter f/, umso mehr Licht trifft auf den Sensor in deiner Kamera:

Kleine Zahl, große Öffnung, viel Licht – große Zahl, kleine Öffnung, wenig Licht!

Wenn das für dich noch unlogisch klingt, stell dir die Zahlen hinter dem f einfach als Bruch vor. Wenn wir dich fragen, ob 1/16 (ein Sechszehntel) größer ist als 1/8, was wäre deine Antwort? Nein! Genau. Nur weil die Zahl 16 größer ist, ist ja nicht 1/16 mehr als 1/8. Also: f/16 ist kleiner als f/8. f/16 lässt also weniger Licht rein als f/8.

Sag es dir noch mal laut auf: kleine Zahl, viel Licht – große Zahl, wenig Licht!

Ok, kurz tief Luft holen. Weiter geht’s.

Das hier ist eine typische Blendenreihe:

Blendenreihe
Typische Blendenreihe – von links nach rechts wird die Öffnung der Blende kleiner

Welche Zahlen du einstellen kannst, kommt auf deine Kamera und vor allem auf dein Objektiv an. Es ist also normal, wenn die Einstellung an deiner Kamera mit einer anderen Blendenzahl beginnt oder du Blendenzahlen zwischen den hier genannten hast.

Unser Standardobjektiv hat z. B. keine kleinen Blendenzahlen wie f/1.4, f/2.0 und f/2.8. Es fängt erst bei einer Blende von f/3.5 an.

Zusatzwissen: Blendenstufen

Wenn du noch etwas tiefer in die Theorie einsteigen möchtest, dann ist das Zusatzwissen zum Thema Blendenstufen interessant für dich. Für das grundsätzliche Verständnis der Blende brauchst du es aber nicht unbedingt und kannst es zunächst auch überspringen und dich direkt der Praxis im folgenden Abschnitt widmen.

Du bist noch da? Sehr gut. Dann schauen wir uns mal die folgende Tabelle an:

Blendenstufen

In der linken Spalte siehst du verschiedene Blendenwerte. Die einzelnen Schritte zwischen zwei Werten werden Blendenstufe genannt. Verkleinerst du deine Blende also zum Beispiel von f/4 auf f/5.6, so ist das ein Unterschied von einer Blendenstufe.

Mit jeder ganzen Blendestufe, kriegt der Sensor deiner Kamera doppelt oder halb so viel Licht ab.

Bei einer Blende von f/4.0 erreicht deinen Sensor also doppelt so viel Licht, wie bei einer Blende von f/5.6, aber nur halb so viel, wie bei einer Blende von f/2.8.

Wenn du schon ein wenig mit der Blende herum experimentiert hast, dann ist dir vielleicht schon aufgefallen, dass deine Kamera mehr Blendenstufen hat, als die in der Tabelle abgebildeten. Vielleicht kannst du an deiner Kamera zum Beispiel eine Blende von f/3.5 oder eine Blende von f/7.1 einstellen.

Der Grund dafür ist, dass es auch halbe Blendenstufen und Drittel-Blendenstufen gibt. In der Regel kannst du im Menü deiner Kamera bestimmen, ob du mit halben oder mit Drittel-Blendenstufen arbeiten willst.

Du hast also mehr als nur die vollen Blendenstufen zur Verfügung. Das ändert aber natürlich nichts an dem Zusammenhang zwischen den Blendenstufen und der Menge an Licht, die auf deinen Sensor fällt.

In den folgenden zwei Grafiken siehst du die jeweiligen Blendenreihen mit halben und Drittel-Stufen, wobei die ganzen Blendenstufen fett markiert sind.

Blendenstufen halb
Halbe Blendenstufen
Blendenstufen Drittel
Drittel Blendenstufen

 

Welche der beiden Blendenstufen du benutzt, bleibt völlig dir überlassen. Probier am besten beide mal aus und guck, mit welcher du am besten klar kommst. Wir haben bei unseren Kameras Drittel-Blendenstufen eingestellt, da wir so die größte Flexibilität beim Fotografieren haben.

So stellst du die Blende an deiner Kamera ein

Genug Theorie, jetzt probieren wir mal aus, wie man die Blende praktisch nutzen kann. Dazu solltest du am besten deine Kamera zur Hand nehmen.

Der Modus A

Jede Kamera hat verschiedene Modi. In der Regel immer dabei sind die Modi M, A, S und P. Bei einigen Kameras heißen die Modi M, Av, Tv und P. Um die Blende in der Praxis auszuprobieren, stellst du die Kamera auf den Modus A bzw. Av. Die Abkürzung A steht für Aperture, das englische Wort für Blende.

In Modus A kannst du deine Blendenzahl manuell bestimmen. Du kannst also selber entscheiden, wie viel Licht du auf den Sensor lässt.

Im Modus A sorgt deine Kamera automatisch dafür, dass die zu deiner gewählten Blendenzahl passende Verschlusszeit ausgewählt wird, sodass dein Bild immer richtig belichtet ist.

Der Modus A wird auch oft Blendenpriorität oder Verschlusszeitautomatik genannt. Such dir einfach aus, welche Bezeichnung du lieber verwenden möchtest, oder nenn es einfach Modus A.

Modus A
Den Modus stellst du an einem Rädchen auf der Oberseite deiner Kamera ein.

Falls du ganz am Anfang stehst, fragst du dich jetzt vielleicht, was nun die Verschlusszeit hier zu suchen hat. Kümmere dich bitte da erst mal nicht drum.

Das macht ja die Kamera im Modus A automatisch für dich. Wir konzentrieren uns jetzt einzig und allein auf die Blendenzahl und den Modus A. Die Verschlusszeit betrachten wir in der nächsten Lektion genauer.

Wenn du deine Kamera nun auf den Modus A gestellt hast, kannst du im nächsten Schritt die Blendenzahl einstellen, mit der du dein Foto machst.

An vielen Kameras steuerst du die Blendenzahl an einem Rädchen vorne rechts an der Kamera. Wenn du nicht direkt findest, wo du die Blende an deiner Kamera steuerst, schau einfach in deinem Handbuch nach.

Um zu sehen, welche Blendenzahl du eingestellt hast, musst du je nach Kameratyp durch den Sucher schauen oder auf dein Display. Dort findest du dann die Blendenzahl mit dem f/ am Anfang.

So setzt du die Blende für deine Fotos ein

Nun schauen wir uns an, wie du die Blende für dich und deine Fotos nutzen kannst.

Die Blende einsetzen: #1 Fotografieren bei schlechten Lichtverhältnissen

Wir haben ja bereits erwähnt, dass die Blendenöffnung bestimmt, wie viel Licht auf den Sensor deiner Kamera fällt. Zur Erinnerung: große Öffnung, viel Licht – kleine Öffnung, wenig Licht.

Bei schlechten Lichtverhältnissen hast du also die Möglichkeit, deine Blende weit zu öffnen und auf diese Weise trotzdem genügend Licht auf den Sensor zu lassen, um ein korrekt belichtetes Foto zu bekommen.

Wir werden uns in den kommenden Lektionen mit den Themen Verschlusszeit, manuelle Belichtung und ISO auseinander setzen. Wenn du all diese Begriffe kennst und verstehst, wie sie zusammenhängen, wird vieles klarer.

An dieser Stelle genügt es zunächst, dass du weißt, dass dir eine große Blendenöffnung dabei helfen kann, bei schlechten Lichtverhältnissen zu fotografieren.

Das folgende Bild ist zum Beispiel bei sehr schlechten Lichtverhältnissen entstanden. Draußen war es schon dunkel und die Szenerie war nur durch viele Laternen beleuchtet, die aber nicht besonders viel Licht abgegeben haben. Wir haben in dieser Situation also die Blende weit geöffnet, um trotzdem ein Foto machen zu können.

Blende Licht
Blende: f/2.5, Verschlusszeit: 1/50 s, ISO: 400, Brennweite: 35 mm

Die Blende einsetzen: #2 Tiefenschärfe oder verschwommener Hintergrund

Du benutzt die Blende aber nicht einfach nur dazu, um zu bestimmen, wie viel Licht du in deine Kamera lässt. Mit der Veränderung der Blende hast du außerdem ein sehr wichtiges Stilmittel der Fotografie in der Hand: Die Tiefenschärfe. Mit der Wahl deiner Blendenzahl bestimmst du, ob der Hintergrund deines Hauptmotivs gestochen scharf oder verschwommen ist.

Bestimmt hast du schon oft Fotos gesehen, bei denen eine Person gestochen scharf zu sehen ist, der Hintergrund jedoch undeutlich und verschwommen. Genau diesen Effekt kannst du durch den Einsatz der Blende erreichen.

Natürlich haben wir auch solche Fotos. Wir haben dir mal zwei davon rausgesucht. Dort siehst du, dass der Fokus auf dem Gesicht liegt und der Hintergrund unscharf ist.

Das erste Foto von Jenny wurde mit einer Blende von f/5 aufgenommen. Das ist noch gar keine extrem große Blendenöffnung, dennoch erkennst du schon, wie der Hintergrund deutlich unscharf ist.

Blende Portrait
Blende: f/5, Verschlusszeit: 1/30 s, ISO: 100, Brennweite: 35 mm

Beim zweiten Bild ist der Effekt noch viel deutlicher. Es ist mit einer Blende von f/1.8 aufgenommen. Hier ist wirklich nur das Räucherstäbchen im Vordergrund scharf. Der Hintergrund ist nur noch schemenhaft zu erkennen.

Blende Bokeh
Blende: f/1.8, Verschlusszeit: 1/100 s, ISO: 160, Brennweite: 35 mm

Natürlich kannst du mit der Einstellung deiner Blende auch den gegenteiligen Effekt erzielen. Indem du die Blende sehr weit schließt, also eine große Blendenzahl wählst, erzielst du eine sehr hohe Tiefenschärfe. Anstatt eines verschwommenen Hintergrunds sind dann alle Elemente deines Bildes scharf.

Das folgende Bild ist mit einer Blende von f/11 aufgenommen und hat eine hohe Tiefenschärfe. Sowohl Basti im Vordergrund, als auch die Stadt im Hintergrund sind auf diesem Foto scharf.

Geschlossene Blende
Blende: f/11,Verschlusszeit: 1/60 s, ISO: 640, Brennweite: 36 mm

Durch unsere Beispielfotos hast du schon einen ersten Eindruck bekommen, wie die Blende die Tiefenschärfe beeinflusst.

Jetzt schauen wir uns das noch mal an einem praktischen Beispiel an. Wir haben dir hierfür mal ein bisschen was gezeichnet.

Das erste Bild zeigt die Ausgangssituation: Du stehst am Ende eines Fußballfeldes und möchtest gerne einen Fußballspieler fotografieren. Damit das Szenario auch für Nicht-Fußballfans interessant wird, suchen wir uns natürlich einen besonders fotogenen Fußballer aus: Mats Hummels.

Du stehst also nun am Spielfeldrand mit deiner Kamera im Anschlag und fokussierst auf Mats Hummels.

Diese Situation zeigt das erste Bild. Der türkisfarbene Strich zeigt deine Fokusebene.

Blende 2.8
Ein Foto von Mats Hummels mit einer Blende von f/2.8

 

Deine Kamera ist nun auf Modus A gestellt und du stellst jetzt die Blende auf f/2.8 (also weit offen und viel Licht). Diese Situation sehen wir im nächsten Bild. Mats Hummels und alles, was sich im graumarkierten Bereich befindet, ist scharf. Der Rest des Fußballfeldes ist verschwommen.

Wir haben also genau den Effekt erreicht, den wir bei unserem ersten Beispielbild weiter oben gesehen haben. Das Gesicht von Mats Hummels ist im Fokus, der Hintergrund ist unscharf. Den Torwart im gegnerischen Tor wäre als nur schemenhaft zu erkennen.

Foto Situation
Unsere Ausgangssituation: Wir möchten ein tolles Foto von Mats Hummels

Nun möchten wir aber versuchen, den Torwart im rechten Tor, sagen wir Manuel Neuer, auch scharf auf unserem Foto darzustellen.

Du erhöhst also die Blendenzahl auf f/8 (Die Blende geht zu, weniger Licht fällt ein). Nun ist zwar der Bereich hinter Mats Hummels ein bisschen deutlicher geworden, Manuel Neuer sehen wir aber immer noch nicht (Bild 3).

Blende 8
Ein Foto von Mats Hummels mit einer Blende von f/8.0

Das reicht uns also nicht. Nun übertreiben wir es mal und erhöhen die Blendenzahl auf f/22 (also die Blende ist fast geschlossen und es kommt nur noch sehr wenig Licht durch).

Wie wir nun aber auf dem Bild unten sehen, haben wir jetzt nicht nur Mats Hummels und Manuel Neuer im Tor scharf gestellt, sondern das komplette Spielfeld.

Blende 22
Ein Foto von Mats Hummels mit einer Blende von f/22

 

Wie du siehst, hat die Blendenzahl nicht nur eine Auswirkung auf den Hintergrund. Auch der Bereich vor deinem fokussierten Motiv (Mats Hummels) wird schärfer bzw. unschärfer, wenn du die Blende veränderst.

Achtung: Das Beispiel mit der Blende von f/22 haben wir nur aus anschaulichen Gründen gewählt. Wir fotografieren in der Regel maximal mit einer Blende von f/13. Bei höheren Blendenzahlen werden viele Objektive aus technischen Gründen wieder unschärfer, weshalb du diesen Wert nicht zu hoch setzen solltest.

Nach diesem etwas abstrakten Beispiel, wollen wir dir das auch nochmal an richtigen Fotos zeigen. Die Bilder selbst sind keine Meisterwerke, es geht wirklich nur darum, den Zusammenhang zwischen Blende, Tiefenschärfe und Fokusebene zu zeigen:

Bild mit Blende 1.8
Foto mit einer weit geöffneten Blende von f/1.8. Hier sieht man auch schön, dass der Bereich vorne ebenfalls unscharf ist.
Bild mit Blende 8
Foto mit einer mittleren Blendenöffnung von f/8. Hier kannst du gut erkennen, dass der Bereich in dem das Bild scharf ist, größer geworden ist – nach vorne und nach hinten hin. Man kann im vorderen Teil der Hecke noch eine Unschärfe erkennen und der Hintergrund ist ebenfalls noch relativ unscharf.
Bild mit Blende 16
Foto mit einer relativ geschlossenen Blendenöffnung. Fotografiert mit f/16. Du siehst, dass es im Vordergrund nur eine sehr geringe Unschärfe gibt und auch der Hintergrund ist schon wesentlich schärfer als bei einer Blende von f/8.

Diesen Effekt kannst du übrigens auch mit deinem Auge nachstellen. Halte mal deine Hand etwa 20 cm vor dein Gesicht und fokussiere deinen Blick auf deine Finger. Du merkst, dass deine Finger scharf sind und der Hintergrund verschwommen, richtig?

Jetzt fokussiere mit deinen Augen mal auf einen Gegenstand im Hintergrund. Jetzt merkst du, dass deine Hand verschwommen ist und der Hintergrund scharf. Es kommt also auch immer darauf an, worauf du fokussierst. Ganz genau so ist es bei deiner Kamera auch.

Dieser Artikel zur Blende ist eine kostenlose Probelektion aus unserem 22places Online-Fotokurs. Dort erklären wir dir, in verständlichen Texten und Videos, das komplette Basiswissen der Fotografie. So machst du bald selbst atemberaubende Fotos! Hier klicken für mehr Infos: Online-Fotokurs.

Im Fotokurs findest du zusätzlich zu diesem schriftlichen Teil noch ein Video, in dem wir dir die Funktion der Blende erklären. Dieses Video ist aber allein unseren Kursteilnehmern vorenthalten.

Welche Blende ist am besten?

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, in welcher Situation du mit welcher Blende fotografieren solltest. Das ist ehrlich gesagt Geschmacksache. Trotzdem möchten wir dir kurz einen kleinen Leitfaden mit an die Hand geben, welche Blendenwerte für welche Situation sinnvoll sein können.

Eine geringe Tiefenschärfe ist immer dann zu empfehlen, wenn du durch einen unscharfen Hintergrund den Fokus auf dein Hauptmotiv legen möchtest. Das ist zum Beispiel bei Portraitaufnahmen der Fall. Eine geringe Tiefenschärfe erreichst du mit kleinen Blendenzahlen zwischen f/1.8 – f/4. Es gibt sogar Objektive, die Blendenzahlen von f/1.4 und niedriger erreichen. Die sind aber in der Regel sehr teuer.

Wenn du jetzt aber nicht nur eine Person, sondern eine Gruppe von Menschen fotografieren möchtest, musst du mit einer größeren Blendenzahl arbeiten, die Blende also weiter schließen. Es wäre es ja blöd, wenn nur die Personen in der ersten Reihe scharf sind und die Personen dahinter verschwommen wären.

Indem du die Blende schließt, bekommst du wieder mehr Tiefenschärfe ins Bild und stellst sicher, dass alle Personen auf dem Bild scharf sind.

Viel Tiefenschärfe möchte man zum Beispiel auch bei Landschaftsfotos erreichen, damit die Landschaft auf dem Foto so wahrheitsgetreu wie möglich aussieht. Wenn du mit deinen Augen eine Landschaft betrachtest, ist ja auch der Vordergrund, der Mittelgrund und der Hintergrund scharf (außer du hast deine Sehhilfe Zuhause gelassen).

In der Landschaftsfotografie empfiehlt es sich also mit geschlossener Blende zu fotografieren. Damit meinen wir Blendenzahlen von z.B. f/11 oder f/13.

Aber wie wir oben schon gesagt habt, ist das alles auch Geschmacksache. Stell dir z. B. vor, du läufst durch die Sahara und siehst plötzlich eine wunderschöne rote Rose. Ziemlich unwahrscheinlich, aber wer weiß.

Jetzt ist der Saharasand irgendwie nicht so cool und du willst den Fokus deshalb nur auf die Rose setzen. Also machst du die Blende komplett auf (z. B. f/2.8) und fokussierst nur auf die Blume. Das hat den Vorteil, dass die wunderschöne Rose scharf ist, der nicht so schöne Sand ist aber verschwommen.

Jetzt stell dir aber mal vor, der Sand ist so trocken, dass sich tolle Risse im Sand gebildet haben und mittendrin blüht diese wunderschöne rote Rose. In diesem Fall wäre ja der Sand ein tolles Feature und könnte deinem Bild den letzten Kick geben. Du willst also, das sowohl die Rose als auch dein Hintergrund scharf ist und fotografierst das Bild demnach mit einer möglichst geschlossen Blende (z. B. f/11).

Aber Vorsicht: Du könntest jetzt versucht sein, deine Blende extrem weit zu schließen, um in deinem Bild eine möglichst große Schärfe zu erhalten. Das funktioniert leider in der Regel nicht. Zwar nimmt die Tiefenschärfe tatsächlich immer weiter zu, je weiter du die Blende schließt. Gleichzeitig nimmt aber ab einer gewissen Blendenzahl die allgemeine Schärfe der Bilder wieder ab.

Bei welcher Blendenzahl das der Fall ist, lässt sich nicht pauschal sagen und ist von Objektiv zu Objektiv unterschiedlich. Jedes Objektiv hat einen bestimmten Blendenwert, bei dem es die größte Gesamtschärfe erzielt. Der liegt meistens so zwischen Blende f/7.1 und f/11.

Unser Tipp: Vermeide zu große Blendenzahlen, um unscharfe Fotos zu vermeiden. Spätestens ab Blende f/16 wird es bei vielen Objektiven kritisch. Eine Blende von f/22 vermindert oft die Schärfe des gesamten Fotos deutlich.

Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Wenn du mal etwas Zeit hast, nimm einfach mal deine Kamera und stell sie auf ein Stativ. Jetzt machst du einfach von ein und dem selben Motiv mehrere Fotos und wählst dabei immer eine andere Blende.

Hinterher schaust du dir die Bilder an und kannst so herausfinden, bei welcher Blende dein Objektiv die größte Schärfe erzielt und ab welcher Zahl deine Bilder unschärfer werden. So erfährst du ganz genau, wie weit du mit deinem Objektiv gehen kannst.

Noch einmal kurz zusammengefasst

Offene Blende → z. B. f/1.8 oder f/3.5 → Geringe Tiefenschärfe → z. B. bei Portraits und allen Situationen, in denen du den Fokus nur auf dein Hauptmotiv setzen möchtest und der Hintergrund verschwommen sein soll.

Geschlossene Blende → z. B. f/11 oder f/13 → Hohe Tiefenschärfe → z. B. bei Landschaftsfotografie, oder Achitekturfotografie und allen Situationen, in denen du dein Bild von Vordergrund bis Hintergrund scharf haben möchtest.

Zusatzwissen: Volle Kontrolle über die Tiefenschärfe

Die Blende ist tatsächlich nur einer von insgesamt drei Faktoren, mit denen du die Tiefenschärfe in deinem Bild beeinflussen bzw. kontrollieren kannst. In den kommenden Lektionen wird das noch deutlicher, der Vollständigkeit halber möchten wir es aber hier schon erwähnen.

Deshalb machen wir an dieser Stelle einen kleinen Exkurs zum Thema Tiefenschärfe. Wenn du dich zunächst nur mit der Blende beschäftigen möchtest, kannst du diesen Teil auch überspringen und ihn dir später durchlesen.

Hier also alle Faktoren auf einen Blick, die einen Einfluss auf die Tiefenschärfe haben:

  • Die Blende
  • Die Brennweite deines Objektivs (Weitwinkel vs. Teleobjektiv)
  • Die Entfernung von deiner Kamera zu deinem Motiv

Starten wir mal mit einer kleinen, aber feinen Übersicht darüber, wie sich die jeweiligen Faktoren auf die Tiefenschärfe in deinem Bild auswirken:

Tiefenschärfe

Den Zusammenhang zwischen Blende und Tiefenschärfe haben wir ja schon geklärt. Schauen wir uns nun noch die beiden anderen Faktoren an.

Stichwort: Brennweite

Die Brennweite werden wir in einer der nächsten Lektionen behandeln. Zum Verständnis dieses Abschnitts deshalb eine wirklich ganz, ganz kurze Erklärung: Die Brennweite entspricht dem Zoom deiner Kamera: kurze Brennweite = wenig Zoom = Weitwinkel und lange Brennweite = viel Zoom = Teleobjektiv.

Wenn du mit einem Weitwinkelobjektiv fotografierst, hast du selbst mit einer weit geöffneten Blende noch relativ viel Tiefenschärfe im Bild. Das folgende Bild von Basti in Aktion wurde z. B. mit einer relativ weit geöffneten Blende von f/4 fotografiert.

Da es jedoch mit einer kurzen Brennweite von 18 mm fotografiert wurde und der Abstand zum Motiv relativ groß war (siehe nächster Punkt), hat dieses Foto dennoch eine relativ hohe Tiefenschärfe.

Tiefenschärfe hoch
Blende: f/4, Verschlusszeit: 1/100 s, ISO: 100, Brennweite: 18 mm

Wenn du nun aber mit einem Teleobjektiv fotografierst, ist es umgekehrt. Selbst wenn du mit einer schon recht geschlossenen Blende fotografierst, wirst du dennoch eine relativ geringe Tiefenschärfe im Bild haben.

Das sieht man am nächsten Bild sehr gut. Obwohl es mit einer relativ geschlossenen Blende von f/8 aufgenommen wurde, ist der Hintergrund unscharf. Das liegt daran, dass es mit einer sehr langen Brennweite von 300 mm, also einem sehr großen Zoom, aufgenommen wurde.

Tiefenschärfe niedrig
Blende: f/8, Verschlusszeit: 1/400 s, ISO: 800, Brennweite: 300 mm

Stichwort: Entfernung Motiv/Objektiv

Wenn du ein Portraitfoto machst und dein Model einen halben Meter von dir weg steht, dann wird der Hintergrund sehr unscharf. Wenn du jetzt einen großen Schritt zurück gehst und wieder ein Foto mit den gleichen Einstellungen machst, ist die Tiefenschärfe schon nicht mehr so gering.

Wie du siehst, es ist nicht nur die Blende, die für die Tiefenschärfe verantwortlich ist.

Praxisaufgaben

So. Nun probieren wir das Ganze aus. Wir hoffen, du hast deine Kamera zur Hand. Die brauchst du nämlich.

Das brauchst du für die ersten Praxisversuche:

  • Deine Kamera
  • Das Handbuch deiner Kamera, falls du nicht sicher bist, wie du die Blendenzahl an deiner Kamera veränderst
  • Ein Motiv. Vielleicht hast du ja ein kleines Kuscheltier oder etwas Ähnliches, das als Model herhalten kann.

Die ersten Übungen kannst du ganz einfach zu Hause machen.

Achte darauf, dass du viel Licht zur Verfügung hast. Das gilt auch für Fotos in deiner Wohnung. Am besten du machst alle Lampen an, die du zur Verfügung hast.

Nachdem du die Kamera eingeschaltet hast, stellst du das Rädchen auf Blendenpriorität – Modus A (oder Av bei einigen Kameras). Wenn du jetzt durch den Sucher oder auf dein Display guckst, siehst du mehrere Zahlen unten am Rand leuchten. Eine davon sollte ein f davor haben. Gefunden? Das ist die Blendenzahl.

Blendenzahl
So oder so ähnlich wird die Blendenzahl angezeigt, wenn du durch den Sucher deiner Kamera oder auf dein Display guckst.

So ähnlich sollte es bei dir im Sucher auch aussehen. Der Wert mit dem Buchstaben F davor, ist die Blendenzahl.

Jetzt schaust du durch den Sucher und fokussierst auf dein Motiv. Um die Blendenzahl einzustellen, musst du zunächst immer kurz auf den Auslöser drücken und dein Motiv fokussieren. Anschließend kannst du über das Rädchen die Blendenzahl verändern.

#1 Mach dich mit der Einstellung der Blende an der Kamera vertraut

Für die Einstellung der Blendenzahl kommt es ein bisschen darauf an, welche Kamera du hast. Ausprobieren hilft da meistens. Oft gibt es ein kleines Rädchen vorne rechts an der Kamera. Damit kannst die Blendenzahl verändern.

Gibt es dieses Rädchen bei dir nicht, probier einfach, welches Rädchen bei dir die Blendenzahl verändert oder schau notfalls einfach ins Handbuch. Gefunden? Prima! Du hast die erste Aufgabe schon erfolgreich bestanden!

Einstellung Blende
An vielen Kameras kannst du die Blendenzahl an einem Rädchen vorne rechts verändern.

#2 Entdecke die Wirkung der Blendeneinstellung

So, jetzt wird fotografiert. Such dir einfach mal ein Motiv und fotografiere es mit verschiedenen Blendenzahlen.

Probiere die gesamte Skala der Blende einmal aus, also auch sehr weit geöffnete und sehr weit geschlossene Blenden. Siehst du, wie sich dein Motiv und der Hintergrund verändert?

Wenn du sehr große Blendenzahlen auswählst, musst du die Kamera wahrscheinlich auf ein Stativ stellen oder auf den Tisch legen. Da durch die sehr kleine Blendenöffnung sehr wenig Licht auf den Sensor fällt, versucht deine Kamera das durch eine lange Verschlusszeit auszugleichen, wodurch deine Bilder aber verwackeln können. Mehr zur Verschlusszeit erfährst du dann in der nächsten Lektion.

#3 Spiele mit der Tiefenschärfe

Wenn du dich mit der Einstellung der Blende an deiner Kamera vertraut gemacht hast, versuche einmal, die Tiefenunschärfe ganz bewusst für deine Bilder einzusetzen. Wähle die größtmögliche Blendenöffnung deines Objektivs (kleinste Blendenzahl) und suche dir Motive, die mit einem unscharfen Hintergrund gut wirken.

Fotografiere das Motiv auch mal aus verschiedenen Entfernungen und schau, wie sich das auf deinen Hintergrund auswirkt.

Hast du die Blende verstanden? Super! Das ist schon ein sehr großer Schritt auf dem Weg zum Fotografieren lernen. In der nächsten Lektion befassen wir uns mit der Verschlusszeit, der zweiten sehr wichtigen Einstellung an deiner Kamera.

Dieser Artikel zur Blende ist einekostenlose Probelektion aus unserem 22places Online-Fotokurs. Dort erklären wir dir, in verständlichen Texten und Videos, das komplette Basiswissen der Fotografie. So machst du bald selbst atemberaubende Fotos! Hier klicken für mehr Infos: Online-Fotokurs

Im Fotokurs findest du zusätzlich zu diesem schriftlichen Teil noch ein Video, in dem wir dir die Funktion der Blende erklären. Dieses Video ist aber allein unseren Kursteilnehmern vorenthalten.

Hat dir unsere Erklärung der Blende gefallen?

Wir hoffen, dir hat unser Tutorial zur Blende gefallen. Willst du mehr Fotografiewissen? Dann komm in unseren Online-Fotokurs.

Dort findest du 58 weitere Lektionen und 40 Videos zu den Grundlagen der Fotografie – von der Technik über Bildgestaltung bis hin zu Bildbearbeitung und praktischen Fotoprojekten ist alles dabei. Wir freuen uns auf dich.