Landschaften fotografieren klingt erstmal einfach, ist es aber oftmals nicht.

Ist es dir auch schonmal so gegangen? Du stehst vor einer traumhaften Kulisse und denkst: Boah, das werden richtig geile Fotos. Wenn du dann zu Hause deine Fotos ansiehst, dann sind sie irgendwie doch nicht so besonders und du bist enttäuscht.

Das kommt gerade in der Landschaftsfotografie häufig vor und genau deshalb schreiben wir diesen Artikel. Wir möchten dir sechs einfach umsetzbare Tipps an die Hand geben, mit denen du bessere und beeindruckendere Landschaftsfotos machen kannst.

Und nicht nur das: In diesem Beitrag darfst du mal nicht unsere Landschaftsfotos bestaunen, sondern die von großartigen Landschaftsfotografen aus Kanada. Ein Land, in das wir unbedingt bald mal reisen möchten. Was gibt es Schöneres, als sich schon vorher ein paar Eindrücke des Landes durch tolle Fotos anderer Fotografen zu machen? Genau! Nichts!

Als Beispielbilder zeigen wir dir also Fotos aus der Region Alberta im Westen Kanadas. Dafür erst mal ein großes Dankeschön an das Team von Travel Alberta, die uns die Fotos zur Verfügung gestellt wurden.

Nun aber zu unseren Landschaftsfotografie-Tipps!

Tipp #1: Beachte den Goldenen Schnitt

Bestimmt hast du schon einmal etwas vom Goldenen Schnitt gehört. Nicht nur in der Malerei, sondern auch in der Fotografie kannst du diese einfache Regel für deine Bilder nutzen. Du kannst den Blick des Betrachters gezielt auf bestimmte Punkte in deinem Foto lenken und durch die Nutzung des Goldenen Schnitts deinen Fotos das gewisse Etwas geben.

Goldener Schnitt
Der Goldene Schnitt in der Fotografie

Dabei ist der Goldene Schnitt keine Zauberei. Du teilst dafür dein Bild einfach gedanklich in neun gleich große Rechtecke ein. Du ziehst also vor deinem geistigen Auge zwei waagerechte und zwei senkrechte Linien in deine Fotos ein.

Was machst du nun mit diesen Linien? Ganz einfach: Du platzierst wichtige Elemente deines Fotos auf diesen Linien und auf den Schnittpunkten dieser Linien.

Schauen wir uns das mal an zwei Beispielen an:

Im ersten Bild wird der Goldene Schnitt ganz klassisch benutzt. Der Grizzly, aufgenommen im Jasper National Park, befindet sich ziemlich exakt am unteren linken Schnittpunkt der unteren, waagerechten Linie und der linken, senkrechten Linie. Wäre der Bär direkt in der Bildmitte positioniert, wäre es nicht so interessant.

Der Goldene Schnitt wird hier aber noch in einem weiteren Punkt genutzt: Die Grenze zwischen Wiese und Bäumen befindet sich relativ exakt auf der unteren waagerechten Linie.

Grizzly Bär
Grizzly im Jasper National Park, Copyright: photojbartlett

 

Auch beim zweiten Bild liegt die Horizontlinie auf einer der Drittellinien, dieses Mal auf der oberen. Der Berg befindet sich in der Nähe des oberen linken Schnittpunktes, sodass man als Betrachter sofort mit dem Auge darauf gelenkt wird.

Natürlich ist der Goldene Schnitt kein Allheilmittel. Es gibt selbstverständlich auch gute Fotos, die den Goldenen Schnitt völlig außer Acht lassen. Es ist aber eine sehr einfache Methode, um ein Fotomotiv gut in Szene zu setzen.

Spiegelung auf dem Cavell Lake
Cavell Lake, Copyright: photojbartlett

Tipp #2: Finde Spiegelungen und nutze sie für deine Landschaftsfotos

Unser zweiter Tipp für die Landschaftsfotografie ist noch einfacher: Begib dich auf die Suche nach Spiegelungen. Diese findest du natürlich meistens dort, wo es Wasser gibt.

Wenn du also an einem klaren See fotografierst, dann schau dich mal genau um, ob sich nicht irgendwo eine tolle Spiegelung zeigt, die du für deine Fotos nutzen kannst.

Ein tolles Beispiel für ein solches Motiv haben wir dir bereits mit dem Foto vom Cavell Lake beim Goldenen Schnitt gezeigt. Du siehst also: Die Tipps funktionieren nicht nur einzeln.

Indem du mehrere unserer Ratschläge in einem Foto vereinst, kannst du noch bessere Ergebnisse erzielen.

Tipp #3: Finde spannende Vordergründe

Landschaftsfotos zeigen oft großartige Ausblicke auf hohe Berge, tiefe Täler und endlos weite Landschaften. So großartig eine solche Aussicht in der Realität ist, auf Fotos wirken sie nicht immer ganz so spannend, wie in der Realität.

Wenn du das Gefühl hast, die Landschaft alleine wird später den Betrachter des Fotos nicht vom Hocker reißen, dann haben wir noch den folgenden Tipp für dich: Achte auch auf den Vordergrund. Oft findest du dort nämlich etwas, das du in dein Foto einbauen kannst: Steine, Pflanzen, Menschen, Gegenstände – Die Möglichkeiten sind grenzenlos.

Natürlich haben wir auch wieder zwei Beispielfotos für dich:

Stell dir die beiden Fotos doch einfach mal ohne den Vordergrund vor. Sie wären für unser Auge nicht ganz so spannend und dass, obwohl die Landschaften ja nun wirklich beeindruckend sind.

Wirkliche Tiefe und etwas Besonderes erhalten beide Bilder aber erst durch die Komposition des Vordergrunds in Form des Bootes bzw. der Steine.

Landschaftsfotografie am Lake Louise mit Vordergrund
Lake Louise, Copyright: Banff Lake Louise Tourism – Paul Zizka

Landschaftsfotografie Jasper National Park
Spirit Island im Jasper National Park Copyright: Ryan Bray

 

Tipp #4: Langzeitbelichtungen: Das i-Tüpfelchen in der Landschaftsfotografie

Hast du auch schon mal Fotos gesehen, in denen die Wolken verschwimmen oder fließendes Wasser ganz milchig aussieht? Diese Fotos sind durch Langzeitbelichtungen zustande gekommen.

Wenn du ein Foto 10, 20 oder 30 Sekunden belichtest, bewegen sich einige Elemente deines Motivs. Wasserfälle sind ein ganz klassisches Motiv für Langzeitbelichtungen in der Landschaftsfotografie und deshalb haben wir auch ein solches Bild als Beispiel für dich.

Durch die lange Belichtungszeit bekommt das Wasser dieses charakteristische Aussehen, während alle unbeweglichen Objekte ganz normal aussehen.

Wenn du dich jetzt fragst, wie zum Teufel du am helllichten Tag 10 Sekunden oder länger belichten sollst, ohne dass deine Fotos völlig überbelichtet sind, dann ist das natürlich eine berechtigte Frage. Ganz ohne Hilfsmittel kannst du solche Langzeitbelichtungen in der Landschaftsfotografie nicht machen.

Du benötigst dazu einen sogenannten Graufilter bzw. ND-Filter. Die Filter gibt es in verschiedenen Stärken. Sie werden auf das Objektiv geschraubt und sorgen dafür, dass das einfallende Licht reduziert wird, sodass du länger belichten kannst. Ein Stativ benötigst du dazu natürlich auch, denn du willst ja bestimmt verwacklungsfreie Bilder machen.

ND-Filter gibt es in allen Varianten von ganz billig bis sündhaft teuer. Wir haben den DolDer X-Pro Series Slim Neutral Graufilter ND 1000, den es für alle gängigen Objektivgrößen gibt. Der Filter gehört zu den günstigeren Modellen, ist aber trotzdem gut.

Langzeitbelichtung Wasserfall
Cameron Falls im Waterton Lakes National Park, Copyright: stevint

Tipp #5: Alles eine Frage der Perspektive

Fotografierst du deine Fotos immer im Stehen und immer aus Augenhöhe? Dann solltest du mal ein paar andere Perspektiven ausprobieren. Geh in die Hocke, klettere auf einen Stein, leg dich hin.

Ein kleiner Wechsel der Perspektive kann gerade in der Landschaftsfotografie große Auswirkungen haben.

Unser zweites Beispielfoto in unserem Landschaftsfotografie-Tipp #3 von Spirit Island im Jasper National Park ist aus einer solchen ungewöhnlichen Perspektive fotografiert.

Der Fotograf hat aus einer deutlich niedrigeren Perspektive als Augenhöhe fotografiert. Als Betrachter fühlt man sich ein bisschen wie ein Frosch, der im Gras zwischen den Steinen sitzt. Cool, oder?

Landschaftsfotografie Jasper National Park
Spirit Island im Jasper National Park Copyright: Ryan Bray

Tipp #6: Die richtige Uhrzeit ist entscheidend

Zum Schluss noch eine schlechte Nachricht: Während du im Bett liegst und schläfst, verpasst du womöglich das Landschaftsfoto deines Lebens.

Wir gehören ja auch eher zu den Langschläfern und quälen uns nur sehr, sehr ungern für ein Sonnenaufgangsfoto aus dem Bett. Aber es lohnt sich wirklich!

In der prallen Mittagssonne ist es eher unwahrscheinlich, dass du ein herausragendes Landschaftsfoto machst. Die Lichtverhältnisse sind dann einfach nicht ideal und du wirst das auch an deinen Fotos sehen.

Die beste Uhrzeit für Landschaftsfotos ist rund um den Sonnenaufgang und – gute Nachricht für Langschläfer – rund um den Sonnenuntergang. Wenn die Sonne tief steht und das Licht weicher ist, wirken Landschaften oft viel schöner und nicht selten stellt sich eine wirklich magische Lichtstimmung ein. Nutze also diese Zeit, die übrigens Goldene Stunde und Blaue Stunde genannt wird.

Vielleicht hast du ja sogar Lust, einmal bei Nacht eine Landschaft zu fotografieren. Gerade wenn du weit weg von größeren Städten bist, hast du sehr gute Chancen einen sternenklaren Himmel ohne jede Lichtverschmutzung zu sehen.

Vielleicht kannst du ja dann auch so ein großartiges Foto mit einem Sternenhimmel machen, wie unser letztes Beispielbild.

Landschaftsfotografie im Sonnenuntergang
Magische Lichtstimmung kurz vor Sonnenuntergang

 

Nachthimmel Jasper National Park
Nachthimmel im Jasper National Park, Copyright: photojbartlett

Noch mehr Tipps zur Landschaftsfotografie

Wir hoffen, dass du mit diesen einfach umsetzbaren Tipps noch etwas mehr Lust bekommen hast, dich einmal an der Landschaftsfotografie auszuprobieren.

Willst du noch alles über die Grundlagen der Fotografie wissen: Von Technik über Bildgestaltung bis zu Licht und Bildbearbeitung? Dann schau dir unseren Online-Fotokurs an, wo du das komplette Grundlagenwissen der Fotografie in ausführlichen Tutorials und Videos findest.

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Welches sind deine Tipps zur Landschaftsfotografie?

Hast du auch noch einen Tipp zur Landschaftsfotografie oder hast du Fragen, die du uns stellen möchtest? Dann immer her damit. Wir freuen uns auf deinen Kommentar.

17 Kommentare - Wir freuen uns auch über deinen netten Kommentar!

  1. Hallo! Super Tipps zur Landschaftsfotografie. Eure Fotos sind Beweis genug, dass Ihr absolute Experten auf diesem Gebiet seid – Bravo! Bisher hatte ich mich für Landschaftsfotografie nicht speziell interessiert, dies soll sich aber dieses Jahr ändern. Dafür werde ich mir nun ein scharfes Objektiv um die 12mm besorgen, was ich als perfekte Brennweite für diesen Einsatzbereich sehe. Was ist eure Meinung zur Brennweite? Herzliche Grüsse, Ueli

    • Hallo Ueli,

      vielen Dank! 12 mm ist natürlich eine perfekte Brennweite für großartige Landschaftsfotos. So eine Linse steht auch noch auf unserer Wunschliste. Hast du denn schon ein bestimmtes Objektiv im Auge?

      Viele Grüße
      Sebastian

  2. Hallo ihr beiden, wieder ein Mal super Tips, die ihr uns da mit auf den Weg gebt! Ich habe aber eine kleine Anmerkung zu machen: was ihr vorgestellt habt ist nicht der goldene Schnitt, sondern die Drittelregel. Eine Art Lightversion des Goldenen Schnitts.
    Beste Grüße,
    Mario

    • Hallo Mario,

      da hast du natürlich Recht. Die Drittelregel ist eine Vereinfachung des Goldenen Schnitts. Da der Goldene Schnitt aber selbst viel zu kompliziert ist, aber Goldener Schnitt viel toller klingt als Drittelregel, behalten wir das einfach so bei. :)

      Viele Grüße
      Sebastian

  3. Wow, unglaubliche Fotos und tolle Tipps. Auf den goldenen Schnitt versuche ich auch seit einigen Monaten zu achten. Allein das bringt schon einiges. Könnt ihr mir einen Graufilter empfehlen? Ich benötige nämlich noch einen für die Plitvicer Seen.

    Schöne Grüße
    Oliver

  4. Hallo und WOW!
    Tolle Fotos und sehr gute knackige Texte! Die Tipps sind wirklich gut formuliert und nachvollziehbar. Ich stöbere mal noch weiter hier kann ich definitiv noch eine Menge lernen! Weiter so und bis zum nächsten Mal :)
    Liebe Grüße von Fräulein Linse

    • Hallo Marvin,

      wir wollen unsere Erklärungen ja bewusst einfach halten. Deshalb gibt es hier nur die Drittelregel als abgeschwächte Form des Goldenen Schnitts. Das reicht auch vollkommen aus. :)

      Viele Grüße
      Sebastian

    • Hallo Moe,

      das Bild ist ausnahmsweise nicht von uns, sondern von einem kanadischen Fotografen. Wir durften es dankenswerterweise für den Beitrag nutzen. Die genauen Einstellungen wissen wir in diesem Fall aber nicht. Wenn wir Sterne fotografieren, dann in der Regel mit einer Verschlusszeit von etwa 10 Sekunden, offener Blende und hohem ISO. Ganz grob gesagt. ;)

      Viele Grüße
      Sebastian

  5. Man muss halt ein Auge für Motive haben – das kann man üben indem man viel draußen unterwegs ist aber auch indem man dich andere gute Landschaftsfotos anschaut.
    Bildgestaltung ist wie in den anderen Fotogenre das A und O für gute Fotos, da ist der Goldene Schnitt schon wichtig. Aber auch Linien die einen durch das Motiv führen spielen eine wichtige Rolle, sowie Geduld auf das richtige Wetter.

  6. Ich benutze weder ein Stativ (deshalb gibt´s auch keine Langzeitbelichtung), noch finde ich die frühen Morgen- und Abendstunden so spannend wie ich immer wieder überall lese. Ich liebe vielmehr die starken Kontraste zur Mittagszeit. Bei den restlichen Punkten bin ich aber absolut bei euch. Und die Wolken! Die Wolken machen das Bild! :)

    • Stimmt, wir sind auch ganz große Wolken-Fans. Die Morgen- und Abendstunden ziehen wir der Mittagszeit dann doch lieber vor. Ist ja aber auch schön, wenn nicht jeder die gleichen fotografischen Vorlieben hat. Das wäre ja auch langweilig. :)

      Liebe Grüße
      Basti & Jenny

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