In diesem Artikel geht es weiter mit dem Thema: Weißabgleich. Freust du dich schon? Ich mich auch!

Natürlich muss ich vorher noch mal kurz auf die ersten sechs Teile hinweisen. Weißabgleich ist zwar ein wichtiges Thema, du solltest für diesen Beitrag aber die Grundlagen aus den ersten Teilen schon kennen.

Hast du die Themen aus den ersten Beiträgen der Serie Fotografieren lernen also noch nicht verinnerlicht, solltest du das schnellstmöglich tun.

1. Teil: Blende
2. Teil: Verschlusszeit
3. Teil: Brennweite
4. Teil: Belichtung
5. Teil: Manuelle Belichtung und Modus M
6. Teil: ISO

Ich habe auch noch eine gute Nachricht für euch. Der heutige Beitrag ist nicht so lang wie die anderen. Gut, oder? So nun aber los mit dem heutigen Thema: Weißabgleich.

Teil 7: Der Weißabgleich

Heute sprechen wir zuerst kurz über die Farbtemperatur des Lichts. Dann kümmern wir uns um die Weißabgleich-Funkion deiner Kamera und klären, was du damit so anstellen kannst.

Dann erkläre ich kurz ein bisschen zum Thema Farboptimierung und wie du dich bei Mischlicht am besten verhalten solltest. Bevor wir dann zum Praxisteil übergehen, zeigen Basti und ich dir noch unsere Fotos bei denen der Weißabgleich definitiv nicht richtig eingestellt war.

Die Farben verändern durch Weißabgleich

Die Farbe des Lichts ist ein super spannendes Thema. Zumindest sehe ich das so. Denn es ist etwas, das man meist selbstverständlich hinnimmt. Tagsüber wirkt das Licht anders als am Abend und Drinnen wirkt es anders als Draußen.

Bevor ich mich mit der Fotografie beschäftigt habe, habe ich darüber nicht nachgedacht. Das holen wir jetzt einfach gemeinsam nach.

Denn wenn wir darüber nachdenken, ist es tatsächlich so, dass sich die Farbe des Lichts über den Tag hinweg wirklich extrem verändert. Natürlich nicht nur draußen im Tageslicht, sondern auch wenn du vom Tageslicht nach Drinnen zu künstlichem Licht wechselt.

Deinen Augen ist das relativ egal, da die sich meistens direkt an die unterschiedlichen Lichtverhältnisse anpassen. Was die Farben angeht, nehmen wir Motive ganz anders wahr als unsere Kamera.

Genau wie beim ISO, kann man die Art und Weise wie unsere digitale Spiegelreflexkamera Farben einfängt mit dem vergleichen was früher der Film der analogen Kamera gemacht hat. Für die analogen Kameras hat man meistens Tageslicht Filme gekauft. Die waren dann dafür gemacht die Farben auf dem Film bei Tageslicht korrekt abzubilden.

Machst du jetzt aber mit dem Tageslicht Film, drinnen in deiner Wohnung oder in einem Gebäude Fotos, passiert folgendes:

  1. Entweder deine Fotos haben einen orangefarbigen Touch. Das passiert meistens, wenn das Licht von normalen Glühbirnen kommt.
  2. Oder deine Fotos haben alle einen leicht grünen Touch. Grün wird das Bild meistens, wenn der Raum mit Hilfe von Leuchtstoffröhren erhellt ist.

Ok. Wir könnten das jetzt einfach so hinnehmen. Aber dafür ist die Antwort auf die Frage „Warum ist das?“ viel zu spannend. Also, ich nehme jetzt einfach mal an, du fragst mich „Warum ist das denn nun so?“

Die Frage beantworte ich natürlich gerne. Die Antwort ist auch ganz einfach: Die Lichttemperatur von künstlichem Licht ist eine komplett andere als die von Sonnenlicht.

Kurzer Hinweis: Die Temperatur (oder auch Farbe) von Licht wird in Kelvin (K) gemessen.

Für die Lichttemperatur habe ich euch eine schöne Tabelle gemacht. Das zeigt wie extrem unterschiedlich die Farbtemperaturen von unterschiedlichen Lichtquellen sind. Allein wie unterschiedlich die Lichttemperatur von natürlichem Licht sein kann, ist bemerkenswert.

farbtemperatur

Jetzt stellt sich die Frage, wie unsere Kamera es bewerkstelligt, die Farbe des Lichts immer wahrheitsgetreu abzubilden, wenn sich die Farbtemperatur doch ständig ändert. Gar nicht so einfach, finde ich.

Jetzt hat aber die digitale Spiegelreflexkamera den Vorteil, dass vor dem Fotografieren nicht überlegen muss welchen Film man einsetzt. Deine Kamera passt die Einstellung „Weißabgleich“ nämlich meist automatisch an.

Diese Funktion sorgt dafür, dass die Farben auf deinem Bild so natürlich, wie möglich aussehen.

Aber, was genau ist eigentlich Weißabgleich?

Weißabgleich

Eigentlich ist den Name eine recht merkwürdige Bezeichnung für diese Funktion, da die Funktion „Weißabgleich“ ja kontrolliert, wie der Sensor deiner Kamera die Farben deinem Bild einfängt.

Weißabgleich-KnopfDu kannst dir jetzt mal deine Kamera zur Hand nehmen und die Einstellungen zum Weißabgleich aufmachen. Wenn du nicht weißt, wo du die findest, guckst du am besten in deine Bedienungsanleitung.

Ich hab dir mit meinem Handy mal ein Foto von unserer Nikon D7000 gemacht. Dort habe ich links neben dem Display einen Knopf „WB“.

Wenn ich den gedrückt halte und am Rädchen drehe, mit dem ich normalerweise die Verschlusszeit ändere, kann ich zwischen den verschiedenen Weißabgleich Einstellungen wechseln. Bei der Nikon D40 ist es aber auch schon wieder anders. Insofern, guckt lieber im Handbuch nach.

Die Einstellungen, die du zur Verfügung hast, sind wahrscheinlich fast identisch mit denen verschiedenen Lichtsituationen aus der Tabelle oben.

Wie die meisten deiner Kameraeinstellungen, kannst du die Weißabgleicheinstellung oft deiner Kamera überlassen. Das bedeutet, dass du sie in den meisten Fällen einfach auf „A“ für Automatik stehen lässt.

Wenn der Weißabgleich deiner Kamera automatisch eingestellt wird, dann passiert folgendes: Deine Kamera misst die Farbtemperatur des Lichts die auf den Sensor eintrifft und stellt den Weißabgleich so ein, dass die Farben deines Bildes natürlich aussehen.

Es gibt allerdings zwei bestimmte Situation an denen du dich besser selbst um den Weißabgleich kümmerst:

  1. Wenn du nicht willst, dass deine Farben auf dem Bild natürlich wirken
  2. Wenn das dir zur Verfügung stehende Licht von mehreren verschiedenen Lichtquellen kommt

Und genau diese beiden Möglichkeiten gucken wir uns jetzt mal an.

Farboptimierung

Der erste Punkt ist eigentlich schnell erklärt. Du machst ein Foto, du guckst es dir auf dem Display an und denkst nur „Moment! So sieht das in Echt gar nicht aus!“. Ok, also müssen wir etwas ändern.

Ich versuche das mal kurz an einem Beispiel zu erklären. Du läufst durch einen Park und siehst eine total schöne intensiv rot blühende Blume. Also, machst du dich auf den Weg dorthin und machst ein Foto. Wenn du dir das Foto aber anguckst, bist du kurz enttäuscht, weil diese rote leuchtende Farbe der Blume gar nicht wirklich rüberkommt.

Jetzt siehst du, dass die Blume im Schatten eines großen Baumes ist und kommst auf die Idee, deinen Weißabgleich auf „Schatten“ zu stellen. Und siehe da: Auf einmal sieht die Blume auf deinem Bild schön knallig rot aus.

Du kannst natürlich die Weißabgleich Einstellung auch benutzen um einem Bild einen dramatischen Effekt zu geben. Wenn du z. B. auf die Farbe Blau stehst, solltest du einfach mal mit der Einstellung „Kunstlicht (Glühbirne)“ raus vor die Tür gehen und Fotos im Sonnenlicht machen. Alle deine Fotos werden herrlich blau. Für Blauliebhaber bestimmt eine Wonne, „natürlich“ sehen die Farben dann allerdings nicht mehr aus.

Unten siehst du ein Bild mit einem falschen Weißabgleich. Da hatte ich wohl vergessen, den Weißabgleich auf den sonnigen Tag anzupassen und habe einen ordentlichen Blaustich im Bild.

Strand
Aufnahme mit falschem Weißbagleich

Mein Tipp: Am besten ist es, du guckst dir die Bilder immer an und entscheidest dann, ob dir die Farben so gefallen oder ob du denkst, da kann man bestimmt noch was rausholen. Probiere einfach mal verschiedene Einstellungen aus und guck wie es sich auf das Bild auswirkt.

Mischlicht

Mischlicht ist kein Freund des Fotografen. Also zumindest nicht mein Freund.

Stell dir folgende Situation vor: Du sollst in einer Uni Fotos von den Studenten bei der Arbeit machen. Diese  Studenten sitzen in einem kleinen Raum im Kreis. Der Raum hat Fenster durch die Tageslicht hineinscheint. Da es aber nicht ausreicht, haben die Studenten auch die Deckenlampen mit normalen Glühbirnen angemacht.

Jetzt hast du also zwei verschiedene Lichtquellen. Du stellst dir jetzt die Frage auf welche Einstellung du denn jetzt deinen Weißabgleich einstellen sollst: Glühbirne oder Tageslicht. Ich finde das ist eine berechtigte Frage.

Erste Variante: Du probierst es erst mal mit der Automatik Einstellung. Jetzt wirst du wahrscheinlich auch einige Bilder dabei haben, deren Farben für dich ganz natürlich aussehen. Du wirst wahrscheinlich aber auch welche dazwischen haben, wo dir denkst „Ähmm. Nein, das ist eher nicht natürlich!“.

Das Problem ist, dass deine Kamera bei jedem Foto entscheiden muss, welche der beiden Lichtquellen nun die stärkere ist. Je nachdem wo du stehst und welche Perspektive du fotografierst, wirst du auch andere Ergebnisse haben.

Zweite Variante: Das Beste ist hier wirklich schlicht und einfach auszuprobieren, welche Lichtquelle die stärkere ist. Guck dir einfach an, welche Lichtquellen du hast, stell deine Kamera zuerst auf die eine und mach ein paar Fotos und stell sie dann auf die andere und mach noch mal ein paar Fotos. Meistens wird sich eine der beiden Varianten als die richtige herausstellen.

In unserem Fall, sagen wir jetzt einfach mal, dass die Lampen im Raum viel mehr Licht geben als das bisschen Tageslicht, das von draußen kommt. Hier wäre also die beste Variante, den Weißabgleich manuell auf Glühbirne einzustellen.

Mein Tipp: Wenn du deine Bilder im RAW-Format aufnimmst, kannst du den Weißabgleich hinterher am Computer z. B. in Lightroom noch anpassen.

Speicherst du deine Fotos nur als JPG, geht das leider nicht mehr so einfach. Über die verschiedenen Speicherformate werden wir in einem zukünftigen Beitrag noch genauer eingehen.

Unsere Fehlversuche

Bevor wir zum Praxisteil übergehen, möchte ich dir noch zeigen wie man es nicht machen sollte. Basti und ich haben mal in unseren schon etwas älteren Fotos gestöbert und sind da auch fündig geworden. So sollen also die Bilder nicht unbedingt aussehen. Alle Bilder sind mit „falscher“ Weißabgleich Einstellung fotografiert.

Praxis

Der Praxisteil ist eigentlich ganz simpel und du musst dieses Mal noch nicht mal dafür vor die Tür.

Wir machen also jetzt folgendes:

  1. Nimm dir doch einfach mal deine Kamera zur Hand, suche dir in der Wohnung ein Motiv.
  2. Jetzt machst du bitte – falls noch nicht geschehen – das Deckenlicht an.
  3. Du stellst den Weißabgleich auf Automatik und machst ein Foto.
  4. Jetzt machst du noch mal mit jeder anderen Weißabgleich-Einstellung, die du zur Verfügung hast, ein Foto vom gleichen Motiv, mit gleichem Licht.

Das ist jetzt zwar ein bisschen aufwendig, aber du kannst dir die Ergebnisse schön am Laptop oder am PC angucken und dann siehst du sehr gut, was sich mit den einzelnen Einstellungen sich an den Bildern verändert.

Und ganz wichtig: Stell bitte deinen Weißabgleich immer wieder zurück auf Automatik und guck am Anfang beim Fotografieren immer mal auf den Display. Denn sonst passiert es dir schnell, dass du noch eine falsche Weißabgleich-Einstellung vom Vortag hast, wie bei meinem Strandbild weiter oben.

Das war es auch schon wieder für heute. Ich hoffe du hast deinen Foto-Spaziergang für das nächste Wochenende bereits geplant? Denk immer daran: Übung macht den Meister.

Ich hoffe, dir hat es wieder Spaß gemacht und alles war verständlich. Natürlich freue ich mich wieder über deinen Kommentar und dein Feedback. Also: Los, los: kommentier hier unten einfach. Ich freu mich drauf.

Gefällt dir unsere Art Wissen zu vermitteln? Dann guck dir doch mal unseren Online-Fotokurs genauer an:

>> Hier klicken für mehr Informationen zum Online-Fotokurs.

>> Hier geht’s weiter mit Teil 8: Belichtungsmessmethode.

2 Kommentare - Wir freuen uns auch über deinen netten Kommentar!

  1. Das Thema Weissabgleich habe ich grundsätzlich übersprungen, da es mich nicht wirklich interessiert hat, aus dem Grunde, da ich immer meinte, das brauche ich eh nicht. Nachdem ich nun alle Lektionen von der Blende bis zur ISO Einstellung gelesen habe, (und ich wollte das Thema Weissabgleich fast schon wieder überspringen), habe ich mir diese Lektion auch durchgelesen, und muss feststellen, das es doch wichtiger ist, als ich dachte. Für mich waren immer nur die Themen Blende, Verschlusszeit und ISO wichtig. Warum habe ich mir diesmal das Thema durchgelesen: Ich habe viele Beitrag und Informationen bzgl. Fotografie gelesen und alle waren wirklich gut und interessant, aber eure Ausführung finde ich am besten, ist wie ein spannendes Buch (Roman, Krimi) zu lesen. Da kann man einfach kein Thema überspringen, sonst hat man den Faden verloren. Ich bin absolut begeistert.

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