5 echte Insidertipps für die Toskana abseits der Touristenpfade

Die Toskana ist schon lange ein beliebtes Reiseziel, da kann es doch keine Geheimtipps mehr geben, oder? Denkste! In der Toskana gibt es noch einige verborgene Orte, die in den meisten Reiseführern nicht stehen. Unsere Italien-Expertin Rebecca zeigt dir hier ihre 5 Insider-Tipps.

Während meiner Studienzeit in der Toskana war ich viel und oft auf dem Land unterwegs. Und das meistens mit eingefleischten Toskanern, die mich zu den schönsten Orten abseits der Touristenpfade geführt haben.

Sei es zum nächtlichen Baden in heißen Thermalquellen mitten im Wald oder beim Erkunden einer einsamen Burgruine.

Das schönste an diesen Orten ist, dass es hier kaum andere Menschen gibt. Das heißt: keine Warteschlangen, keine Schließzeiten und keine überteuerten Eintrittspreise.

Natürlich brauchst du für diese Orte aber ein Auto, denn mit den öffentlichen Verkehrsmitteln sind sie nicht zu erreichen. Feste Schuhe und eine Wasserflasche für unterwegs sind auch zu empfehlen.

Wenn du also Lust auf etwas Abenteuer hast und mal etwas andere Sehenswürdigkeiten der Toskana besichtigen willst, dann kommen hier meine 5 Toskana-Insidertipps!

Noch mehr Tipps zur Toskana findest du übrigens auch in meinen anderen Artikeln:

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Toskana Rundreise: Mein Routenvorschlag
Wo übernachten in der Toskana? Meine Tipps für Unterkünfte.

Das verlassene Dorf Castelvecchio

In den Wäldern zwischen San Gimignano und Volterra befinden sich die Reste des mittelalterlichen Dorfes Castelvecchio.

Was du heute noch sehen kannst, sind die Fundamente der einstigen Häuser, der Turm einer Burg, der aus dem dichten Wald ragt und die Mauern einer kleinen Kapelle.

Außerdem liegt mitten im hohen Gras ein altes Mühlenrad aus Stein.

Castelvecchio war im Mittelalter ein bedeutender Grenzort zwischen den rivalisierenden Städten San Gimignano und Volterra.

Außerdem verlief in der Nähe von Castelvecchio der Pilgerweg Via Francigena, der Rom mit Frankreich verband.

Der Verfall begann im 14. Jahrhundert, als sich nach etlichen Kriegen zwischen Volterra und San Gimignano die Grenze der beiden Einflussgebiete um drei Kilometer verschob.

Jetzt war Castelvecchio nur noch ein Ort in den Wäldern von San Gimignano und nach und nach zogen alle Einwohner weg.

Erst in den 1970er Jahren wurde Castelvecchio wieder ausgegraben, nachdem es der Wald mittlerweile vollkommen verschlungen hatte.

Die Ruinen werden kaum besucht, da die Gegend weit abseits der Städte ist. Daher ist der Ort wunderbar still und entspannend und bietet eine schöne Alternative zu den quirligen Straßen von Siena oder San Gimignano.

So erreichst du Castelvecchio:

Castelvecchio ist auf Google Maps eingetragen, es ist also nicht schwer zu erreichen.

Die Ruinen von Castelvecchio liegen im gleichnamigen Naturreservat, circa 20 Minuten mit dem Auto von San Gimignano entfernt.

Du nimmst aus San Gimignano die Landstraße SP47 Richtung Süden, bis du im Ort San Donato nach rechts abbiegst. Dort findest du auch das braune Straßenschild, welches Castelvecchio ausschildert.

Am Agriturismo Castelvecchio kannst du das Auto stehen lassen und circa 15 Minuten durch den Wald bis zu den Ruinen spazieren.

Castelvecchio Kapelle
Überreste der alten Kapelle in Castelvecchio

Die Burgruine Rocca Silvana

Die Rocca Silvana ist aufgrund ihrer Panoramalage eine der sehenswertesten Burgruinen der Toskana.

Die Burg befindet sich auf einem 600 Meter hohen Hügel des Monte Amiata Berges mit ringsum steilen Felsschluchten.

Die Festungsanlage war im Mittelalter besonders wohlhabend, da sie ein wichtiger Ausgangspunkt für den Abbau von Zinnober und Quecksilber war.

Die Burg war noch bis zum 17. Jahrhundert bewohnt, bis dann langsam der Verfall begann.

Heute sind einige Teile der Burg dank Restaurierungsarbeiten noch gut erhalten und man kann noch den doppelten Mauerring, den gräflichen Palast und den fünfeckigen Turm besuchen.

Leider geht das aber nur von außen, denn die Innenräume sind aufgrund von Einsturzgefahr abgeriegelt.

Obwohl die Burg sehr sehenswert ist, ist sie noch sehr unbekannt und ziemlich sich selbst überlassen.

Die Waldwege, die zu den Ruinen führen, sind steinig und unbefestigt. Gute Schuhe und lange Hosen sind also empfehlenswert.

So erreichst du Rocca Silvana:

Auch die Rocca Silvana ist auf Google Maps eingetragen.

Die Burganlage befindet sich ganz im Süden der Toskana entlang der Straße SP Selvena.

Zwischen den beiden Orten Selvena und Querciola befindet sich dann mitten in der Landschaft ein kostenloser Parkplatz, wo du das Auto stehenlassen kannst.

Von dort aus sich es circa 10 Minuten zu Fuß bis zur Burg.

Rocca Silvana
Burgruine Rocca Silvana

Die heißen Quellen von Petriolo

Neben den bekannten Thermalquellen von Saturnia gibt es in der Toskana noch weitere Orte, aus denen schwefelhaltiges Wasser aus dem Boden sprudelt.

Einer davon ist Petriolo, was weniger berühmt und deshalb auch deutlich weniger überrannt ist als Saturnia.

Die Quellen befinden sich im Wald, unweit der Landstraße, die Siena mit Grosseto verbindet.

Das Wasser sprudelt aus dem Felsen in die kleinen Becken, die sich im Laufe der Jahrtausende gebildet haben, bis hinunter in den kleinen Fluss Farma.

Die Lage am Fluss ist übrigens besonders im Sommer ganz praktisch, denn wenn dir das Wasser der Thermen zu heiß wird, kannst du dich einfach im Fluss abkühlen.

Das Baden ist wie in Saturnia auch hier kostenlos, dafür gibt es dann aber auch keine Umkleidekabinen und keine Schließfächer. Am besten du lässt deine Wertsachen einfach im Auto.

So erreichst du die heißen Quellen von Petriolo:

Die Thermen befinden sich circa eine halbe Stunde südlich von Siena, entlang der Landstraße SS223 Richtung Grosseto.

Wenn du aus Siena losfährst, musst du nach circa 28 Kilometern die Ausfahrt Richtung Iesa nehmen. Dann kommst du auf die SP Petriolo. Die Thermen sind ab hier ausgeschildert.

Petriolo Quellen
Die heißen Quellen von Petriolo

Die antiken Hohlwege von Pitigliano

Pitigliano Hohlweg
Hohlweg bei Pitigliano

Vor über 2500 Jahren haben die Etrusker im Umland von Pitigliano metertiefe Hohlwege in den Tuffstein geschlagen.

Wann und wieso, weiß bis heute niemand.

Die Historiker rätseln über den Zweck und es gibt verschiedene Theorien von Kanalisationen für Regenwasser über Handelswege bis hin zu religiösen Kulturstätten.

Die Hohlwege, auf Italienisch „Vie Cave“ genannt, musst du dir so vorstellen: Schmale, teils dunkle Gassen mitten im Wald mit teilweise bis zu 20 Metern hohen Felswänden, die auch an zahlreichen Grabstätten vorbeiführen.

Die Vie Cave befinden sich unterhalb von Pitigliano und sind kaum besucht, was sie sehr mystisch und auch ein bisschen gespenstisch macht. Sie eignen sich aber super für einen etwas anderen Waldspaziergang.

Es gibt 4 verschiedene Hohlwege, die du besichtigen kannst. Der wahrscheinlich sehenswerteste und auch längste ist die Via Cava di San Giuseppe.

Gutes Schuhwerk solltest du auf jeden Fall dabeihaben, denn teilweise kann der Weg sehr uneben und auch glitschig sein. 

So erreichst du die Hohlwege von Pitigliano:

Es gibt verschiedene Hohlwege rund um Pitigliano. Du kannst sogar über die Hohlwege das nächstgelegene etrusktische Dorf Sovana erreichen, was circa 6 Kilometer entfernt ist.

Von der Via Porta Sovana in Pitigliano beginnt die Via Cava di Poggio Cani, die auch ausgeschildert ist. Diese führt durch den Wald über einen Bach bis zu einem öffentlichen Picknickplatz.

Von hier aus beginnt die Via Cava di San Giuseppe, die längste und schönste Via Cava. Entlang dieses Hohlweges befinden sich eine etruskische Nekropole und ein antiker Brunnen, die Fontana dell’Olmo.

Pitigliano
Ein Besuch von Pitigliano lohnt sich allein schon wegen dieses tollen Ausblicks auf den Ort

Das untergegangene Dorf im Vagli-Stausee

In der wunderschönen Bergregion der Garfagnana, im Norden der Toskana, befindet sich der größte Stausee der Region.

Was den Stausee so besonders macht, ist nicht seine Größe, sondern das Geheimnis, das der See unterhalb der Wasseroberfläche verbirgt: Das untergegangene Dorf Fabbriche di Careggine.

Dieses wurde nämlich beim Bau des Staudamms in den 50er Jahren geflutet, nachdem alle Bewohner umsiedeln mussten. Zu dem Dorf gehören mehrere kleine Steinhäuser und eine romanische Kirche aus dem 13. Jahrhundert.

Wenn der Wasserpegel im Sommer besonders niedrig ist, kann man die Kirchturmspitze vage erkennen.

Circa alle 10-15 Jahre wird das Wasser aus dem Stausee abgelassen, um Renovierungsarbeiten am Staudamm durchzuführen. Dann kommt das gespenstische Dorf wieder zum Vorschein.

Das letzte Mal wurde das 1994 gemacht, also ist der nächste Termin eigentlich längst überfällig. Allerdings gibt es bislang keine Infos, wann das Dorf das nächste Mal erscheinen wird.

Ein Ausflug an den See lohnt sich aber auch so: Der See ist sehr schön und auf einem Hügel an seinem Ufer befindet sich das hübsche Bergdorf Vagli Sotto. Außerdem hast du von hier einen tollen Blick auf die umliegenden Wälder und die Apuanischen Alpen.

So erreichst du den Vagli-Stausee
Von der Autobahn A11 zwischen Lucca und Florenz nimmst du die Ausfahrt Capannori und folgst den Straßenschildern Richtung Borgo a Mozzano. In Borgo a Mozzano befindet sich außerdem die berühmte Teufelsbrücke, die ebenfalls sehr sehenswert ist.

In Borgo a Mozzano ist der See gut ausgeschildert und noch circa 40 Minuten Autofahrt entfernt.

Aus Lucca dauert die Fahrt zum See circa 1 Stunde und 20 Minuten.

Fabbriche di Careggine
So sieht der Ort aus, wenn das Wasser aus dem Stausee abgelassen wird

Noch mehr Insidertipps für die Toskana?

Das waren meine 5 Insider-Tipps für die Toskana. Hast du eine Frage oder Anregung? Kennst du vielleicht noch mehr Geheimtipps aus der Toskana, die du gerne mit uns teilen würdest? Dann freuen wir uns über deinen Kommentar!

Bildnachweise: Castelvecchio: Vignaccia76, CC BY 3.0; Rocca Silvana: LigaDue, CC BY 3.0; Lago di Vagli: Nimue, CC BY-SA 4.0