Tamron 16-300 mm: Unser Erfahrungsbericht über das Tamron-Reisezoom

Objektive mit einem großen Brennweitenbereich, sogenannte Superzooms oder Reisezooms, haben einen sehr schlechten Ruf. Spöttisch werden sie gern mal als Suppenzoom bezeichnet und wenn man sich Beiträge in Fotografie-Foren so durchliest, könnte man denken, diese Objektive wären direkte Ausgeburten der Hölle.

Da auch wir immer wieder mit dieser vorherrschenden Meinung konfrontiert wurden, waren wir zunächst sehr skeptisch, als uns Tamron angeboten hat, das 16-300 mm-Reisezoom auf unsere sechsmonatige Asienreise mitzunehmen und ausgiebig zu testen.

Aber hey, wir bilden uns gerne unsere eigene Meinung und so haben wir das gute Stück einmal um die halbe Welt und zurück getragen und auf seine Praxistauglichkeit getestet.

In unserem Erfahrungsbericht über das Tamron-Reisezoom, berichten wir dir von unseren Erfahrungen mit dem Objektiv und geben dir einen Überblick über die Vor- und Nachteile.

Natürlich findest du hier auch eine Menge Beispielfotos. So kannst du dir auch selbst eine Meinung darüber bilden, ob die Bildqualität des Reisezooms für dich ausreichend ist.

Was du in unserem Erfahrungsbericht nicht erwarten kannst, sind technische Spitzfindigkeiten und Analysen unter Laborbedingungen. Das ist nicht so unsere Art. Wir bewerten ein Objektiv lieber anhand der mit dem bloßen Auge sichtbaren Ergebnisse.

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Technische Daten des Tamron 16-300 mm Reisezoom

Ganz ohne technische Daten geht es natürlich auch bei uns nicht. Bevor wir dir zeigen, wie sich das Reisezoom in der Praxis bewährt hat, schauen wir uns erstmal an, was das Objektiv auf dem Papier zu bieten hat.

Tamron Reisezoom

Die technischen Daten des Tamron 16-300 mm Reisezooms:

Brennweite: 16 bis 300 mm
Lichtstärke: f/3.5 bis f/6.3
Naheinstellgrenze*: 39 cm
Gewicht: 540 Gramm
Länge: 9,95 cm
Filtergröße: 67 mm
Anschlüsse: Nikon, Canon, Sony
Preis: 849 Euro UVP – bei Amazon ca. 400 Euro.

*Die Naheinstellgrenze ist der minimale Abstand zwischen deinem Motiv und dem Sensor. Wenn du zu nah an dein Motiv herangehst und diese Grenze unterschreitest, wird deine Kamera nicht auslösen.

Der Brennweitenbereich von 16 mm bis 300 mm ist natürlich unschlagbar. Von Weitwinkel bis tief in den Telebereich ist hier wirklich alles in einem Objektiv vereint. Das Reisezoom ist speziell für Kameras mit einem APS-C-Sensor entwickelt. Wenn du also eine Vollformatkamera hast, ist dieses Objektiv nicht das Richtige für dich.

Die maximale Offenblende von f/3.5 ist ein normaler Wert für ein Zoom-Objektiv. Im Telebereich wird es dann natürlich mit Werten von bis zu f/6.3 schlechter. Das ist bei einem Objektiv zu dem Preis aber auch völlig normal.

Erwähnenswert ist noch die geringe Naheinstellgrenze von 39 cm. Damit sind in einem gewissen Rahmen sogar Makroaufnahmen möglich.

Das Objektiv gibt es für Nikon, Canon und Sony und somit für die drei großen Kamerasysteme. Leider gibt es das Objektiv derzeit nur für den A-Mount-Anschluss. Ein E-Mount-Objektiv für die spiegellosen Kameras von Sony gibt es derzeit nicht.

Erfahrungsbericht: Handhabung des Tamron Reisezooms

Der erste Eindruck des Objektivs ist positiv. Es liegt gut in der Hand und die Verarbeitung macht einen hochwertigen Eindruck.

Mit 540 Gramm ist es sicher kein Leichtgewicht. Für den Brennweitenumfang ist das aber durchaus ein guter Wert.

Zum Vergleich: Unser vorheriges Immerdrauf-Objektiv war das Nikkor 16-85 mm und das hat auch fast 500 Gramm gewogen.

Der Autofokus arbeitet gut und leise. Da kann man wirklich nicht klagen. Der erste Eindruck war also schonmal positiv.

Man kann mit dem Reisezoom übrigens auch sehr gut auf einem Tuk Tuk balancieren, um weit entfernte Elefanten zu fotografieren.

Das ist noch ein zusätzliches Feature, was uns Tamron tatsächlich verschwiegen hat.

Tamron Reisezoom im Einsatz

Erfahrungsbericht: Bildqualiät des Tamron 16-300 mm Reisezooms

So, jetzt aber Butter bei die Fische. Technische Daten sind ja schön und gut. Größe, Gewicht und Handhabung sind auch interessante Fakten, aber das eigentlich Interessante bei einem Erfahrungsbericht über das Tamron Reisezoom ist dann doch die Bildqualität.

Wenn man nach den Mahnern in den Fotografie-Foren geht, muss die Qualität der Bilder bei einem Reisezoom ja zwangsläufig grauenvoll sein. Das können wir schon mal nicht bestätigen.

Wir haben das Reisezoom in den verschiedensten Situationen getestet: Bei guten Lichtverhältnissen und bei Dunkelheit, im Weitwinkel und im Telezoom-Bereich und in allen Situationen dazwischen.

Da Bilder ja bekanntlich mehr sagen als tausend Worte zeigen wir dir jetzt einfach mal ein paar Bilder, die mit dem Reisezoom entstanden sind. Ob die Bildqualität deinen Ansprüchen genügt, kannst du danach am besten selbst beurteilen.

Impressionen einfangen mit dem Reisezoom

Beginnen wir mal mit einigen typischen Reportageaufnahmen während einer Reise. Der große Vorteil eines Reisezooms ist ja eben, dass man es immer drauf haben kann und für jede Situation sofort die richtige Brennweite parat hat.

Tamron 16-300 Beispielfoto - Zugfahrt Sri Lanka
Brennweite: 58 mm, Blende: f/8, Verschlusszeit: 1/160 s, ISO: 250
Tamron 16-300 Beispielfoto Sri Lanka Zugfahrt
Brennweite: 35 mm, Blende: f/5.6, Verschlusszeit: 1/1000 s, ISO: 400

Die beiden Bilder wurden während einer Zugfahrt in Sri Lanka aus dem Fenster aufgenommen. Viel Zeit um großartige Einstellungen vorzunehmen, hatten wir in diesen Situationen nicht.

Tamron 16-300 Beispielfoto aus Doha
Brennweite: 78 mm, Blende: f/11, Verschlusszeit: 1/200 s, ISO: 100

Das dritte Bild ist in Doha, Qatar entstanden. Hier war sehr viel Licht vorhanden und das Bild ist ebenfalls eine sehr spontane Momentaufnahme.

Härtetest für den Bildstabilisator und den Autofokus

Jetzt aber mal ein etwas herausfordernderes Motiv. Diesen kleinen Kerl haben wir auf der Insel Bohol auf den Philippinen entdeckt.

Er hat sich hinter einigen Zweigen und Ästen versteckt und die Lichtverhältnisse waren nicht die besten. Der Autofokus kam aber auch mit dieser Situation gut klar.

Tamron Reisezoom Bsp - Tarsier Bohol
Brennweite: 110 mm, Blende: f/5.6, Verschlusszeit: 1/50 s, ISO: 800

Wie man an den Werten sieht, waren wir bei diesem Foto schon weit im Telebereich. Hier sieht man mal sehr gut, wozu der im Objektiv integrierte Bildstabilisator in der Lage ist.

Bei einer Brennweite von 110 mm aus der Hand mit einer Verschlusszeit von 1/50 s zu fotografieren ist sicher nicht selbstverständlich und ein klarer Pluspunkt für das Objektiv.

Bilder mit maximalem Zoom

Natürlich haben wir die maximale Brennweite auch ab und zu bis zum Äußersten ausgereizt und gezoomt bis zum Ende. Bei einer Brennweite von 300 mm ist es nicht immer ganz einfach, aus der Hand zu fotografieren, dennoch konnten wir auch in diesen extremen Bereichen gelungene Aufnahmen machen:

Beispielfoto für 300 mm - Reisezoom Tamron
Brennweite: 300 mm, Blende: f/8, Verschlusszeit: 1/320 s, ISO: 800
Beispielfoto für 300 mm Reisezoom
Brennweite: 270 mm, Blende: f/6.3, Verschlusszeit: 1/800 s, ISO: 320

Bei beiden Fotos mussten wir mit einem etwas höheren ISO fotografieren, da wir mit einer möglichst kurzen Verschlusszeit fotografieren mussten. Dennoch sind die Fotos scharf, obwohl wir bei beiden Fotos kein Stativ verwendet haben.

Bilder bei Dunkelheit

Test des Reisezooms bei Dunkelheit - Sonnenuntergang
Brennweite: 22 mm, Blende: f/6.3, Verschlusszeit: 1/20 s, ISO: 100

Natürlich haben wir das Objektiv auch bei Dunkelheit getestet.

Dieses Bild vom Sonnenuntergang auf Koh Lanta ist sogar noch aus der Hand fotografiert. Trotz Verschlusszeit von 1/20 s ist es nicht verwackelt.

Test bei Sonnenuntergang - Skyline von Bangkok
Brennweite: 26 mm, Blende: f/11, Verschlusszeit: 1 s, ISO: 400

Für dieses Foto zum Sonnenuntergang in Bangkok haben wir dann aber doch ein Stativ benutzt. Eine Sekunde Verschlusszeit aus der Hand kompensiert auch der beste Bildstabilisator nicht mehr.

Stärken und Schwächen des Tamron Reisezooms

Das Tamron 16-300 hat natürlich eine ganz große Stärke. Du hast drei Objektive in einem: ein Weitwinkel, ein Normalobjektiv und ein Teleobjektiv. Das ganze ist verpackt in kompakten 540 Gramm, die du permanent auf deiner Kamera haben kannst, ohne ständig Objektive wechseln zu müssen.

Gerade wenn du bei deiner Fotoausrüstung für die Reise auf Gewicht und Volumen achten musst, dann ist das Tamron Reisezoom der perfekte Begleiter.

Gerade unterwegs ist ein Reisezoom einfach Gold wert. So war es für uns zum Beispiel in Sri Lanka wirklich ein Segen, dieses Objektiv zu haben. In einem Moment standen wir vor einer beeindruckenden Landschaft, die wir mit einem Weitwinkel fotografieren haben.

Wenige Sekunden später haben wir irgendwo in der Ferne ein wildes Tier entdeckt, wo wir den vollen Telezoom brauchten, um es aufs Foto zu bannen. Solche Situationen kann man nur mit einem Reisezoom meistern, oder man muss eben mehrere Kameras mit verschiedenen Objektiven dabei haben.

Die Bildqualität des Tamron 16-300 mm hat uns wirklich positiv überrascht, denn ehrlich gesagt waren auch wir von den kritischen Stimmen ein wenig voreingenommen.

Natürlich wirst du mit einer guten Festbrennweite oder einem guten Weitwinkel- oder Teleobjektiv immer eine höhere Bildqualität erzielen. Das ist dann aber auch wieder eine Preisfrage.

Für drei Objektive höhere Bildqualität, bist du schnell mal 1.000 bis 3.000 Euro los. Das 3-in-1-Objektiv von Tamron kostet dich ca. 400 Euro).

In den Randbereichen, also bei einer sehr kurzen oder sehr langen Brennweite, kommt es am Bildrand zu Vignettierungen und leichten Verzerrungen.

Damit haben wir aber schon gerechnet, weshalb es uns nicht großartig überrascht hat. Mit der Profilkorrektur in Lightroom kannst du diese Verzeichnungen übrigens mit einem Klick entfernen.

Unten siehst du einmal einen Vergleich einer Aufnahme mit Profilkorrektur (oben) und ohne Profilkorrektur (unten).

Bsp. mit Profilkorrektur
Mit Profilkorrektur
Bsp Foto Ohne Profilkorrektur
Ohne Profilkorrektur

Fazit: Für wen ist das Tamron-Reisezoom 16-300 mm geeignet?

Wenn du für National Geographic fotografierst, dann ist das Tamron-Reisezoom wahrscheinlich nichts für dich. Wenn du tolle Reisefotos haben möchtest und nicht viele Objektive mit dir rumschleppen willst, dann können wir dir das Objektiv definitiv empfehlen.

Du weißt wahrscheinlich, worauf wir hier hinauswollen: Die negativen Stimmen über Reisezooms kommen meistens von Fotografen, die Equipment im Wert von mehreren tausend Euro haben. Natürlich kann ein Tamron-Reisezoom da nicht mithalten, aber das war auch nie der Anspruch.

Wir finden, dass man hier ganz klar zwischen den Anforderungen eines Profi-Fotografen, der von dem Verkauf seiner Fotos lebt und den Anforderungen eines Hobbyfotografen unterscheiden muss und für den Hobbybereich macht sich das Objektiv definitiv sehr gut.

Der Preis von etwa 400 Euro ist sicher kein absolutes Schnäppchen. Dafür bekommst du aber ein Objektiv mit einer wirklich vernünftigen Bildqualität und guter Verarbeitung.

Wir waren sehr überrascht, wie gut man mit dem Objektiv arbeiten kann und finden es sehr schade, dass Reisezooms in vielen Fotografie-Foren und unter Fotografen oft auf eine grundsätzliche Abwehrhaltung stoßen.

Für Hobbyfotografen ist das Reisezoom unserer Meinung nach super geeignet und wer, wie wir, gerne mit leichtem Gepäck und auch leichter Fotoausrüstung unterwegs ist, wird die Flexibilität des Objektives schnell zu schätzen wissen.

Zum Tamron Objektiv 16-300 mm für Nikon, Sony & Canon.

Hast du Fragen? Welches sind deine Erfahrungen mit dem Tamron 16-300 Reisezoom-Objektiv?

Bist du vielleicht auch bereits stolzer Besitzer des Reisezooms oder überlegst du noch, ob das Objektiv für dich das richtige ist und hast Fragen an uns? Wir freuen uns über deinen Kommentar!

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