Heute beschäftigen wir uns mal mit einem Thema, mit dem ich mich selbst lange Zeit nie beschäftigt habe. Das finde ich mittlerweile fast schade, da es echt eine spannende Sache ist. Wir haben uns ja schon ausführlich mit der Belichtung beschäftigt, dennoch möchte ich hier noch mal spezifisch auf die Belichtungsmessung eingehen.

Hier findest du noch mal alle bisherigen Themen unserer kleinen Serie zum Fotografieren lernen:

1. Teil: Blende
2. Teil: Verschlusszeit
3. Teil: Brennweite
4. Teil: Belichtung
5. Teil: Manuelle Belichtung und Modus M
6. Teil: ISO
7. Teil: Weißabgleich

Wenn du dir den letzten Teil der Serie zu Gemüte geführt hast, weißt du, dass er nicht so lang war. Wenn das ganz nach deinem Geschmack war, kannst du jetzt gerne laut „Yeaaay!“ rufen.

Denn dieser Beitrag wird – wenn ich nicht zwischendurch noch eine Geschichte erzähle – sogar noch kürzer und knackiger. Wenn das nicht Motivation genug ist, weiß ich auch nicht. Also los geht es mit unserem heutigen Thema: Belichtungsmessung.

Ein paar einleitende Sätze

Erinnerst du dich noch an unser Thema Belichtung im Teil 4 der Serie Fotografieren Lernen? Dort ging es auch um den „Dynamischen Bereich“. Wir haben dort festgestellt, dass deine Kamera ein Motiv teilweise ganz anders wahrnimmt als dein Auge.

Ich hatte das am Beispiel eines Sonnenuntergangs erklärt. Dort hast du einen ziemlichen Kontrastunterschied zwischen dem Sonnenuntergang im Hintergrund des Bildes und dem, was im Vordergrund des Bilders zu sehen ist.

Als kleine Erinnerungsstütze. Hier sind die Bilder die das Problem sehr gut zeigen.

 

So, jetzt das Blöde an der Sache. Auch, wenn du in Modus M fotografierst und alles so einstellst, dass deine Belichtungsskala auf 0 steht und damit dein Bild eigentlich korrekt belichtet wäre, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass das Bild später nicht so aussieht, wie du es gerne hättest.

Verschiedene Modi zur Belichtungsmessung

Oft ist die Art der Belichtungsmessung schuld. Es gibt davon nämlich drei verschiedene Grundtypen. Diese solltest du kennen und verstehen, denn dann kannst du sie in Zukunft auch gezielt zu deinen Gunsten einsetzen. Und genau deswegen besprechen wir sie heute.

Welches sind nun also die drei Messverfahren?

Schön, dass du fragst.

  1. Matrixmessung
  2. Mittenbetonte Messung
  3. Spotmessung

Falls du jetzt noch ein paar Fragezeichen vor Augen hast und dich fragst, wie das denn gemeint ist mit der Belichtungsmessung, hier noch mal kurz zur Erklärung ein paar weitere Sätze.

Wie war das noch mal mit dem Belichtungsmesser?

Der Belichtungsmesser misst das Licht, das auf den Sensor trifft und kann dir dann sagen, ob dein Bild korrekt, unter- oder überbelichtet sein wird. Das zeigt er dir dann – bei den meisten Kameras – auf einer Skala an. Würde dir deine Kamera folgende Skala anzeigen, wäre dein Bild korrekt belichtet.

Korrekt belichtetes Bild
Korrekt belichtetes Bild

Was soll der Quatsch mit den verschiedenen Arten der Belichtungsmessung?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, von welchem Teil deines gewählten Motives deine Kamera das einfallende Licht misst.

Klingt kompliziert? Ist es wirklich überhaupt nicht! Ich erkläre jetzt die drei verschiedenen Hauptarten der Belichtungsmessung und ich bin mir sicher, danach verschwinden viele Fragezeichen und alles ergibt einen Sinn.

Also los.

Matrixmessung

Wenn du deine Kamera in den Matrix-Modus stellst, dann misst der Belichtungsmesser ALLES was an Licht auf den Sensor deiner Kamera fällt. Er ist da einfach null wählerisch und trifft daraufhin die Entscheidung wie er die Belichtung anpasst.

Stell dir vor, du sitzt am Strand, links neben dir ist das Meer und rechts von dir ist eine Reihe von Palmen, die Schatten auf den Strand wirft. Wir haben also ein Motiv, dass zu 50% aus hellen und zu 50% aus dunklen Bereichen besteht.

Wenn deine Kamera auf den Matrixmodus gestellt ist, dann versucht sie die richtige Belichtung aufgrund beider – dem hellen und dem dunklen Bereich – einzustellen.

Die Einstellung ist eigentlich die gängigste und meistens voreingestellt.

Wo solltest du diesen Modus benutzen? Am allerbesten funktioniert diese Einstellung bei Landschaftsfotografie, bzw. bei allen Motiven wo du alles auf dem Bild korrekt belichtet haben möchtest.

Matrixmessung
Der Belichtungsmesser nimmt das komplette Licht deines Bildes auf (hier grün dargestellt)

Mittenbetont

Jetzt gibt es aber Situationen in denen du nicht möchtest, dass der Belichtungsmesser wirklich das ganze Licht interpretiert, welches auf deinen Sensor fällt.

Ein gutes Beispiel dafür sind Portraitaufnahmen. Du ziehst mit deiner besten Freundin oder Freund los und möchtest tolle Bilder in Nahaufnahme machen.

Folgendes Szenario. Ihr steht an der Spree und die Sonne scheint extrem hell. Jetzt ist also dein Hintergrund sehr hell. Wenn du jetzt die Kamera auf den Matrix Modus stellst, versucht der Belichtungsmesser alles, was du durch deinen Sucher siehst, zu interpretieren.

Das ist jetzt aber echt blöd. Dadurch, dass dein Hintergrund so hell ist, versucht die Kamera das auszugleichen und jetzt ist wahrscheinlich dein Model nicht so richtig schön belichtet. Wahrscheinlich ist es leicht unterbelichtet.

Um das zu verhindern, kannst du also deine Kamera auf die Mittenbetonte Messung stellen. In dem Fall konzentriert sich dein Belichtungsmesser nur um einen kleinen Bereich rund um deinen Fokuspunkt herum. Er ignoriert also einfach den Hintergrund.

Wenn du also den Fokus auf dein Model einstellst, kannst du dich drauf verlassen, dass sie oder er korrekt belichtet wird.

Wie bereits beschrieben, eignet sich die mittenbetonte Messung gut bei Portraitfotografie. Es funktioniert aber auch gut, wenn du jemanden fotografieren möchtest der im Schatten steht, aber auch von sehr hellem Sonnenlicht umgeben ist.

Mittenbetonte Messung
Bei der mittenbetonten Messung wird der Bereich rund um deinen Fokuspunkt belichtet

Spotmessung

Die Spotmessung ist er mittenbetonten Messung sehr ähnlich, allerdings geht sie noch einen Stück weiter. Und zwar trifft deine Kamera die Entscheidung, wie sie belichtet, nur anhand des Lichts, das sie in einem einzigen Punkt misst.

Es gibt eigentlich zwei Szenarien, in denen man die Spotlichtmessung benutzen würde.

Zum einen, wenn du von deinem Motiv relativ weit weg bist, aber trotzdem eine bestimmte Person oder ein Detail korrekt belichten möchtest.

Stell dir einfach vor, du liegst heimlich auf deinem Hausdach und willst jemandem im Garten der Nachbarn mit einem Teleobjektiv fotografieren. Korrekt belichten willst du das Gesicht dieser Person. Da kann diese Einstellung ganz nützlich sein, da du den Bereich um den sich deine Kamera kümmern soll, relativ gut eingrenzen kannst.

Ein zweites Szenario wäre, wenn du die komplette Kontrolle darüber haben möchtest, wie deine Kamera ein Motiv mit extremem Kontrastunterschied belichtet. Du willst z. B. einfach selbst entscheiden, ob deine Kamera sich komplett auf den Sonnenuntergang konzentriert oder eben nicht.

Natürlich musst du dann aber damit einverstanden sein, dass dein Vordergrund dann tatsächlich sehr unterbelichtet ist, also schwarz dargestellt wird. Wenn du das aber so möchtest, kannst du die Spotmessung benutzen, damit deine Kamera nicht doch aus Versehen versucht, beides korrekt zu belichten oder sich nur um den Vordergrund kümmert.

Du kannst hier also immer selbst entscheiden, was für dich am wichtigsten ist. Natürlich funktioniert das bis zu einem gewissen Punkt auch mit dem mittenbetonten Modus, aber die Spotmessung ist eben noch einen Tick detaillierter.

Spotmessung
Bei der Spotmessung wird nur ein kleiner Punkt zur Belichtungsmessung genutzt

 

Kleiner Hinweis:

Die Belichtungsmessung der heutigen Kameras ist schon sehr gut und der Messer kann wirklich einiges. Trotzdem wird er, sobald er auf schwierige Lichtverhältnisse trifft, auch mal eine falsche Entscheidung treffen und das Bild nicht so belichten können, wie du es gerne hättest.

Praxis

Knopf für Belichtungsmessung Modi
Knopf für Belichtungsmessung Modi

So jetzt reden wir aber endlich darüber, wo du das an deiner Kamera überhaupt findest. Ich hoffe, du hast deine Kamera bereits zur Hand? Ok. Ich würde dich jetzt bitten auch noch dein Manual zur Hand zur nehmen, denn auch das ist bei vielen Kameras unterschiedlich.

Wenn du aber eher der MacGyver-Typ bist, kann ich das voll verstehen. Dann musst du dich auf die Knopf-Rädchen-Suche machen.

Ich hab euch mal Fotos davon gemacht, wie man das an der Nikon D7000 einstellen kann.

Die meisten von euch werden an eurer Kamera aber so einen Knopf finden, wie im Bild oben direkt über dem Anzeigedisplay. Wenn du diesen gedrückt hältst und dann am hinten Rädchen drehst, kannst du zwischen den drei Modi wechseln. Basti hat das mal vorgemacht und für uns am Rädchen gedreht.

 

Hast du die Einstellung gefunden?

Da wir immer noch kein so tolles Wetter haben, versuchen wir den Praxisteil mal wieder nach drinnen zu verlegen. Das einzige, das ihr dazu braucht ist einen Raum mit Fenster, durch das Tageslicht scheint.

Schön, wäre es jetzt noch, wenn jemand Model spielen könnte und sich ans Fenster stellt. Sollte gerade keiner da sein oder sich niemand bereiterklären, stellst du eine Stehlampe oder irgendwas anderes vor das Fenster.

Du machst jetzt mal folgendes:

  1. Stell deine Kamera auf einen Modus deiner Wahl – alles außer Automatik ist erlaubt.
  2. Stell dein Model oder irgendwas anderes vor das Fenster.
  3. Stell dich relativ nah an dein gewähltes Motiv ran. Stell dir vor, du möchtest du nur ein bisschen mehr als das Gesicht fotografieren.
  4. Und jetzt machst du einfach drei Fotos vom gleichen Motiv mit dem Fokus auf das Gesicht oder dem Lampenschirm der Stehlampe. Such dir einfach was aus. Wichtig ist nur, dass du immer gleich fokussierst.

Die Bilder müssen nicht „schön“ sein. Das ist wirklich ganz egal. Es geht nur darum herauszufinden, wie sich die Kamera bei der jeweiligen Änderung verhält.

Wahrscheinlich werdet ihr keinen so großen Unterschied sehen zwischen dem Foto „Matrix“ und „Mittenbetont“, aber vor allem bei „Spot“ wird die Kamera euer Motiv korrekt belichten, der Hintergrund wird jedoch extremst überbelichtet sein.

Sollte es zu dunkel sein im Raum, könnt ihr die Blende ganz aufmachen und/oder die ISO höher stellen. Ansonsten einfach auf ein Stativ stellen.

Ich hab mal die Stehlampe einfach vors Fenster gestellt und die drei Bilder gemacht. Hier sind also meine Ergebnisse. Welcher Modus bei welche Bild benutzt wurde, steht bei den Bildern dabei.

 

Meistens fährst du mit der Einstellung „Matrix“ ganz gut, aber solltest du mal Lust haben, dich mehr mit der Portraitfotografie zu beschäftigen oder planst heimlich Fotos von Jemandem mit einem Teleobjektiv zu machen, kann diese Einstellung dir wirklich weiterhelfen. Natürlich sollst du nicht heimlich deinen Nachbarn fotografieren. Das ist nur als Fallbeispiel gedacht.

Das wars dann auch schon für heute.

Ein kurzer Hinweis noch in eigener Sache: Nächste Woche schaffe ich es leider nicht, einen neuen Beitrag für die Serie Fotografieren lernen zu schreiben, da Basti und ich für ein paar Tage wegfahren. Die Woche drauf geht es aber umso spannender weiter.

Ich hoffe, dir hat es wieder Spaß gemacht und du probierst die Einstellung bei Gelegenheit mal aus. Natürlich freue ich mich wieder über deinen Kommentar und dein Feedback.

Gefällt dir unsere Art Wissen zu vermitteln? Dann guck dir doch mal unseren Online-Fotokurs genauer an:

Hier klicken für mehr Informationen zum Online-Fotokurs.

Hier geht’s weiter mit Teil 9: Autofokus.

7 Kommentare - Wir freuen uns auch über deinen netten Kommentar!

  1. ….super erklärt. Danke…
    Für „Canonisten“ ….von links nach rechts im „Q“- Modus
    1. Mehrfeldmessung : liegen KEINE hohen Lichtkontraste vor ( bedeckter Himmel )

    2. Selektivmessung : ist für relativ eng umrissene Details (deckt rund 6,5% des Gesichtsfeldes ab) helleres Gefieder v. Vögeln z.B. neigt zu Überstrahlung wenn nicht selektiv gemessen wird.

    3. Spotmessung : um Details exakt anzumessen ( deckt etwa 2,8% des Suchers ab)

    4. Mittenbetonte Messung : eignet sich für relativ großflächige, im Bildzentrum lokalisierte Motive wie etwa eine Blüte bei Makroaufnahme.

Teile deine Gedanken mit uns!

Please enter your comment!
Please enter your name here