In diesem Artikel geht es weiter mit dem dritten Teil unserer 10-teiligen Serie „Fotografieren lernen“. Wenn du dir die ersten zwei Teile noch nicht angeschaut hast und das gerne machen würdest, bevor du den dritten Teil liest – hier entlang:

1. Teil: Die Blende
2. Teil: Die Verschlusszeit

Für alle anderen, geht es jetzt direkt weiter mit dem Thema: Die Brennweite. Lust? Na dann los!

Die Brennweite – Einleitung

Der Beitrag über die Brennweite ist ein wenig anders aufgebaut, als die ersten zwei. Am Anfang wird es aber wie immer eine Definition des Begriffes Brennweite geben. Danach erkläre ich, warum die Brennweite für dich überhaupt interessant ist und für welche Situationen man welche Brennweite benutzt.

Um das Gelernte aus den ersten zwei Teilen ein wenig aufzufrischen, werde ich dann noch die Zusammenhänge zwischen der Brennweite und der Verschlusszeit und der Brennweite und der Gestaltung von Vorder- und Hintergrund erklären. Und das war es dann auch schon für heute.

Klingt doch nach total viel Spaß! Also, auf auf. Ran an den Speck. Wir haben zusammen die ersten beiden Themen geschafft, jetzt schaffen wir den hier auch.

Die Brennweite

Die Brennweite wird meistens in Millimetern angegeben und beschreibt den Abstand des Brennpunktes von der Hauptebene der Linse. Im Brennpunkt sammeln sich die Strahlen, die parallel zur optischen Achse der Linse einfallen.

Verstanden? Nein? Gute Nachricht: Das macht überhaupt nichts!

Ich habe mich in dieser Woche lange mit dem Thema Brennweite auseinandergesetzt und viel gelesen und recherchiert. Und du kannst mir glauben, Spaß hat das keinen gemacht.

Die Erklärung der Brennweite ist so eine Sache und leider nicht kurz und prägnant möglich. Im Gegenteil, ich müsste um sie möglichst vollständig und technisch korrekt zu erklären ganz schön weit ausholen.

Du würdest entweder morgen hier noch sitzen und lesen oder nach dem zweiten Absatz aus Langeweile vom Stuhl fallen.

Ich hoffe, wir sind uns einig, dass wir das nicht möchten und du bist mir nicht böse, dass ich mich dazu entschieden habe, mich auf das zu konzentrieren was wichtiger ist: nämlich warum uns die Brennweite beim Fotografieren interessieren sollte.

Wer doch mehr über die Brennweite und die Technik oder Physik dahinter wissen möchte, kann sich mal in den Wikipedia-Artikel zur Brennweite einlesen.

Also, alle die mir nicht böse sind, sind hoffentlich noch hier. Schön! Weiter gehts.

Hier findest du die Angabe zu der Brennweite deines Objektives (Foto: mit Handy)
Hier findest du die Angabe zu der Brennweite deines Objektives (Foto: mit Handy)

Was du wahrscheinlich schon weißt ist, dass die Brennweite etwas mit deinem Objektiv zu tun hat. Und genau dort findest du auch die Angabe zur Brennweite.

Das Objektiv, welches gerade auf unserer Nikon D7000 ist, hat also eine Brennweite von 16-85 mm. So weit so gut. Jetzt zurück zu der Warum-Frage. Wieso sollte ich, bevor ich mir ein neues Objektiv zulege, wissen was die Brennweite ist?

Versuchen wir es mal mit vier Sätzen, die uns der Antwort auf die Frage, wofür wir das denn nun brauchen, ein Stückchen näher bringen.

  1. Mit einer kurzen Brennweite musst du nah an dein Motiv rangehen um es komplett aufs Bild zu bekommen.
  2. Mit einer langen Brennweite kannst du relativ weit weg sein und dein Motiv noch immer gut sichtbar ablichten.
  3. Mit einem Zoom Objektiv kannst du deine Brennweite variabel einstellen.
  4. Mit einer Festbrennweite hast du, wie der Name schon vermuten lässt, eine feste Brennweite.

Ok. Soweit, so gut. Ich hoffe, die vier Sätze sind einfacher zu verstehen als die Standarddefinition der Brennweite?

Wichtig ist also: Du musst dein Objektiv passend zu dem wählen, was du fotografieren möchtest.

Objektive haben immer nur einen gewissen Bereich an Brennweite. Das heißt also im Umkehrschluss: du wirst nirgendwo ein Objektiv finden, dass den kompletten Brennweitenbereich abdeckt. Das gibt es leider nicht.

Welche verschiedenen Brennweitebereiche gibt es denn?

  1. Fisheye-Objektive – ca. 8 bis 10 mm
  2. Weitwinkelobjektiv –  bis 35 mm
  3. Normalobjektiv  – 35 mm – 70 mm
  4. Teleobjektiv – 70 mm – 300 mm
  5. Fernobjektiv – ab 300 mm

Nicht wundern, wenn du in anderen Quellen mal unterschiedliche Brennweitenangaben findest. Bei manchen beginnt ein Fernobjektiv z. B. erst bei einer Brennweite von 400 mm. Das ist aber alles nicht weiter schlimm, denn wichtig ist nur, dass du verstehst wofür du welche Brennweite benutzt.

Eine kleine Anmerkung noch: Die meisten Digitalkameras haben heute einen sogenannten DX- oder APS-Sensor. Einige Kameras, vor allem Profimodelle, verwenden jedoch einen Vollformatsensor. Die Brennweiten weichen bei beiden Sensorarten ab. Da das Thema relativ komplex ist, werden wir darauf in diesem Beitrag nicht weiter eingehen. Es geht hier nur darum, dass du ein allgemeines Verständnis des Themas Brennweite erhältst.

Deine erste Entscheidung beim Kauf eines neuen Objektivs wäre also: welche Brennweite (oder welchen Bereich an Brennweiten) möchte ich denn damit abdecken?

Also, beantworten wir doch jetzt einfach noch die Frage für welche Art der Fotografie welcher Bereich an Brennweiten benutzt wird und fügen das jetzt noch zu unserer Liste dazu.

Was fotografiere ich mit welcher Brennweite?

  1. Fisheyeobjektive – 8 bis 10 mm – sehr spezielle Einsatzgebiete
  2. Weitwinkelobjektiv –  bis 35 mm – Panoramafotografie, Landschaftsfotografie und Innenaufnahmen
  3. Normalobjektiv  – alles von 35 mm – 70 mm – Porträts und Streetfotografie
  4. Teleobjektiv – alles von 70 mm – 300 mm – Porträts und Sportfotografie
  5. Fernobjektiv – alles ab 300 mm – Tier- und Sportfotografie

Natürlich stimmt das nicht immer zu 100% für jede Eventualität. Man kann grundsätzlich auch mit einem Fernobjektiv ein Porträtfoto schießen. Es geht bei der Liste einfach nur um eine grundsätzliche Einordnung.

Nun gucken wir uns aber die verschiedenen Objektive mal genauer an.

Fisheye-Objektive

Unser Fisheye Objektiv von Walimex
Unser Fisheye Objektiv von Walimex

Das Fisheye-Objektiv ist ein Spezialobjektiv unter den Weitwinkelobjektiven. Da man damit echt tolle Sachen machen kann, will ich es an dieser Stelle mit vorstellen.

Das besondere an einem Fisheye-Objektiv ist, dass es mehr „wahrnehmen“ kann als dein Auge selbst sieht, wenn du nach vorne schaut. Stell dir mal vor es steht jemand direkt neben dir beim Fotografieren.

Wenn du wirklich geradeaus schaust, kannst du denjenigen eigentlich nicht wirklich sehen. Dein Fisheye ermöglicht fast einen 180 Grad-Rundumblick und kann diese Person auf dem Bild einfangen – wie ein Fischauge eben.

Man kann mit solchen Objektiven recht spektakuläre Bilder machen und ungewöhnliche Sichten auf die Welt in einem Foto einfangen. Man fängt seine Umgebung in einer Art Kugelperspektive ein. Du musst es einfach mal selbst ausprobieren. Es ist wahrscheinlich nicht für jeden etwas, aber mir macht es unheimlich viel Spaß, damit zu experimentieren.

Damit du dir vorstellen kannst, wie solche Bilder aussehen und wie sie wirken, hab ich dir mal zwei Beispiele rausgesucht.

 

Es gibt ganz viele verschiedene Fisheye-Objektive:

WeitwinkelobjektivWeitwinkelobjektiv mit einer Festbrennweite von 20mm

Weitwinkelobjektive sind super, wenn du alles, was du vor dir siehst, einfangen möchtest. Solch ein Objektiv kann praktisch alles erfassen, was du auch mit deinen Augen vor dir sehen kannst.

Sei es den Boden vor dir oder der Fernsehturm der über den Dächern herausragt.

Genau deshalb wird es sehr oft von Landschaftsfotografen benutzt. So können sie dem Betrachter des Bildes wirklich zeigen, was sie selbst sehen und ihm so das Gefühl geben, tatsächlich dort zu stehen, wo der Fotograf des Bildes stand.

Auch wenn man in Innenräumen fotografiert, benutzt man oft ein Weitwinkelobjektiv, denn nur so bekommt man möglichst viel aufs Bild.

Wofür du das Weitwinkelobjektiv nicht unbedingt benutzen solltest, ist bei der Porträtfotografie. Das Weitwinkelobjektiv produziert Verzeichnungen, wenn du sehr nah am Objekt stehst. Wenn du also das Gesicht einer Person aus der Nähe mit einem Weitwinkelobjektiv fotografierst, ist seine Nase größer als in der Realität. Und das möchte ja keiner.

Eine gute Übersicht über den Markt der Weitwinkelobjektive findest du hier:

Normalobjektiv mit einer Brennweite von 56mm
Normalobjektiv mit einer Brennweite von 56mm

Normalobjektiv

Normalobjektive sind sehr vielseitig einsetzbar und können demnach auch für verschiedene Zwecke verwendet werden. Du kannst sie ebenfalls für Landschaftsfotografie benutzen oder um etwas von „näher dran“ zu fotografieren, also für close-ups.

Sie werden oft für Porträtfotografie benutzt, da Objektive mit Brennweiten zwischen 28-70 mm das Gesicht der Person nicht verzerren und sie so sehr natürlich aussehen. Sogar die Nasen haben dann die richtige Größe.

Hier findet ihr Beispiele für die Art von Objektiv:

Teleobjektiv

Teleobjektiv mit einerm Brennweitenbereich von 70mm - 300mm
Teleobjektiv mit einerm Brennweitenbereich von 70mm – 300mm

Auch Teleobjektive können für Porträtfotografie benutzt werden, nur hat man hier dann das umgekehrte Problem des Weitwinkelobjektivs. Je länger die Brennweite, desto mehr wird das, was du siehst, komprimiert oder auch zusammengequetscht.

Teleobjektive benutzt man dann, wenn man an sein Motiv entweder nicht nah ran kann oder nicht näher ran möchte. Wenn z. B. ein nicht zu überbrückendes Hindernis zwischen dir und deinem Motiv steht oder du eine wildes, gefährliches Tier fotografieren möchtest, brauchst du ein Teleobjektiv.

Neben der Natur- und Wildnisfotografie eignen sich Teleobjektive aber auch für das Fotografieren bei Sportevents. Du kannst dich z. B. an die Seitenlinie des Fußballfeldes stellen (im besten Fall dann mit einem Stativ) und bekommst Mats Hummels trotzdem in Großformat aufs Bild.

Hier findet ihr Beispiele für Teleobjektive:

Fernobjektiv

Ein Fernobjektiv mit einer Brennweite von 650mm bis 1300mm
Ein Fernobjektiv mit einer Brennweite von 650mm bis 1300mm

Fernobjektive sind extreme Teleobjektive. Und sie sind SEHR teuer und werden meistens nur von wirklich professionellen Fotografen benutzt, da sie zum einen durch ihr schweres Gewicht unpraktisch für den täglichen Gebrauch sind. Zum anderen kannst du damit nicht mehr aus der freien Hand fotografieren, sondern musst definitiv ein Stativ benutzen.

Sie werden vor allem in der Tierfotografie verwendet. Wenn du ein wildes oder scheues Tier in freier Wildbahn fotografieren möchtest, solltest du über ein Fernobjektiv nachdenken.

Ein zweiter Einsatzbereich ist die Sportfotografie. Wenn du sportbegeistert bist bzw. dir das auch mal live oder im TV ansiehst, hast du bestimmt die Fotografen, die am Spielfeldrand mit ihren Kameras mit überdimensional großen Objektiven sitzen, vor Augen. Das sind dann meistens Fernobjektive.

Hier findet ihr Beispiele für die Art von Objektiv, wenn ihr gerade das nötige Kleingeld habt:

Kleines Fazit zwischendurch

Gut, nun haben wir also geklärt, welche Art von Objektiv mit welcher Brennweite für welche Art der Fotografie gut ist.

Damit du dir vorstellen kannst, wie unterschiedlich der Bildausschnitt mit den verschiedenen Brennweiten wirklich aussieht, hat Sebastian sich gestern noch aufs Fahrrad geschwungen und euch mit unserer kleinen, aber feinen Objektivsammlung ein paar Fotos gemacht.

Er stand für die Bilder immer am selben Punkt und fotografiert immer in die selbe Richtung, damit man gut vergleichen kann, wie das Motiv mit den unterschiedlichen Brennweiten aussieht.

Welches Objektiv gerade auf der Kamera war und welche Brennweite er benutzt hat, habe ich euch jeweils unter das Bild geschrieben.

Praxis – Teil 1

Solltest du auch bereits unterschiedliche Objektive zuhause liegen haben, kannst du das ganze auch gerne mal nachmachen um selber zu sehen, wie sich der Bildauschnitt mit unterschiedlichen Brennweiten verändert.

Wir schlagen vor, du fotografierst mal mit folgenden Brennweiten: 8mm, 16mm, 50mm, 70mm, 135mm, 200mm und 300mm.

Wenn du mitgezählt hast, weißt du also wie viele Vergleichsbilder du gleich unten anschauen kannst. Genau, sieben Bilder. Viel Spaß dabei. Und nicht vergessen, selber ausprobieren ist immer das allerbeste!

Wenn du aber nur ein Objektiv hast, kannst du auch damit einfach mal bei der kürzesten Brennweite anfangen und dann eins mit der mittleren und eins mit der längsten Brennweite machen. Das geht natürlich auch. Nur ist dann der Unterschied nicht so extrem, wie bei unseren Beispielbildern. Die sind übrigens mit drei verschiedenen Objektiven entstanden.

Bildausschnitt Nr. 1 - fotografiert mit einer Brennweite von 8mm (Fisheye-Objektiv)
Bildausschnitt Nr. 1 – fotografiert mit einer Brennweite von 8mm (Fisheye-Objektiv)

 

Das erste Bild ist mit unserem Fisheye Objektiv mit einer Brennweite von 8 mm entstanden. Sieht man auch schön daran, dass das Haus sich verbeugt.

Bildausschnitt Nr. 2 - fotografiert mit einer Brennweite von 16mm
Bildausschnitt Nr. 2 – fotografiert mit einer Brennweite von 16mm

 

Das zweite Bild ist mit unserem Zoom-Objektiv Nikor 16-85 mm mit einer Brennweite von 16 mm entstanden. Da ist jetzt schon nicht mehr ganz so viel auf dem Bild zu sehen, wie beim ersten. Aber immer viel.

Bildausschnitt Nr. 3 - fotografiert mit einer Brennweite von 50mm
Bildausschnitt Nr. 3 – fotografiert mit einer Brennweite von 50mm

 

Bildausschnitt Nr. 3 wurde mit einer Brennweite von 50 mm, ebenfalls mit unserem Zoom-Objektiv gemacht. Da sieht man jetzt schon einen relativ goßen Unterschied.

Kleine Anmerkung: hier hat Basti sich wohl beim Fotografieren ein kleines Stückchen nach rechts gedreht, deshalb ist der Bildausschnitt etwas anders. Aber wir wollen es ihm mal verzeihen. Man sieht ja trotzdem sehr schön den Unterschied zu den ersten zwei Bildern.

 

Bildausschnitt Nr. 4 - fotografiert mit einer Brennweite von 70mm
Bildausschnitt Nr. 4 – fotografiert mit einer Brennweite von 70mm

 

Ja, jetzt muss ich eigentlich gar nicht mehr viel dazu sagen. Das sind jetzt 70mm mit Zoom-Objektiv und man sieht, der Bildausschnitt wird kleiner und Details des Bootes werden immer deutlicher.

Bildausschnitt Nr. 5 - fotografiert mit einer Brennweite von 135mm
Bildausschnitt Nr. 5 – fotografiert mit einer Brennweite von 135mm

 

#Und noch kleiner wird der Ausschnitt bei einer Brennweite von 135mm. Das ist jetzt mit unserem Teleobjektiv entstanden.

Bildausschnitt Nr. 6 - fotografiert mit einer Brennweite von 200mm
Bildausschnitt Nr. 6 – fotografiert mit einer Brennweite von 200mm

 

Und noch kleiner bei einer Brennweite von 200 mm, welches ebenfalls mit dem Teleobjektiv entstanden ist.

Bildausschnitt Nr. 7 - fotografiert mit einer Brennweite von 300mm
Bildausschnitt Nr. 7 – fotografiert mit einer Brennweite von 300mm

 

Das ist das letzte Bild, ebenfalls mit dem Teleobjektiv gemacht. Reicht jetzt auch, oder?

Und wie ihr hier gut sehen könnt, bleibt bei einer Brennweite von 300mm auch nur noch der vordere Teil des Schiffs übrig. Man kann nun deutlich sogar kleine Rostflecken an dem Boot erkennen, die sogar mit dem bloßen Auge nicht sichtbar waren.

Die Brennweite und die Verschlusszeit

Da du ja im zweiten Teil schon vieles über die Verschlusszeit gelernt hast, möchte ich jetzt noch kurz darauf eingehen was die Brennweite nun mit der Verschlusszeit zu tun hat und was man beachten sollte.

Je nach Brennweite gibt es eine andere Mindestverschlusszeit, um das Bild nicht zu verwackeln. Je länger die Brennweite, desto größer ist auch die Gefahr des Verwackelns. Bei einer Brennweite von 300 mm muss man schon eine sehr ruhige Hand haben oder eine sehr geringe Verschlusszeit wählen, um ein scharfes Bild zu erzielen.

Als Faustregel kannst du dir merken: Um aus der Hand ein unverwackeltes Bild zu schießen, sollte deine Verschlusszeit 1/Brennweite Sekunden dauern. Bei einer Brennweite von 70 mm sollte deine Verschlusszeit z. B. maximal 1/70 Sekunde oder kürzer sein, bei 100 mm sollte sie 1/100 Sekunde sein.

Hast du das Prinzip verstanden? Grundsätzlich darf die Verschlusszeit aber nicht zu lang werden, sonst verwackelt dein Bild trotzdem. Wenn du z. B. bei einem 8mm Fisheye-Objektiv mit einer Verschlusszeit von 1/8 Sekunde Verschlusszeit fotografierst, dann musst du schon eine seeeeehr sehr ruhige Hand haben, damit das Bild scharf wird.

Ich persönlich versuche nie mit einer Verschlusszeit länger als 1/50 Sekunden zu fotografieren, wenn ich aus der Hand und ohne Blitz fotografiere. Damit bin ich bislang eigentlich immer gut gefahren. Probiert das einfach selber mal aus. Nach einer Zeit bekommt ihr ein Gefühl dafür was geht und was nicht.

Kurzer Hinweis: Bevor jetzt die Profis unter euch aufschreien, diese Regel sei nicht immer zu 100% zutreffend und es gäbe viele einzelne Faktoren, die da zusätzlich noch eine Rolle spielen.

Ja, stimmt. Aber für uns Hobby-Fotografen sind solche kleinen Hilfen am Anfang wichtig und man ist froh, wenn man sich an etwas halten kann. Im Normalfall fährt man mit der Regel gut.

Natürlich muss das richtige Verhältnis jeder für sich und seine Kamera selber raus finden. Neue Kameras haben oft einen Bildstabilisator der noch kürzere Verschlusszeiten erlaubt.

Die Brennweite und die Gestaltung von Vorder- und Hintergrund

Hier gibt es nun mehr zu gucken als zu lesen. Viel gibt es hierzu nämlich nicht zu sagen und den direkten Zusammenhang zwischen Brennweite und der Gestaltung von Vorder- und Hintergrund sieht man am besten direkt auf Bildern.

Mir ist es nur wichtig, das zu erwähnen, damit du weißt, dass es einen Zusammenhang gibt und du dir über die Wirkung verschiedener Brennweiten auf Vorder- und Hintergrund bewusst bist.

Praxis – Teil 2

Die Fotos hat dieses Mal Sebastian für euch gemacht. Deswegen ist das Motiv wohl auch keine kleine Maus, sondern eine Flasche Weißwein. Nein, quatsch. Das hätte natürlich auch meine Motivwahl sein können. Aber ich war ganz froh, dass er mir das mit den Fotos diese Woche abgenommen hat. Wie ihr wahrscheinlich bereits gemerkt habt, ist der heute Beitrag relativ lang geworden. Also danke an alle, die noch dabei sind.

Nun also eine letzte kleine Übung. Hier kannst du sehen, wie sich der Hintergrund verändert, wenn du immer den gleichen Bildausschnitt fotografierst, jedes Mal allerdings mit einer anderen Brennweite.

Das kommt jetzt natürlich wieder darauf an, welche Brennweiten du zur Verfügung hast. Du musst nicht genau die gleichen Brennweiten benutzen, wie wir in diesem Beispiel. Es geht ja nur um den Effekt.

Du fängst also an mit 70 mm und machst ein Foto von dem Motiv deiner Wahl. Achte nur darauf, dass du auch einen „Hintergrund“ hast. In unserem Fall, Sebastians Bücherregal.  Dann versuche mal, den gleichen Bildausschnitt mit einer kürzeren Brennweite von 35 mm zu fotografieren.

Ja, richtig. Du musst dich bewegen. Wenn du das tatsächlich gerade ausprobiert hast, hast du gemerkt, dass du näher ein dein Motiv ran gehen musst um den selben Bildausschnitt auf dem Foto festzuhalten. Jetzt machen wir das gleiche noch mal mit einer Brennweite von 19 mm. Ja, genau. Auch jetzt musst du wieder ein Stück näher ran.

Du siehst auf Sebastians Bildern, dass sich der Hintergrund in den Bildern verändert, wenn du auch die Brennweite veränderst. Und das, obwohl du jedes Mal den gleichen Bildausschnitt fotografiert hast.

Also, fast den gleichen. Aber er hat das schon ganz gut hinbekommen, finde ich. Hätten wir die Weinflasche noch mehr in den Vordergrund gestellt, wäre der Effekt noch extremer gewesen. Aber auch so solltet ihr beobachten können, dass ihr mit längerer Brennweite weniger Bücher im Bild habt.

Also, je größer die gewählte Brennweite für dasselbe Motiv, desto weniger sieht man vom Hintergrund. Das solltet ihr also bei der Wahl eurer Brennweite immer beachten.

Das war es auch schon wieder. Ich hoffe, ihr habt es gut überstanden und seid zwischendurch nicht eingeschlafen oder so.

Im nächsten Artikel geht es ja auch schon weiter mit dem nächsten Thema: Belichtung! Ja, richtig. Das wird spannend!

Natürlich gibt es jetzt am Ende wieder den Aufruf an euch. Raus mit euch! Schnappt euch eure Kamera und eure Objektive und geht raus und fotografiert! Probiert alles aus! Denn Übung macht den Meister.

Und man merkt sich die Sachen wirklich viel besser, wenn man sie umsetzt. Und ich verspreche dir, irgendwann musst du dann nicht mehr über die Sachen nachdenken, sondern machst das alles automatisch.

Ich würde mich über deinen Kommentar super freuen. Es macht mir gleich viel mehr Spaß, wenn ich weiß, dass du auch ein bisschen Spaß dran hast.

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>> Weiter geht’s mit Teil 4: Die Belichtung.

11 Kommentare - Wir freuen uns auch über deinen netten Kommentar!

  1. Mannometer! Ihr gebt euch immer richtig viel Mühe mit euren Artikeln, find ich super :)

    Kommt eigentlich noch ein eigener Beitrag zu Objektiven mit fester Brennweite? Ansonsten wärs sicher noch spannend, etwas über den Qualitätsunterschied zwischen Zoom-Objektiven und Festbrennweiten zu erfahren. Letztere benutz ich persönlich am liebsten, auch wenn man etwas eingeschränkt ist bei der Handhabung. Aber wie heißt es so schön: „Die Beine sind der beste Zoom“.

    Freu mich schon auf den nächsten Artikel :)

    Liebe Grüße
    Jonas

    • Hallo Jonas,

      vielen Dank für dein Feedback. Ich leite es sofort an Jenny weiter. :)

      Ein Artikel über Festbrennweiten steht definitiv auf unserer Liste. Ich habe seit einiger Zeit auch eine 35 mm-Festbrennweite für mich entdeckt und mag das nicht mehr missen. In den nächsten Folgen geht es aber erstmal noch weiter um die Basics des Fotografierens. Der Artilel über die Festbrennweiten muss noch etwas warten. :)

      Viele Grüße
      Sebastian

  2. Leider haben sich so einige Fehler in eurem Text eingeschlichen. Vielleicht überarbeitet ihr ihn nochmal.
    Ein Ultra-Weitwinkelobjektiv ist z. B. etwas anderes als ein Fisheye und das 14er Walimex ist eben KEIN Fisheye.

    • Hallo Kent,

      vielen Dank für deine Hinweise. Du hast natürlich Recht. Die Vermischung von Ultra-Weitwinkel und Fisheye ist nicht korrekt. Wir sind da beim Schreiben etwas durcheinander gekommen, da wir Anfangs einen Abschnitt zu Fisheye und einen zu Ultra-Weitwinkel schreiben wollten. Den Ultra-Weitwinkel-Absatz haben wir dann aber weg gelassen.

      Das Bild vom 14er-Walimex sollte eigentlich das 8er-Walimex sein. Das haben wir jetzt auch ausgetauscht. Die sehen sich auf den ersten Blick wirklich sehr ähnlich. :)

      Viele Grüße
      Sebastian

  3. Hallo Jenny, hallo Sebastian,
    mir gefällt euer Bericht wieder sehr gut. Ich muss gestehen, dass ich ein „Objektivwechselmuffel“ bin ;-), euer Bericht mich aber dazu anregt, dies zu ändern. Dafür vielen Dank und ein schönes Wochenende

    wünscht euch Rosi

    • Hallo Rosi,

      wir freuen uns immer, wenn wir jemanden dazu bewegen können Neues auszuprobieren und ein wenig zu experimentieren. Super!! Ich weiß auch genau was du meinst. Ich hab jahrelang mit meinem 18-55 Kit Objektive fotografiert und noch nicht mal darüber nachgedacht zu wechseln. Wieso auch? Hat ja auch so funktioniert. Seitdem ich mich aber an andere Objektive rangetraut habe, kann ich z. B. vom Festbrennweitenobjektiv nicht genug bekommen. Zwischen welchen Objektiven wechselst du denn nun?

      Ganz vielen lieben Dank für deinen lieben Kommentar und sonnige – momentan zwar ein wenig bewölkte – Grüße aus Fuerteventura,

      Jenny

  4. Servus zusammen.
    Erst muss ich euch einmal loben . Eine bessere Erklärung der Basics habe ich bis jetzt auf noch keiner Seite gelesen. Eines scheint mir in diesem Artikel jedoch etwas verwirrend…
    Ich zitiere mal: “ Du fängst also an mit 70 mm und machst ein Foto von dem Motiv deiner Wahl. Achte nur darauf, dass du auch einen “Hintergrund” hast. In unserem Fall, Sebastians Bücherregal. Dann versuche mal, den gleichen Bildausschnitt mit einer längeren Brennweite von 35 mm zu fotografieren. “ Nach meinem Verständnis ist 70 mm die längere Brennweite und nicht wie beschrieben 35 mm. Unterliege ich jetzt hier einem Denkfehler?

    LG…Gani

    • Hallo Gani,

      wir freuen uns sehr, dass dir unsere Erklärungen gefallen. Und du hast natürlich Recht: Da ist uns ein Fehler unterlaufen. 35 mm ist eine kürzere Brennweite als 70 mm. Wir haben das gleich geändert.

      Vielen Dank, dass du so aufmerksam gelesen hast und uns die Info gegeben hast.

      Viele Grüße
      Sebastian und Jenny

  5. Hi,

    sehr gute Tutorials :) habe die letzten beiden Teile auch verfolgt und alles gleich ausprobiert.

    Ich habe nur eine Frage, in welchen Modus muss ich gehen um das mit der Brennweite auszuprobieren ? A oder S oder gar etwas anderes?

    liebe Grüße

    Thorin

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