In diesem Aritikel beschäftigen wir uns mit dem Autofokus der Kamera. Das ist auch so ein Thema, dass ich selbst sehr lange vernachlässigt habe.

Auf den ersten Blick erscheint es ein wenig kompliziert. Auf den zweiten Blick ist es das aber gar nicht. Bevor wir loslegen, hier noch mal alle bisherigen Themen unserer Serie Fotografieren lernen:

1. Teil: Blende
2. Teil: Verschlusszeit
3. Teil: Brennweite
4. Teil: Belichtung
5. Teil: Manuelle Belichtung und Modus M
6. Teil: ISO
7. Teil: Weißabgleich
8. Teil: Belichtung

Ich versuche mich auch dieses Mal kurz zu halten. Mal sehen, ob es mir gelingt. Ein kurzer Hinweis noch. Ich werde ab und zu Autofokus mit AF abkürzen.

Also, lasst uns loslegen.

Einleitung

Eins vorweg: Das heutige Thema wirst du wahrscheinlich am besten verstehen, wenn du es direkt an der Kamera ausprobierst. Dieses Mal bietet es sich leider nicht an, viele Beispielfotos zu zeigen, da man die Auswirkungen des Autofokus nur sieht, wenn man wirklich selbst fotografiert.

Jetzt geht es aber wirklich los.

Alle Spiegelreflexkameras haben mehr als nur einen einzelnen Punkt auf den die Kamera fokussieren kann. Das siehst du meist schon, wenn du durch deinen Sucher guckst und eine Anordnung von mehreren Punkten siehst.

Wie genau die Anordnung aussieht, kommt auf dein Kameramodel an. Wenn es fünf oder weniger Punkte sind, sind diese meist horizontal angeordnet. Oft sieht man auch die Punkte in Form eines Plus-Symbols, so wie auf dem folgenden Bild.

Wenn du 11 oder mehr siehst, verteilen sie sich höchstwahrscheinlich über den kompletten Sucher. Es gibt auch Kameramodelle, bei denen du verschiedene Versionen zur Verfügung hast. Dazu kommen wir aber gleich noch.

Fokuspunkte auf einem Bild
In Form eines Plus angeordnete Fokuspunkte

Der Autofokus

Der Autofokus deiner Kamera ist eigentlich ziemlich gut und weiß in den meisten Fällen, welchen Teil im Bild du scharf haben möchtest. Du kennst bestimmt noch die Bilder von früher, wo du dich im Urlaub vor eine berühmte Sehenswürdigkeit stellen solltest, damit deine Eltern euren Besuch auch auf einem Foto verewigen konnten.

Und vielleicht hast du auch einige, auf dem dann die Sehenswürdigkeit im Hintergrund scharf ist und du dann aber leider nicht. Ich habe einige dieser Bilder. Mit den heutigen Kameras passiert das eigentlich selten. Natürlich bestätigen Ausnahmen die Regel.

Nun sind wir uns glaube ich einig, dass wir nicht zu denen gehören möchten, deren Bilder zur Ausnahme gehören. Also gucken wir uns die Sache mit dem Autofokus jetzt mal genau an, damit wir in Zukunft wissen, worauf wir uns da einlassen.

AF-Messfeldsteuerung

Die Einstellung zum Autofokus (AF) und der AF-Messfeldsteuerung ist bei jeder Kamera anders. Deshalb machst du dich jetzt am besten auf die Suche nach deinem Handbuch.

In dem Handbuch unserer Nikon D7000 gibt es sogar ein komplettes Kapitel über den Fokus. Es ist sogar relativ gut erklärt und hilft dabei, die richtigen Knöpfe und Rädchen zu finden. Wie das genau funktioniert, zeige ich euch aber noch mal ganz unten beim Praxisteil.

Probiert die Einstellungen ruhig immer mal während des Lesens aus. Das hilft gut dabei, das Gelesene zu verstehen, finde ich.

Also kurz zur Messfeldsteuerung. Bei den meisten Kameras kannst du selbst bestimmen, ob du ALLE Fokuspunkte benutzen möchtest, oder eben nur einen. Ich habe z. B. folgende Möglichkeiten:

  • Einzelfeldsteuerung
  • Dynamische Messfeldsteuerung mit neun Feldern
  • Dynamische Messfeldsteuerung mit 21 Messfeldern
  • Dynamische Messfeldsteuerung mit 39 Messfeldern
  • 3D Tracking
  • Automatische Messfeldsteuerung (AUTO)

Fokusmessfeldauswahl

Ich kann also den Bereich auf den meine Kamera fokussiert selbst einstellen. Sobald du also der Kamera gesagt hast, dass du nur einen Autofokus Punkt benutzen willst – im Fall der D7000 also Einzelfeldsteuerung – kannst du mit den Tasten hoch, runter, links und rechts den Fokus dort hinlegen, wo du ihn brauchst.

Wann solltest du deinen AF-Punkt manuell einstellen?

Wann macht es Sinn die Kamera nicht automatisch über deinen Fokus entscheiden zu lassen? Zum einen ist es sinnvoll, wenn du nah an deinem Motiv dran stehst, z. B. bei Portraits oder einem Motiv, dass du mit einem Makro Objektiv (das sind die Objektive, mit denen du ganz nah an Dinge rangehen kannst) fotografierst.

Denn wenn du sehr nah an deinem Motiv dran stehst, hast du meistens eine geringe Tiefenschärfe im Bild.

Kurz zur Erinnerung: Es gibt drei Faktoren, die Einfluss auf die Tiefenschärfe deines Bildes haben:

  1. Die Blendenzahl deines Objektives
  2. Die Brennweite deines Objektives
  3. Der Abstand deines Motivs zur Linse

Wenn deine Blende weit offen ist, du ein Teleobjektiv benutzt oder nah an dein Motiv heran gehst, musst du mit einer geringen Tiefenschärfe rechnen.

Das Problem ist dann, dass dein Fokus wirklich genau da sein muss, wo du ihn haben willst. Wenn du ein Portrait mit Autofokus machst, kann es leicht passieren, dass die Kamera auf das fokussiert, was am nächsten an der Kamera dran ist.

So und nun darfst du raten was dann scharf ist? Genau. Die Nase! Das ist vielleicht nicht immer unbedingt von Vorteil, auch wenn es sicherlich schöne Nasen gibt. Schöner ist es aber, wenn mindestens ein Auge scharf ist.

Ich hab hier mal ein gutes Beispiel. Während unseres Portraitfotografie-Kurses haben wir ganz unterschiedliche Portraits gemacht. An den beiden hier kann man gut sehen, wie die Wirkung verloren geht, wenn beide Augen unscharf sind.

Beide sind mit dem Festbrennweiten-Objektiv mit einer Brennweite von 35 mm f/1,8-Objektiv von Nikon fotografiert. Bei dem Bild mit dem „ernsten“ Blick, dass von relativ nah dran fotografiert wurde, sind die Augen unscharf.

 

So viel also zur AF-Messfeldsteuerung. Jetzt gibt es aber noch verschiedene AF-Modi die du an deiner Kamera einstellen kannst. Und die gucken wir uns jetzt mal genauer an.

AF-Modi

Kurzer Hinweis vorab: In eurem Handbuch sind die Modi vielleicht anders benannt. Deswegen hab ich versucht die Namen allgemein zu halten. In Klammern findest du die Bezeichnung, die Nikon für die D7000 im Handbuch sich ausgedacht hat.

Die drei verschiedenen Autofokus-Modi sind folgende:

1. Einmalig (Einzelautofokus)

Den Einzelautofokus benutzt du, wenn dein Motiv sich nicht bewegt, z. B. ein stillstehendes Model beim Portrait-Shooting. Denn da passiert folgendes: Du drückst den Auslöser halb ein, die Kamera fokussiert, stoppt und macht piep, wenn du deine Kameratöne aktiviert hast. Wenn du dann den Auslöser ganz runterdrückst und ein Foto machst, hast du ein scharfes Foto.

Alles kein Problem, wenn alles auf dem Bild still hält. Hast du jetzt aber ein umher laufendes kleines Kind und machst das gleiche, passiert folgendes: Du drückst den Auslöser halb, die Kamera fokussiert auf das Kind, es piept, du machst ein Foto und stellst fest, dass das Kind in der Zeit schon nicht mehr an dem Punkt ist, auf den die Kamera fokussiert hat.

Ja, schade! Dumm gelaufen würde ich sagen. Aber auch dafür gibt es eine Lösung. Man muss sie nur wissen. Wir machen also weiter mit Modus 2.

2. Kontinuierlich (Kontinuierlicher AF)

Angenommen du hast also ein laufendes Kind und möchtest das fotografieren. Im Kontinuierlichen Modus kein Problem, denn die Kamera fokussiert einfach immer weiter, solange du den Auslöser halb gedrückt hältst. Sie versucht also das sich bewegende Motiv immer im Fokus zu behalten. Je nach Kameramodel, funktioniert das dann gut oder halt weniger gut.

3. Einmalig/Kontinuierlich (AF-Automatik)

Modus Nr. 3 ist ein Alleskönner und funktioniert so: Solange dein Motiv sich nicht bewegt, verhält es sich wie Modus Nr. 1. Wenn sich jetzt z. B. ein stillstehendes Kind plötzlich entscheidet, wie wild loszurennen, dann wechselt die Kamera in Modus 2.

Modus 3 kann dir z. B. helfen, wenn du Tiere fotografieren willst. Nehmen wir an du hast einen schönen bunten Vogel auf einem Ast entdeckt, der schön ruhig vor sich hin träumt. Jetzt schreckt den Vogel aber irgendwas auf und er fliegt weg. Mit Modus 3 hast du mit ein bisschen Glück in beiden Situationen deinen Fokus auf dem Vogel.

Praxis

Und schon kommen wir zum Praxisteil. Dieses Mal ist es wirklich sehr wichtig, dass du dir dein Handbuch vornimmst und einfach mal alle Einstellungen durchgehst. Wir probieren jetzt einfach mal mehrere Sachen aus. Dieses Mal kann ich euch nicht so richtig was „vorfotografieren“, da ihr ja die Fokuspunkte in meinem Sucher nicht sehen könnt. Aber ich bin mir sicher, dass bekommen wir auch so hin.

Teil 1

Was du vorbereiten musst

  1. Für den Teil kannst du gerne in deiner Wohnung bleiben.
  2. Stell deine AF-Fokusmessfeldsteuerung auf Automatik ein, sodass deine Kamera den Fokus im Bild aussucht.
  3. Wähle den Autofokusmodus „Einmalig“ (Einzelautofokus), bei mir wird der auf der Kamera mit AF-S angezeigt.

Motivwahl: Am besten du lädst eine Freundin oder einen Freund zum Essen ein oder fragst deinen Freund/ deine Freundin oder einen deiner Mitbewohner. Alternativ kannst du aber auch einfach einen großen Gegenstand nehmen, den du dann in den Bildvordergrund stellst, z. B. einen Besen oder eine Vase.

Autofokus Einstellung bei der Nikon D7000
Autofokus Einstellung bei der Nikon D7000

Wie ich die Einstellungen an der Nikon D7000 verändere: Ich habe vorne an der Kamera einen kleinen Hebel mit Knopf, an dem AF und M steht. AF steht in dem Fall für Autofokus und M für Manuell.

Wenn ich also komplett gar keinen Autofokus benutzen will, kann ich das ganze auch manuell einstellen. Wollen wir aber heute nicht. Ich stelle es also auf AF. Jetzt habe ich an der D7000 zwei Rädchen, vorne und hinten.

  • Wie ändere ich den AF-Modus
    • In dem ich den Knopf vorne (sieht Bild) gedrückt halte und am hinteren Rädchen drehe.
  • Wie ändere ich die AF-Messfeldsteuerung
    • In dem ich den Knopf vorne (siehe Bild) gedrückt halte und am vorderen Rädchen drehe.

Welche Einstellung jeweils eingestellt ist, zeigt die Kamera mir im Display an. Welches Symbol für welche Einstellung ist, kann ich dann im Handbuch nachgucken.

Weiter geht’s

Ich gehe jetzt einfach mal von einem Menschen aus, der sich bereit erklärt hat, bei dem Experiment mitzumachen. Basti musste sich eben ebenfalls dazu bereit erklären. Ihr macht also jetzt folgendes.

  1. Dein Model stellt sich mittig vor dich und deine Kamera und dementsprechend natürlich auch vor den eigentlichen Hintergrund im Raum (Regal, Schrank..). Die Person sollte nicht direkt vor dem Hintergrund stehen, sondern so 2 Meter davor, wenn möglich.
  2. Du drückst den Auslöser halb ein.
    1. Jetzt müsstest du beobachten können, dass die Fokuspunkte auf der Person sind.
  3. Mach ruhig mal ein Foto.
  4. Jetzt lass deine Testperson mal die Arme ausstrecken.
  5. Und drück noch mal den Auslöser halb ein.
    1. Jetzt müsstest du beobachten, dass die Fokuspunkte sich verändert haben und nicht mehr nur auf dem Körper, sondern auch auf den Armen sind (im besten Fall).
  6. Mach jetzt ruhig nochmal ein Foto.
  7. Du kannst jetzt auch deine Testperson bitten, sich einfach mal links und rechts ins Bild zu stellen und gucken, ob der Autofokus das auch hin bekommt und trotzdem noch auf die Person fokussiert.

Teil 2

Jetzt reicht es mit der Rumsteherei. Jetzt kümmern wir uns mal um Dinge, die sich bewegen.

Was du vorbereiten musst

  1. Für den Teil gehst du lieber raus an die frische Luft. Entweder du nimmst dir jemanden mit, der Lust hat mit dem Fahrrad vor dir hin und her zu fahren oder du gehst an eine Straße und fotografierst die Autos oder auch die Fahrräder dort.
  2. Stell deine AF-Fokusmessfeldsteuerung auf Einzelfeldsteuerung ein, sodass du deinen Fokus mit den links/rechts/oben/unten-Tasten selbst wählen kannst.
  3. Du wählst wieder Autofokusmodus „Einmalig“ (Einzelautofokus), bei mir wird der auf der Kamera mit AF-S angezeigt.

Weiter geht’s

  1. Du machst jetzt ein Foto von einem Motiv, das sich bewegt.
  2. Du hast ja jetzt den AF-Modus „Einmalig“ gewählt, das heißt du kannst selbst bestimmen wo dein Fokuspunkt sein soll.
  3. Angenommen du stehst an der Straße und die Autos fahren von links nach rechts an dir vorbei. Dann guckst du durch den Sucher und stellst deinen Fokus ganz nach links ein. Sobald also ein Auto kommt, drückst du den Auslöser halb runter – fokussierst auf das Auto und drückst ab.

Und dann guckst du dir das Ergebnis an. Normalerweise solltest du jetzt feststellen, dass dein Motiv nicht mehr scharf ist, weil der Modus AF-Einzelautofokus nicht schnell genug ist. Das Auto ist in dem Moment, in dem du abdrückst schon wieder weg.

Versuch Nr. 2

Was du an den Einstellungen jetzt ändern solltest:

  1. Du änderst den Modus von Einzelautofokus auf kontinuierlichen Autofokus.
  2. Und jetzt machst du einfach das gleiche noch einmal.

Resultat:

Deine Kamera fokussiert nun konstant. Sie schaltet die prädiktive Schärfennachführung ein. Klingt kompliziert, bedeutet aber nur, dass die Kamera versucht, sobald du auf ein sich bewegendes Motiv fokussierst, die endgültige Distanz zum Motiv vorauszuberechnen und die Schärfe dann bei Bedarf anzupassen.

Was du dir also merken kannst

Solltest du mal bewusst bewegte Motive fotografieren, z. B. bei Action- oder Sportfotografie, erinnere dich einfach daran zurück, dass es verschiedene Modi und verschiedene Einstellungen für die Messfeldsteuerung gibt.

Ist dein Motiv „ständig“ in Bewegung, stell es auf „Kontinuierliche AF“, wenn es auch ab und zu still steht und du es dann und in Bewegung auf einem Foto festhalten möchtest, dann stell es einfach auf AF-Automatik.

Ich hoffe, dir hattest auch heute wieder Spaß und probierst die Einstellung bei auch bald mal aus. Natürlich freue ich mich auch hier über deinen Kommentar. Also: Los, los: kommentier hier unten einfach.

Gefällt dir unsere Art Wissen zu vermitteln? Dann guck dir doch mal unseren Online-Fotokurs genauer an:

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>> Hier geht’s weiter mit Teil 10: Betriebsart deiner Kamera.

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